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 © SAG Austria / Doser

Derendinger schließt Zentrale in Salzburg - erneute Restrukturierung

01.03.2021

Die SAG Austria Handels GmbH schließt die Zentrale in Salzburg und übersiedelt. Auch das Filialnetz ist betroffen. Wir haben die erste Stellungnahme des neuen Geschäftsführers für Sie.

Letzte Woche wurde den Mitarbeitern der SAG Austria Handels GmbH, die in Österreich als Derendinger auftritt, mitgeteilt, dass die Zentrale in Salzburg und die Filialen in Eisenstadt und Graz geschlossen werden. SAG Austria bestätigt, dass 30 Mitarbeiter von einer einvernehmlichen Vertragsauflösung betroffen sind. 

Die neue Derendinger-Zentrale übersiedelt nach Wien, an den Standort der Hella Ersatzteilhandel GmbH, Deutschstraße 6, 1230 Wien. Die Swiss Automotive Groupe AG (SAG) hat 2019 die Hella Gutmann Solutions International AG aufgekauft und in den Konzern integriert. 

Christian Doser wird neuer Geschäftsführer von SAG Austria. Doser leitet bereits das SAG-Geschäft in Ungarn (Autonet-Group) und Slowenien. Der gebürtige Deutsche hat 25 Jahre Erfahrung im Teilehandelgeschäft und konnte seine Fähigkeiten in sieben verschiedenen Ländern unter Beweis stellen.

Herr Doser, was genau ist die Strategie hinter der erneuten Restrukturierung von Derendinger in Österreich?

Wir müssen unseren Fokus auf Profitabilität legen, Synergien nutzen und damit unser Geschäft in Österreich weiterentwickeln. 

Warum wird die Zentrale in Salzburg und die beiden Filialen in Graz und Eisenstadt aufgelassen?

Unser Europa-Zentrallager ist in Budapest. Wenn wir unsere Österreich-Zentrale nach Wien verlegen, verkürzen wir die Logistikkette und steigern die Effizienz. Die Filialschließungen in Graz und Eisenstadt basieren darauf, dass wir uns genau angesehen haben, welche Filialen welches Potenzial haben. In Graz haben wir uns - so ehrlich muss man sein - nicht so wettbewerbsfähig aufstellen können wir geplant. Die Filiale Eisenstadt liegt zu nahe an Wien. Lassen Sie mich aber bitte an der Stelle betonen: Der Abbau von Mitarbeitern ist uns nicht leicht gefallen, wir wollen lieber wachsen. Wir haben Mitarbeitern in Salzburg angeboten, die Übersiedelung nach Wien mitzumachen. Wir verstehen aber, wenn der Lebensmittelpunkt in Salzburg liegt, dass eine Übersiedelung nach Wien nicht sehr reizvoll ist.

Werden noch weitere Filialen geschlossen?

Nein. Wir sind mit unseren 18 Filialen jetzt sehr gut, effizient aufgestellt und diese sind auch profitabel.

Wie sieht Ihre Strategie als neuer Geschäftsführer für Österreich aus?

Wir haben die moralische Pflicht, Arbeitsplätze für unsere Mitarbeiter zu sichern. Dafür müssen wir ab jetzt unsere Grundhaltung etwas ändern. Ich sehe Optimierungspotenzial an unseren Point of Sales - in den Filialen. Wir müssen mit unserer Verfügbarkeit mehr in die Breite und weniger in die Tiefe. Ein Beispiel: Wir haben acht verschiedene Lieferanten für Bremsscheiben für ein gewisses Automodell. Das heißt nicht, dass alle acht Artikel in einer Filiale liegen müssen. Wahrscheinlich reichen weniger Artikel, dafür noch die passenden Bremsbeläge. Oder neben dem Ölfilter noch der Dichtring und das passende Öl. Das ist unsere neue Stoßrichtung: mehr aus einer Hand.

Warum hat Derendinger Westösterreich aufgegeben?

Westösterreich ist logistisch eine riesige Herausforderung. Wir haben eine Rentabilitätskalkulation gemacht und haben festgestellt, dass der Aufwand in keinem gesunden Verhältnis zum Ertrag steht. Daher konzentrieren wir uns jetzt auf Mittel- und Ostösterreich. Hier war Derendinger auch historisch schon immer stark. Auch hier zur Veranschaulichung: Um in Westösterreich den gleichen Service wie in Ostösterreich bieten zu können, brauchen wir im Zentrallager andere Anfahr- und Bestellzeiten. Solche Prozesse machen das Warenhandling deutlich komplexer. Bis Mittel- und Ostösterreich können wir ohne Extraschichten liefern. Sie sehen: Wir legen den Fokus auf mehr Effizienz. Außerdem muss man sagen, dass wir in Westösterreich einen starken Wettbewerbsdruck haben, wo sich auch kleinere Händler sehr gut am Markt positioniert haben und ein gutes Geschäft machen.

Welche Funktion wird Bruno Weidenthaler, zuletzt GF von Derendinger in Österreich, inne haben?

Bruno Weidenthaler wird auf eigenen Wunsch hin das Unternehmen per 31.3.2021 mit unbekanntem Ziel verlassen. 

Bis wann wir die Übersiedelung nach Wien und die Umstrukturierung abgeschlossen sein?

Die Planung sieht vor, dass wir 90 Prozent bis Ende Juni 2021 abgewickelt haben. Aber bei solch komplexen Angelegenheiten sind eventuelle Verzögerungen natürlich immer möglich.

Autor/in:
Philipp Bednar
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