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Olaf Mußhoff, Director Automechanika

Automechanika abgesagt - Das Interview

06.05.2020

Die heurige Automechanika in Frankfurt - die Automotive Aftermarekt-Leitmesse - ist abgesagt und auf September 2021 verschoben. Wir haben mit Olaf Mußhoff, Director Automechanika, nachgefragt wie es dazu kam und wie es weitergehen wird.

Herr Mußhoff, was genau waren die maßgeblichen Gründe die Automechanika zu verschieben?
Zum einen die lokal wie global anhaltenden Maßnahmen zur Eindämmung von Covid-19. Für viele der Teilnehmer und Besucher aus zuletzt über 180 Ländern wäre eine Teilnahme unter den momentan gegebenen und zu erwartenden Umständen einfach nicht möglich. Darin haben uns alle führenden Verbände des Automotive Aftermarkets bestärkt und vor allem auch unser Beirat, mit dem wir vor einigen Tagen noch einmal ausführlich gesprochen haben. Zum anderen die Gesundheit aller Teilnehmer der Veranstaltung. Das gesundheitliche Wohl unserer Aussteller und unserer Besucher hat für uns höchste Priorität.

Gab es viele Aussteller, die trotz Corona-Pandemie die Automechanika gerne abgehalten hätten?
Vor einigen Wochen noch gab es auch viele Stimmen unter den Ausstellern, die sehr optimistisch waren. Nach den jüngsten Verkündungen der Bundesregierung Deutschland und der Bundesländer kann jedoch zum aktuellen Zeitpunkt keine Garantie dafür gegeben werden, dass Großveranstaltungen im September in Deutschland stattfinden dürfen bzw. dass bestehende Reiseverbote ganz oder teilweise aufgehoben sind. Für die Durchführung von Veranstaltungen jeglicher Art spielen jedoch Reisebestimmungen und -möglichkeiten sowie Versammlungsverbote eine zentrale Rolle. Für viele Kunden und Gäste unserer international erfolgreichen Fachmessen ist eine Teilnahme unter den momentan gegebenen und zu erwartenden Umständen nicht denkbar bzw. möglich gewesen.

Konnten alle Aussteller reibungslos für den neuen Termin im September 2021 gewonnen werden oder gab es auch Aussteller, die sich komplett zurückziehen werden?
Wir werden in den nächsten Wochen mit allen Ausstellern in Kontakt treten, um genau dies in allen Einzelfällen herauszufinden. Von vielen Branchenführern wissen wir, dass sie im nächsten Jahr an der Automechanika teilnehmen wollen. Andererseits müssen wir der Wahrheit ins Auge sehen. Einige der Aussteller, die in diesem Jahr teilnehmen wollten, stehen momentan wirtschaftlich vor großen Herausforderungen. Ich denke, man muss jetzt sehen, wie schnell Industrie, Werkstatt und Handel wieder hochfahren können und sich damit die wirtschaftliche Situation wieder bessert. In einigen Bereichen des Automotive Aftermarket wird es schneller gehen, in anderen langsamer. Eine Automechanika wird aber auch weiterhin eine herausragende Rolle dabei spielen, sich und seine Produkte im Markt bekannt zu machen und zu halten und neues Geschäft zu generieren.

Lässt sich die Verschiebung der Automechanika von heuer auf das nächste Jahr in Euros, die der Messe Frankfurt verloren gehen, beziffern?
Wir haben seit März über 40 Veranstaltungen weltweit abgesagt. Dadurch sind natürlich hohe Verluste entstanden, bei null Einnahmen auf der anderen Seite. Noch dazu haben wir ein großes Messegelände und hohe Instandhaltungskosten, die wir bislang immer aus unseren eigenen Gewinnen stemmen konnten. Wir haben in den letzten 16 Jahren gut gewirtschaftet, insofern können wir diese Krise überstehen. Wichtig wird, dass es irgendwann wieder losgeht. Wir hoffen, dass wir Ende des Jahres noch einige Formate realisieren können, z.B. die Hypermotion. Bei ihr geht es um die Digitalisierung und Dekarbonisierung bei allen Verkehrsträgern und ihrem Zusammenspiel oder die Cleanzone, da geht es um Reinraumtechnologie. Eigentlich müsste das Thema in diesem Jahr durch die Decke gehen. Wir hoffen auch, dass unser internationales Geschäft, vor allem Asien, Ende des Jahres wieder beginnen kann und dort zumindest regionale Shows wie z.B . die Automechanika Shanghai wieder stattfinden. Zuletzt hatte die Veranstaltung 6.500 Aussteller und rund 140.000 Besucher.

Wird sich ob der Verschiebung am Messekonzept bzw. Messeformat 2021 etwas ändern? 
Das Rad dreht sich immer weiter, die Entwicklungen sind sehr dynamisch. Insofern kann ich mir schon vorstellen, dass die eine oder andere Technologie oder der eine oder andere Service hinzukommen wird, mit dem wir jetzt noch nicht rechnen. Aber natürlich werden wir mit all jenen Ausstellern, die 2020 ihre Produkte zeigen wollten erst einmal eng zusammenarbeiten und für 21 anknüpfen. Schwerpunktthemen sind neben dem großen Angebot an Teilen und Werkstattgeschäft Zukunftstechnologien und Mobilitätsservices, Fahrzeugindividualisierung, Waschen und Detailing sowie das Business rund um Young- und Oldtimer.

Zum Abschluss: Wie schwer ist Ihnen die Entscheidung gefallen, die Automechanika zu verschieben? Glauben Sie weiterhin an das Konzept der klassischen Publikums- und Fachmessen?
Für uns alle fühlt es sich an wie ein Marathon, der nochmal in die Verlängerung geht. Aber in Frankfurt lautet die Devise: Jetzt erst recht! Jetzt erst recht zusammenhalten und Zukunft gemeinsam gestalten. Ich bin sicher, das Team wird weiterhin alles  geben - für eine erfolgreiche Messe in 2021. Das Konzept von Fachmessen, die persönliche Begegnung zu geschäftlichen Zwecken, ist durch nichts zu ersetzen und wird auch weiterhin notwendig sein. Auch das wurde mir und dem Team in den letzten Wochen in unseren Gesprächen immer wieder gespiegelt. Dazu kommt: uns Messemenschen fehlt die persönliche Begegnung ganz besonders, das steckt einfach in unserer DNA. 

Autor/in:
Philipp Bednar
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