Direkt zum Inhalt

„Die Motoren schaffen das ohne Probleme“

05.02.2015

Der Chemiker Martin Mittelbach von der Universität Graz wird in der Branche als der Biodiesel-Guru gehandelt. Wir baten ihn zum Interview.

STRAGÜ: Herr Professor Mittelbach, können Euro 6 Lkw-Motoren mit Biodiesel betrieben werden?
Martin Mittelbach: Die meisten Motoren schaffen das ohne Probleme. Bei Euro 6 geht es im Wesentlichen darum, die Stickoxidemissionen weiter zu reduzieren. Wird ein Motor mit Biodiesel betrieben, müssen die Abgasnachbehandlung und der Einspritzzeitpunkt durch das Motormanagement elektronisch angepasst werden, dann funktioniert das. Es ist also keine rein technische sondern auch eine Marketing-Entscheidung, ob ein Hersteller die Freigabe für Biodiesel erteilt oder nicht.

Welche Unterschiede gibt es zwischen Biodiesel und herkömmlichem Dieselkraftstoff? 
Biodiesel hat eine etwas höhere Dichte und Viskosität und enthält etwa 10 Prozent Sauerstoff. Daraus ergibt sich bei Biodiesel ein Mehrverbrauch von circa 3 bis 5 Prozent. 

Ist auch ein Betrieb der Euro 6 Motoren mit 100 Prozent Biodiesel möglich?
Es spricht nichts dagegen, mit 100 Prozent Biodiesel zu fahren, da dieser in Österreich einfach deutlich billiger angeboten wird. Der Motor muss darauf abgestimmt sein, um die Euro 6 Emissionen zu erreichen. Das lässt sich ohne großen Aufwand elektronisch durchführen. Es gibt auch einen Sensor, der den Biodieselanteil laufend ermitteln kann.

Brauchen Motoren, die mit Biodiesel betrieben werden, häufigere Wartungsintervalle?
Bei jedem Verbrennungsmotor gelangt mit der Zeit etwas Treibstoff und damit auch Biodiesel ins Motoröl und kann dessen Lebensdauer beeinträchtigen. Das Öl sollte daher häufiger überprüft und bei Bedarf auch öfter gewechselt werden.

Ist Biodiesel ebenso „winterfest“ wie herkömmlicher Diesel?
Das hängt ausschließlich von der Art des Rohstoffs für die Biodieselproduktion ab. Bezogen auf das Kälteverhalten ist der beste Rohstoff für Biodiesel Rapsöl, damit kann ich ohne Additive bis zu minus 20 Grad fahren. Mit Additiven erweitert sich der Einsatzbereich bis etwa minus 25 Grad. Für andere Rohstoffe gibt es entsprechende Additive, die das Kälteverhalten verbessern. Am Markt ist somit ein optimaler Rohstoffmix gefragt.

Aus welchen Pflanzen wird Biodiesel gewonnen?
Aus Raps, Soja, Palmöl, Altspeiseöl und tierischen Fetten. Soja wird vor allem in den USA verwendet, Raps bevorzugt in Europa.

Woran kann man hoch-qualitativen Biodiesel erkennen?
Die Biodieselkraftstoffe unterliegen der Qualitätsnorm EN 14214 und werden nach Sommer-, Winter- und Übergangsware eingestuft. Die Qualität des Bidiesels hängt ab von der Herstellungsmethode und der Qualitätssicherung des Herstellers.

Man hört immer wieder von verstopften Filtern und korrodierten Kraftstoffleitungen im Zusammenhang mit Biodiesel. Ist da etwas dran? 
Bei fast allen Störfällen wurde eine nicht normgerechte Biodieselqualität festgestellt. Bei älteren Motorengenerationen gab es auch Probleme mit Dichtungs- und Gummimaterialien. Bei modernen Motoren sind aber alle Leitungen und Teile im Motor aus Materialien gefertigt, denen Biodiesel nicht anhaben kann. 

Kann ein Lkw sowohl mit fossilem Diesel als auch mit Biodiesel betrieben werden?
Das ist grundsätzlich kein Problem, doch sollte man bei einem Fahrzeug, das längere Zeit mit fossilem Diesel betrieben wurde, zuerst eine Tankreinigung durchführen. Der Biodiesel löst nämlich die in herkömmlichen Dieseltanks entstehenden Ablagerungen auf, und die können dann die Kraftstofffilter verstopfen. 


Lesen Sie mehr dazu: Die Frage der Freigabe

Autor/in:
Redaktion Straßengüterverkehr
Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles
13.10.2021

Eine Umfrage von AutoScout24 unter 520 Österreicher*innen zeigt, welches Argument am meisten gegen den Verzicht auf ein eigenes Auto zählt.

Thomas Hametner (ÖAMTC), CTO Nikolaus Mayerhofer und CEO  Wolfgang Berger (AVILOO GmbH) (v.l.)
Aktuelles
13.10.2021

Der ÖAMTC bietet ab sofort einen kostengünstigen Batterie-Check von Elektroautos an, der vom niederösterreichischen Start Up Aviloo entwickelt wurde.

Wolfgang Porsche (Vorsitzender des Aufsichtsrats der Porsche AG), Thomas Ulbrich (Mitglied des Markenvorstands Volkswagen), Sabine Seidler (Rektorin der TU Wien), Hans Michel Piëch (Mitglied des Aufsichtsrats der Porsche AG) (v.l.).
Aktuelles
13.10.2021

Der 22. „Porsche-Preis der Technischen Universität Wien“ honoriert diesmal eine Entwicklung, die der Verbreitung der Elektromobilität einen kräftigen Turboschub verleiht.

Der Bilstein B6 bietet mehr Dämpfkraft und eignet sich als Ersatz für die hinteren Serienstoßdämpfer.
Aktuelles
11.10.2021

Beim Golf VII und seiner „Verwandtschaft“ im VW-Konzern kommt es mitunter zu lästigen Fahrwerkgeräuschen. Hochleistungs-Stoßdämpfer B6 von Bilstein schaffen Abhilfe.

Aktuelles
07.10.2021

Die Automotive Akademie hat ihr umfassendes Herbstprogramm gestartet, alle Kurse finden bereits am neuen Mobilitätscampus der Landesinnung statt.

Werbung