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Die Frage der Freigabe

01.11.2014

Ich habe bisher nur die besten Erfahrungen mit Biodiesel gemacht“, sagt Karl Nothegger, Juniorchef des gleichnamigen Transportunternehmens in St. Ulrich am Pillersee. Sein Fuhrpark umfasst 700 Fahrzeuge, das Durchschnittsalter der Lkw-Flotte beträgt nur drei Jahre. „Wir haben Euro 6 Lkw von Scania, DAF, Volvo und demnächst auch MAN im Fuhrpark und betreiben alle mit 100 Prozent Biodiesel“, so Nothegger. Bei älteren Fahrzeugen war es vorgekommen, dass gelegentlich ein Kraftstofffilter verstopfte, doch die neueste Lkw-Generation kennt diese Probleme nicht. „Wir haben zwar kürzere Serviceintervalle und einen gewissen Mehrverbrauch, aber unterm Strich zahlt es sich dank der günstigen Spritpreise einfach aus“, resümiert der Tiroler Transporteur. Auch Wolfgang Herzer, Chef der Herzer Bau- u. Transport GmbH in Wien, betankt seine Euro 6-Lkw ausschließlich mit 100 Prozent Biodiesel. „Wenn die Qualität des Treibstoffs stimmt, gibt’s keine Probleme“, sagt Herzer. „Früher hat’s sicher Panscher gegeben“, so der Transportunternehmer. Mittlerweile hat er einen Lieferanten seines Vertrauens gefunden, von dem er hochwertigen Biodiesel bezieht, mit dem seine Flotte auch gut über den Winter kommt. Regelmäßige Ölprüfungen und verkürzte Serviceintervalle nimmt Herzer wegen der niedrigen Spritkosten gern in Kauf. „Unsere Scania Lkw sind für Biodiesel freigegeben, unsere Mercedes Lkw nicht, aber wir betanken sie trotzdem damit und haben noch keine Probleme gehabt“, so Herzer. 
Für Fritz Mayer junior, Chef der gleichnamigen Spedition in Zeltweg, ist die Biodiesel-Freigabe ein ausschlaggebendes Kriterium beim Ankauf eines Lkw. „Bisher habe ich nur Euro 6 Fahrzeuge von Scania im Fuhrpark, da diese bis vor kurzem noch als einzige die Biodiesel-Freigabe hatten“, so Mayer. Und auch Martin Cancola, Chef des gleichnamigen Transportunternehmens in Wolfsberg, kommen nur für Biodiesel freigegebene Lkw in den Fuhrpark. „Wir haben bisher einen reinen Mercedes-Fuhrpark gehabt, doch für die Euro 6 Modelle gibt es keine Biodiesel-Freigabe“, so Cancola. Die Konsequenz für ihn: „Ich habe im heurigen Frühjahr erstmals einen Volvo Fernverkehrs Lkw angeschafft, für den mir der steirische Händler eine Biodiesel-Freigabe erteilt hat. Der Wagen läuft bisher ohne Probleme.“ 

Pioniere und Zögerer

Warum manche Hersteller bei der Biodiesel-Freigabe ihrer Motoren zögern, dürfte einerseits an den hohen Kosten für die Homologation liegen und andererseits an der Tatsache, dass der österreichische Markt mit seiner exklusiven Biodieselförderung im internationalen Vergleich doch eher klein ist. Derzeit ist der aus Pflanzen gewonnene Treibstoff von der Mineralölsteuer befreit, was ihn im Vergleich mit fossilem Diesel um 20 bis 25 Prozent billiger macht – für Transportunternehmer ein markanter Kostenvorteil. Die Recherchen des STRAGÜ bei den Lkw Herstellern ergaben ein relativ eindeutiges Bild: Außer Scania erteilen bislang nur MAN und Renault – und das auf sehr wenige Modelle eingeschränkt – Freigaben für den Biodiesel-Betrieb (siehe Kasten).  
Natürlich sind die Lkw-Hersteller interessiert, keine Geschäfte aufgrund der hohen Biodiesel-Nachfrage zu verlieren. So verspricht beispielsweise Norbert Gall von DAF: „Wir rechnen mit einem raschen Fortschreiten des Entwicklungsstatus.“ DAF will seine Motoren allerdings noch einigen intensiven Tests unterziehen und keinesfalls riskieren, wegen eines kurzfristigen Markterfolges im Nachhinein mit Problemen konfrontiert zu sein. 

