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CSI Wiener Neustadt

02.03.2015

Ein Lehrer-Ehepaar aus Niederösterreich betreibt die größte Reifenprofil-Datenbank der Welt. Die Frage drängt sich auf: Wie sind sie bloß auf diese Idee gekommen?

Das Einfamilienhaus der Familie Lux fügt sich unauffällig in das typische Vorort-Ambiente aus Thujen-Hecken, Garagentoren und Satteldächern am Stadtrand von Wiener Neustadt. Nur das Türschild „Tire Global Information“ weist darauf hin, dass hinter der konventionellen Fassade ein weltweit agierendes Unternehmen zu Hause ist. Friedrich und Gundula Lux heißen der Chef und seine Mitarbeiterin, die außerdem miteinander verheiratet sind und die auch den Hauptberuf als Lehrer gemeinsam haben. Friedrich unterrichtet an der HTL Mödling den Umgang mit SAP und CAD, Gundula lehrt Geschichte und Geographie an der HLW Wiener Neustadt. Nach Dienstschluss treffen sie einander zu Hause in einem kleinen Mansardenzimmer, das mit zwei Schreibtischen, PCs, Zimmerpflanzen und vielen Katzenbildern eingerichtet ist. Dort arbeiten sie an ihrem Bestseller, der von internationalen Reifenherstellern ebenso hoch geschätzt wird wie von Kriminalisten rund um den Erdball: Das Tirebook - bis 2009 als gedruckter Katalog erschienen, seit fünf Jahren als digitale Datenbank im Excel-Format. Der Inhalt: Nahezu sämtliche Reifenprofile von Pkw, Lkw, SUV, Zweirädern und Landmaschinen weltweit, inklusive Bildern und Beschreibungen. „Die Kriminalisten verwenden unsere Datenbank für die Identifizierung von Abdrücken an Tatorten, die Reifenhersteller für die Beobachtung des Mitbewerbs und zur Entwicklung neuer Modelle“, erklärt Friedrich Lux, der Nebenerwerbs-Profiler. 

BEGINN EINER LEIDENSCHAFT

Von 1986 bis 1995 war der studierte Maschinenbauingenieur in der Forschung- und Entwicklungsabteilung der Semperit Reifen AG beschäftigt. Als Leiter des Projektes „Leichtreifen“ gelang ihm beispielsweise eine Gewichtsreduktion der Pneus um 20 Prozent, ohne Abstriche bei Laufeigenschaften und Haltbarkeit. 1995 wurde die Reifenforschung vom Mutterkonzern Continental AG aus Österreich abgezogen, Lux entschied sich für den Wechsel ins vergleichsweise zukunftssichere Lehramt. „Während meiner Tätigkeit bei Semperit bekam ich gelegentlich Anfragen von der Kriminalpolizei, die auf der Suche nach einem bestimmten Reifenprofil war“, erzählt Lux. Als er zu einem Vortrag über seine Leichtreifen in die USA geladen wurde, lernte er dort zufällig den Forensiker Peter McDonald kennen, der ihm zum ersten Mal das amerikanische Tire Book vorstellte. Lux fand die Sache spannend, zumal die Datenbank damals nur Reifen nord- und südamerikanischer Hersteller enthielt. Kurz entschlossen gründete er unter dem Namen Tire Global Information, kurz TGI, seine eigene Firma, trug in mühsamer Kleinarbeit die Informationen großer und kleiner Reifenproduzenten zusammen und ergänzte den amerikanischen Katalog um die Profile sämtlicher Hersteller Europas und Asiens. Fazit: Heute enthält der TGI-Gesamtkatalog, der alljährlich aktualisiert wird und auf DVD erscheint, über 16.000 Reifen aus aller Welt. Ergänzend dazu bietet der profilierte österreichische Reifensammler eine Datenbank mit rund 13.500 Fahrzeugen der letzten 15 Baujahre an, inklusive Radstand, Spurbreiten und Umbereifung.  

LOHNENDE SISYPHUSARBEIT

Hersteller, Dimension, Rillen, Lamellen, Lettern, Symmetrie oder Asymmetrie heißen die Merkmale, anhand derer Friedrich Lux die Reifen unterscheidet und katalogisiert. Alle Informationen und Fotos müssen von den Marketingabteilungen der Hersteller angefordert, die Bilder zum Großteil nachbearbeitet werden. Hinzu kommen Zuordnung und Beschlagwortung – ein echte Sisyphusarbeit. Doch diese scheint sich zu lohnen, wie die Weltkarte zeigt, auf der Friedrich Lux seine Kunden markiert hat: Außer in den USA, Kanada und Südamerika finden sich Abnehmer in ganz Europa, in weiten Teilen Asiens und sogar in Neuseeland und Südafrika. Neben dem Verkaufserlös seiner Datenbank erhält der Profil-Profi auch Lob und Anerkennung von der internationalen Vereinigung der Spurensicherer, die auf seine Initiative ihren Jahreskongress 2016 in Wien abhalten wird. Sogar ins Fernsehen hat es seine Datenbank bereits geschafft, freut sich Lux. „In einer Folge von CSI Las Vegas hat mein Tire Book geholfen, einen Mordfall zu klären.“

Nähere Informationen: www.tgi.co.at

Autor/in:
Peter Seipel
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