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„E-Mobilität ist wie Popcorn“

12.11.2014

Da die Nachfrage nach Hybrid- und Elektroautos steigt, müssen sich auch die Werkstätten mit der neuen Technik vertraut machen. Die Siegfried Marcus Berufsschule, der ÖAMTC und die Evalus GmbH für Arbeitsschutz erarbeiteten die ersten Ausbildungsstandards.  

„Elektromobilität ist wie Popcorn“, sagt Deniz Kartal, Geschäftsführer der Evalus GmbH für Arbeitssicherheit. „Im heißen Topf poppen zuerst nur einzelne Körner auf, und dann geht‘s plötzlich Schlag auf Schlag.“ Markus Fuchs, Direktor der Siegfried Marcus Berufsschule in Wien, stimmt zu: „Vor zwei Jahren hätte ich hier nur ein oder zwei Fahrzeuge ausstellen können, heute sind es mehr als ein Dutzend“, sagt er beim „Stammtisch Elektromobilität“ in Wien, den er gemeinsam mit Evalus, ÖAMTC und den Vertretern fortschrittlicher Autohersteller einberufen hat. So bildeten die aktuellen Elektromodelle Tesla S, Renault Zoe, BMW i3, VW E-up!, Ford Focus electric, smart electric drive und Hyundai iX35 Fuel Cell den Rahmen der Veranstaltung im Vösendorfer Eventhotel Pyramide, aber auch Hybridfahrzeuge wie Toyota Prius, Audi A3 e-tron und Citroën DS5 Hybrid4 waren vorgefahren. In seinem Vortrag ging Deniz Kartal auf die Herausforderungen ein, mit denen Werkstättenbetreiber angesichts der neuen Hochvolttechnik im Fahrzeug konfrontiert sind. „Das Gefährliche am Strom ist: Man sieht, hört und riecht ihn nicht, und wenn man ihn spürt, ist’s schon zu spät“. Die Evalus GmbH bietet daher die Ausbildung zur „Elektrofachkraft“ an, die selbstständig  Arbeiten an Hochvoltsystemen durchführen sowie eine „Elektrotechnisch Unterwiesenen Person“, kurz EuP, für Hilfsarbeiten am Hochvoltsystem hinzuziehen darf. „Diese Unterscheidung macht Sinn, da es die Werkstätten zu teuer kommen würde, mehrere Mitarbeiter auf Nachschulung zur Elektrofachkraft zu schicken“, so Kartal.

Lehrlinge als Hochvoltexperten

An der Siegfried Marcus Berufsschule in Wien startet Direktor Marcus Fuchs ab Jänner 2015 mit einem vorläufig für vier Jahre genehmigten Ausbildungsmodul „Hochvolt-Antriebe“. Schon bisher hatten die Lehrlinge die Möglichkeit, sich im Rahmen eines Freifaches in die Hochvolt-Materie einzuarbeiten. „Das Interesse unter den Lehrlingen ist groß, da sie natürlich auch Angst vor den lebensgefährlichen Stromschlägen haben“, sagt Markus Fuchs. Lehrlinge, die das Freifach besucht haben, können in der Evalus GmbH anschließend eine theoretische und praktische Prüfung ablegen. „Ob das Zeugnis im Betrieb anerkannt wird, liegt derzeit noch im Ermessen des Werkstattleiters“, sagt Markus Fuchs. Ab Anfang 2015 soll dann die Richtlinie OVE R19 in Kraft treten, die Arbeiten an Hochvoltsystemen auf eine rechtlich fundierte Grundlage stellt. „Damit sollen Unklarheiten, wer was angreifen und wer wen ausbilden darf, endgültig beseitigt werden“, erklärt Andrej Prosenc, der beim ÖAMTC unter anderem für technische Schulungen zuständig ist. Auch an entsprechenden Richtlinien für die §57a Überprüfung von Elektrofahrzeugen wird gearbeitet, doch diese werden voraussichtlich erst 2017 kommen. Andrej Prosenc: „Da liegt noch ein langer Weg vor uns, und wir können froh sein, dass wir nun die erste Etappe geschafft haben.“

Autor/in:
Peter Seipel
Original erschienen am 12.11.2014: Automotive.
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