Ein besonderer Saft

Probleme können beim Einsatz von Biodiesel aufgrund seiner natürlichen Ausgangsprodukte auftreten. „Biodiesel ist ein besonderer Saft, praktisch ein Lebensmittel mit Ablaufdatum“, warnt in diesem Zusammenhang Franz Weinberger von MAN. So ist Biodiesel zwar biologisch leicht abbaubar und daher bei Leckagen weniger umweltbelastend als herkömmlicher Diesel, altert dafür aber auch deutlich schneller. „Bei unsachgemäßer und langer Lagerung können mikrobiologischer Befall, Oxidation und Wasseranreicherung die Eigenschaften des Biodiesels verschlechtern und zu einem biologischen Teilabbau führen“, erklärt Weinberger. Daraus ergibt sich für den Transporteur jedenfalls ein erhöhter Wartungsaufwand bei den eigenen Tankanlagen. Da Biodiesel hygroskopisch ist, ist eine regelmäßige Entwässerung der Treibstofftanks am Fahrzeug erforderlich. Ganz entscheidend für den Einsatz von Biodiesel ist laut Franz Weinberger die permanente Überwachung der Treibstoff-Qualität durch den Frächter. Angesichts des markanten Kostenvorteils lassen sich die Transporteure davon allerdings nicht abschrecken, denn der Mehraufwand zahlt sich unterm Strich mehr als aus. „Der ökonomische Vorteil resultiert lediglich aus der steuerlichen Begünstigung“, gibt Franz Weinberger zu bedenken. „In Deutschland ist seit der steuerlichen Gleichstellung mit fossilen Treibstoffen die Nachfrage seitens der Transporteure stark zurückgegangen.“


Freigaben der Hersteller  

DAF: Derzeit keine Biodiesel-Freigabe für Euro 6 Fahrzeuge. 
Iveco: Derzeit keine Biodiesel-Freigabe für Euro 6 Fahrzeuge.
MAN: Der Biodieselbetrieb bis zu B100 ist für MAN D26 Euro 6 Motoren in den Leistungsstufen 440 PS und 480 PS ab dem 4. Quartal 2014 für ausgewählte Typen der Baureihen TGX und TGS freigegeben. 
Mercedes-Benz: Derzeit keine Biodiesel-Freigabe für Euro 6 Fahrzeuge.
Renault: Zwei Motorisierungen (DTI 5 240 PS und DTI 8 320 PS) für drei Modelle der Euro 6-Baureihe sind mit Biodiesel B30 und B100 kompatibel. Die Biodiesel-Motoren haben dieselben Leistungsstufen und Drehmomente wie herkömmliche Dieselmotoren. Die verfügbaren Baureihen sind Renault Trucks D Cab 2.1, Renault Trucks D WIDE und Renault Trucks C. An der Freigabe für weitere Motorisierungen wird gearbeitet.
Scania hat seine Euro 6-Versionen mit 320, 360, 450, 490 und 580 PS für den Betrieb von bis zu 100 Prozent Biodiesel nach Norm EN14214 freigegeben. 
Volvo: Zwei Modelle der Euro 6-Baureihe sind mit bis zu 100 Prozent Biodiesel kompatibel: Volvo FL mit 240 PS 5-Liter Motor und Volvo FE mit 320 PS 8-Liter Motor.


Lesen Sie das Interview dazu: "Die Motoren schaffen das ohne Probleme"

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
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