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Bester Boxerklang des Jahrtausends

31.03.2014

BMW setzt auf moderne Technik im Klassiker-Outfit. Die R nine T mit mächtigem Boxer, klassischem Tank, breitem Lenker und spartanischer Ausstattung wirbt um Retro-Fans.

BMW R Nine T

Noch vor einigen Jahren waren BMW Motorräder hauptsächlich dafür bekannt, langstreckentauglich, technisch topmodern und  innovativ zu sein. Nun sind das per se keine Dinge, die man einer Marke vorwerfen kann, es gibt wahrlich negativere Vorurteile, aber bei einer großen Gruppe von Fahrern stieß die Modellpalette dennoch auf deutliche Ablehnung. Sehr viele Motorradfahrer interessieren sich herzlich wenig für technische Innovation und größtmöglichen Komfort, sie wollen ein Bike, das sie in der Magengrube trifft, nicht im Frontallappen. Menschen, für die ein nüchterner Vergleichstest niemals ein entscheidender Faktor bei der Kaufentscheidung sein wird. Nun ist es schon seit einigen Jahren so, dass BMW durch die Markteinführung einiger sehr ernstzunehmender und äußerst konsequent entwickelter Sportmodelle sein Tourenfahrerimage zumindest zum Teil abgelegt hat. Aber die Fahrer, denen technische Datenblätter relativ egal sind, kann man auch damit nicht beeindrucken. Und genau auf diese Zielgruppe hat man es mit der neuen R nine T abgesehen. Auf Kunden, die sich auf den ersten Blick in ein Motorrad verlieben.

Reduzierter Roadster
Der reduzierte Roadster mit der klassischen Optik ist schon vor Jahren auf den ersten Messen aufgetaucht, aber man hat sich lange vor der Einführung gedrückt, auch wenn es viele positive Reaktionen gab. Andererseits ist das Zögern nicht ganz unverständlich, denn zwischen wollen und kaufen liegt ein Unterschied, zudem ist das Konzept für BMW völliges Neuland. Andererseits kann man nur dann immer weiter wachsen, wenn man auch seinen Kundenkreis vergrößert, insofern macht es Sinn, dass sich die Puristen im Entwicklungsteam der Marke endlich durchgesetzt haben. Und das Warten hat sich gelohnt. Die R nine T sieht fast genauso aus wie die genialen Konzeptbikes, die wir schon von vergangenen Messen kennen. Ein mächtiger Boxer, ein klassischer Tank, ein breiter Lenker und nur die notwendigste Ausstattung rundherum. Bei den Farbvarianten hält man sich ganz an Henry Ford: Alles ist möglich, solange es schwarz ist. Auch wird sich das Originalzubehör ganz BMW untypisch eher in Grenzen halten, man hat klar erkannt dass Kunden dieser Zielgruppe eher darauf aus sind, ihr Fahrzeug nach und nach zu individualisieren. So hat man es den diversen Zubehörfirmen und Fahrzeugveredlern mit der R nine T so einfach gemacht wie noch nie. Der Kabelbaum der Motorelektronik ist völlig von der restlichen Elektrik getrennt, und alles ist so gebaut, dass man möglichst hürdenfrei Teile wie Blinker, Beleuchtung, Rahmenheck und Ähnliches tauschen kann. Jeder soll die Möglichkeit haben, seine R nine T zu einem Einzelstück umzubauen. Bleibt nur noch eine Frage, wie sich das Teil denn überhaupt fährt. Die erste Sitzprobe bring keine Überraschung, man sitzt relativ niedrig, sehr aufrecht (der Lenker hat fast schon Enduro- Ausmaße) und ausgesprochen bequem. Das Fahrwerk, eine Kombination aus dem BMW typischen Paralever hinten und der fetten USD-Gabel aus der S1000RR, besticht durch klare Rückmeldung und jeder Menge Reserven. Aber das ganze Konzept der R nine T verleitet nicht unbedingt zum Heizen. Der mächtige, luftgekühlte Boxer lädt mit seinen 110 PS und gewaltigen 120Nm Spitzenwerten viel eher zum Surfen auf der scheinbar endlosen Drehmomentwelle ein. Dabei hat der Motor beste Manieren, und so ist es auch nicht schlimm, wenn man vor der einen oder anderen Kehre auf das Zurückschalten vergisst. Sogar im dritten Gang zieht der Boxer auch aus dem tiefsten Drehzahlkeller. Hektisches Schalten in Schräglage mag die R nine T allerdings gar nicht, bei so viel Schwungmasse gibt es natürlich auch gewisse Lastwechselreaktionen. Besondere Erwähnung sollte der Klang finden, der aus dem linkseitig verlegten Auspuff dringt. Es ist zweifellos der am besten klingende BMW-Boxer des zugegeben noch recht jungen Jahrtausends.
Leider hat Individualität auch ihren Preis und mit 17.400 Euro ist die R nine T leider alles andere als ein Sonderangebot. Dafür aber darf man bei ihr sehr genau hinsehen, man wird keine unschönen oder billigen Details finden, alles ist wunderschön, und aus edelsten Materialien gearbeitet. Und im Gegensatz zu anderen Marken begrenzt sich der Retro-Aspekt bei BMW ausschließlich auf die Optik und nicht auf die verwendete Technik.
 

Autor/in:
Franz Farkas
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