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80 Jahre Wertarbeit

07.11.2014

Die Kfz-Branche hat sich in den vergangenen 80 Jahren stark verändert: Viele Betriebe mussten zusperren, einige wurden neu eröffnet. Auto Reiter in Wien-Meidling hat die Jahrzehnte überdauert und ist geblieben. Ein Besuch in einem Traditionsbetrieb. 

In der Wiener Albrechtsbergergasse wird schon seit Jahren gebaut. Ein Haus nach dem anderen wird entweder saniert oder ganz abgerissen und anschließend neu aufgebaut. Die Zeiten stehen auf Veränderung – nicht nur in Meidling. Zwar ist am Betrieb von Friedrich Reiter die Zeit nicht spurlos vorbeigegangen, aber man erkennt auf den ersten Blick, dass hier eine umfassende Familien- und Betriebshistorie beheimatet ist. 

Die Atmosphäre

Betritt man den Betrieb, steht man praktisch mit einem Fuß im Hof, mit dem anderen im Büro von Doppelmeister Friedrich Reiter. Die Smart-Zigarette glüht im Aschenbecher vor sich hin, während der knapp 70-jährige per Handschlag die Kunden begrüßt. Die Atmosphäre ist typisch für eingesessene Handwerksbetriebe: kein neumodischer Schnickschnack, kein Glaspalast mit geleckten Verkaufspersonal. Nein, ehrliche Handwerker im Blaumann und mit öligen Händen sitzen hier und kümmern sich um die Kundschaft. Stets freundlich und bemüht, denn Sie wissen, der Chef sitzt daneben und genießt die nächste Smart. Die personifizierte gute Laune ist die Chefin, Elisabeth Reiter. Das Lächeln einer Frohnatur blitzt einen an, und schon fühlt man sich gut aufgehoben. Das Gleiche gilt übrigens auch für die Autos hier, denn Auto Reiter bietet praktisch alles unter drei Dächern an: Kfz-Reparaturen und Services, Lackier- und Spenglerarbeiten, und, fast schon etwas Exotisches, Sattlerarbeiten. 

Das Geschäft

Als ehemaliger Wiener Landesinnungsmeister der Karosseriebautechniker kennt Friedrich Reiter die Branche lange und gut. Seine Worte wählt er daher vorsichtig und wohlbedacht: „Das Geschäft hat sich verändert. Viele Lackierer machen Preisdumping, und dann kommt noch die Konkurrenz aus Tschechien und Ungarn dazu. Die leisten keine schlechte Arbeit, können aber nicht mit unserer Qualität mithalten.“ Auto Reiter ist seit mehr als 30 Jahren Akzo-Nobel-Kunde und vertraut auf Sikkens-Lacke. Derzeit sind mit dem Chef zehn Leute im Betrieb tätig, „aber bei uns wird keiner Stempeln geschickt, auch im Winter nicht, wir sind gut ausgelastet“. Da man auch Sattlerarbeiten anbietet, ist man gerade für Oldtimersammler und Motorradfahrer ein guter Ansprechpartner. So verwundert es kaum, dass das Chefbüro gesäumt ist mit unzähligen Fotos von Kundenfahrzeugen, die hier in mühevoller Kleinst- und Handarbeit restauriert wurden. Friedrich Reiter blickt etwas müde, aber doch auch stolz auf seine bebilderten Bürowände. Und jedes Modell hat seine Geschichte und seinen Besitzer. Und beides hat Herr Reiter sofort aus dem Gedächtnis parat. 

Die Zukunft

Einen Nachfolger hat Friedrich Reiter schon, sogar zwei: seinen Sohn Fritz Reiter sowie den derzeitigen Betriebsleiter Markus Wimmer. Wann die Übergabe erfolgt, ist ungewiss, „denn wissen Sie, ich bin wie mein Vater – ich lasse nix aus“, lächelt Reiter. Dessen Vater hat den Betrieb 1933 als Autotapezierer gegründet. Die Berufsbezeichnung lässt den Zeitgeist von damals erahnen. Heute ist das Geschäft schon härter geworden. Oldtimer-Komplettrestaurationen sind seltener geworden, außerdem ist es zwar eine schöne Arbeit, die dem Image zuträglich ist, aber „man kann die zigtausend Arbeitsstunden nicht in Rechnung stellen. Meistens macht man sich Pauschalen aus, wo man eher schlecht als recht aussteigt“, fasst Fritz Reiter zusammen. Dennoch blickt der Betrieb optimistisch in die Zukunft. Immerhin hat man doch schon 80 Jahre Geschäftserfahrung. 

Autor/in:
Philipp Bednar
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