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Illustration: http://autosaddict.com/2013-citroen-cactus-concept.html/2013-citroen-cactus-concept-design

Design oder nicht sein

02.04.2014

Autos sind emotional. Gerade deshalb ist deren Außen- und Innendesign sehr wichtig und ein entscheidendes Kaufargument. Im Rahmen des Genfer Automobilsalons hörten wir uns um, wie die Autos der Zukunft aussehen könnten.

Die Welt urteilt nach dem Scheine. Das wusste bereits Johann Wolfgang von Goethe. Und tatsächlich, blickt man sich um, dann erkennt man, wie oberflächlich unsere Welt geworden ist. Ob das gut oder schlecht ist, sei einmal dahin gestellt. Uns geht es vielmehr um die Fragen: Welchen Stellenwert hat Design in der Automobilbranche? Und wie wichtig ist Design für die Kunden? Dazu haben wir uns am Genfer Automobilsalon umgesehen und Stimmen eingeholt.
Am 84. Automobilsalon in Genf hieß es für die Hersteller, Farbe zu bekennen. Welche Trends sind absehbar? Welche Autos kommen in den nächsten Jahren? Und welche Formensprache ist am Puls der Zeit? Bereits am ersten Messetag wurde klar, dass die Hersteller vorsichtig agieren. Designhighlights waren der Citroen C4 Cactus, die Studie VW T-Roc, der neue Renault Twingo mit Heckmotor, die Volvo-Studie Concept Estate und der Kompaktsportler Honda Civic Type R Concept. Das Rad hat kein Hersteller neu erfunden, dafür waren die Neuheiten zu schlicht. Lediglich der Citroën Cactus stach aus der Menge heraus. Daher haben wir uns am Automobilsalon den Citroën Design Director Alexandre Malval geschnappt und ihn gefragt, wohin die Reise gehen könnte. „Wir werden verkehrsbedingt immer mehr Zeit im Auto verbringen, daher haben wir heute andere Anforderungen als früher. Das Interieur soll bequem, schick und funktionell sein, wie ein Wohnzimmer“, so der französische Designer. Dabei ist gutes Design keine Frage des Geldes, wie Malval weiter ausführt: „Der Kunde, der um 20.000 Euro ein Auto kauft, möchte, so wie der Kunde der 200.000 Euro ausgibt, ein schickes, frisches und stimmiges Design haben. Außen wie innen.“ Auf die Frage, ob es schwieriger sei, ein günstiges Auto hübsch zu gestalten als einen teuren Wagen, hat Malval eine Antwort: „Bei teuren Modellen hat man mehr Spielraum, da der Kostendruck geringer ist. Gewisse Werkstoffe und Materialien fallen im Low-Price-Segment einfach weg.“ Dennoch muss ein Designer aus den vorhandenen Mitteln das bestmögliche Resultat herausholen. Und hier ist Ideenreichtum mehr gefragt als ein dickes Entwicklungsbudget. Denn die Kundenansprüche steigen stetig und wollen erfüllt werden, zu immer günstigeren Konditionen. Bliebe die Frage, wie wichtig Design ist: „Das Design ist essenziell. Der Kunde kommt zum Händler, weil ihm das Auto gefällt. Wenn es ihm nicht gefällt, wird er es schlichtweg nicht kaufen“, so der Design Director.

Modernisierer statt bewahrer

Ian Callum ist seit 1999 Chefdesigner von Jaguar. Mit den folgenden Modellen führte Callum eine neue Designsprache bei Jaguar ein, die das Retro-Design ersetzt. Umgesetzt wurde dies in den Modellen XK (2006), XF (2008) und XJ (2010). Im KFZ Wirtschaft-Gespräch sagt Callum: „Als Designer empfinde ich mich als Modernisierer. Die Abkehr vom Retro-Look war schwierig innerhalb des Konzerns. Die große Revolution war ja nicht der XK. Den S-Type durch den XF zu ersetzen, das war der große Schritt.“ Die Leute würden die alten Jaguars lieben, aber nicht „ausreichend kaufen“. Und: „Menschen besuchen Museen, leben aber nicht in ihnen.“

Wichtiges Kaufargument

Umfragen zeigen, dass Kunden das Design als wichtigstes oder zweitwichtigstes Kaufargument angeben. Interessant ist die Studie „Unser Auto von morgen“ von Autoscout24, in der 8.800 Personen aus sieben europäischen Ländern befragt wurden. Für 42,2 Prozent dürfte sich das Autodesign von morgen ganz radikal ändern. Ganze 58,6 Prozent würden ein ausgefallenes Aussehen akzeptieren, wenn das Fahrzeug dadurch umweltfreundlicher wird. Und fast zwei Drittel (62,5 Prozent) setzen beim Design der Zukunft auf kosteneffiziente Gestaltung. Würden also, sofern es der Funktion dient, auch neue Oberflächenmaterialien und Formen gut heißen. Das überrascht insofern, als dass genau dieser Trend in Genf kaum ersichtlich war. Wenn etwas radikal anders war, den C4 Cactus jetzt mal ausgenommen, waren es die Designstudien. Doch die schaffen es nur selten in vollem Umfang auf die Straßen. Und das ist schade, da die Kundschaft durchaus schnellere, radikalere Entwicklungsschritte gutheißen dürfte.

„Wie wichtig ist Ihrer Meinung nach das Design als
Entscheidungskriterium beim Autokauf? “

Beim Autokauf spielen unterschiedlichste, mehr oder weniger rationale Faktoren eine tragende Rolle bei der Entscheidung für oder gegen ein bestimmtes Fahrzeug. Wir haben bei Österreichs KFZ-Händlern nachgefragt, inwiefern der Autokauf zunehmend „aus dem Bauch heraus“ entschieden wird und welche Rolle in diesem Zusammenhang das Design spielt.
81% schreiben dem Design eine sehr oder eher wichtige Rolle bei der Kaufentscheidung zu. Das ist ein eindeutiges Statement!
Für viele Käufer ist das Design mit ausschlaggebend für die Kaufentscheidung und stellt eines der markantesten Differenzierungsmerkmale zwischen verschiedenen Marken dar – vom Kleinwagen bis zum Premium-Fahrzeug. Hinsichtlich der emotionalen Komponente sind die Händler geteilter Meinung: 39% glauben, dass Autokäufer sich zunehmend „aus dem Bauch heraus“ für ein bestimmtes Modell entscheiden, während 61% davon überzeugt sind, dass nach wie vor überwiegend rationale Kriterien ausschlaggebend sind.
(Befragungszeitraum: 13. - 23.03.2014, Anzahl der Befragten: 373 Betriebe)

 

 

Autor/in:
Redaktion KFZ Wirtschaft
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