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Martin Gertl (li.) hat für seinen Betrieb die idealen Nachfolger gefunden: Seine beiden Kinder Isabella und Alexander.

Generationswechsel geglückt

10.06.2015

Vor drei Jahren hat der frisch designierte Bundesinnungsmeister-Stellvertreter Martin Gertl seinen Betrieb im Tiroler Kramsach an seine beiden Kinder Alexander und Isabella übergeben. Beim Lokalaugenschein präsentiert sich das Autohaus Gertl als vorbildlicher Familienbetrieb.

A lexander Gertl erklärt gerade einer Stammkundin geduldig ihren nagelneuen Ford Fiesta, sein Vater Martin zeigt interessierten Besuchern den neuen Suzuki Vitara, im Hintergrund läutet permanent das Telefon, für das Tochter Isabella zuständig ist – neben Buchhaltung, Auftragsannahme, Personaleinteilung, etc. Wenn’s zuviel wird, springt noch die Mama ein. Offensichtlich floriert der Familienbetrieb auch in wirtschaftlich angespannten Zeiten. „Unser Erfolgsrezept heißt: Immer für den Kunden da sein und nur nix aufschieben, vor allem keine Reklamationen“, erklärt Martin Gertl eindringlich. Vor rund 30 Jahren hat er den Betrieb in Kramsach gegründet, und noch heute ist er trotz seiner 63 Jahre mit Feuereifer bei der Sache – wenn er auch seinen beiden Kindern das Ruder übergeben hat. „Es hat ein bisserl gedauert, bis ich ihnen nicht mehr dreingeredet hab“, gibt er zu, „aber das geht wohl jedem so, der einen Betrieb übergibt.“ Diesen Sprengstoff, der nicht selten zu Familienkrach und Betriebsauflösung führt, haben die Gertls jedoch längst entschärft. Heute teilen sich Alexander und Isabella die Geschäftsführung und sind zu je 25 Prozent am Betrieb beteiligt, ihren Eltern gehören die übrigen 50 Prozent. „Die Kinder machen ihre Sache sehr gut, und ich kümmere mich nur noch um die Technik“, sagt Martin Gertl. Die große Prüfstraße, auf der sämtliche Fahrzeuge vom Pkw bis zu Lkw und Traktoren getestet werden können hat er kürzlich mit modernster Technik und Unterstützung der Firma Supanz aus Wörgl erneuert, und auch die Pkw-Werkstätte des Ford- und Suzuki-Markenbetriebs ist auf dem neuesten technischen Stand.

FRÜHER WAR'S EINFACHER
„Wir haben hart buckeln müssen, und die Arbeitstage hatten 14 bis 16 Stunden“, erinnert sich Martin Gertl an die Zeit des Aufbaus seines Betriebs. „Trotzdem war’s irgendwie einfacher als heute, denn du konntest mit viel Fleiß auch Erfolg haben.“ Neben seiner Tätigkeit als Geschäftsführer stand er als Mechanikermeister tagtäglich in der Werkstatt, und bei Bedarf wechselte er in den Verkaufsraum. „Heute ist die Verwaltung viel aufwändiger, und auch der Verkauf wird nicht zuletzt durch das Internet immer schwieriger“, sagt er. Fazit: „Als Geschäftsführer kommst du heute nicht mehr zum Schrauben, das ist unmöglich.“ Großes Augenmerk legen die Gertls daher auf die Auswahl ihrer Mitarbeiter, die ihnen dann auch oft jahrelang die Treue halten. So sind ein Mechaniker bereits seit 30 Jahren, ein anderer seit 29 und zwei weitere über 20 Jahre im Autohaus beschäftigt. „Die Mischung aus erfahrenen und jungen Mitarbeitern muss stimmen“, so Gertl, „daher bilden wir auch laufend zwei Lehrlinge aus.“ Auch Alexander, der Juniorchef, hat im Familienbetrieb die Lehre und den Meister gemacht, für ihn ist sein Kindheitstraum in Erfüllung gegangen. Tochter Isabella hat die Handelsschule besucht und danach ein Jahr in einem anderen Betrieb in der Buchhaltung gearbeitet, bevor sie in den Schoß des Familienbetriebs zurückkehrte. Trotz der zeitraubenden Büroarbeit nimmt sie sich Zeit für Weiterbildung. „Ich mache eine Ausbildung in systemischer Führung, um das Zusammenspiel von Geschäftsführung, Management und Mitarbeitern zu optimieren“, erklärt sie. Keine Frage, dass ein solches Know-how in wirtschaftlich immer anspruchsvolleren Zeiten nur nützlich sein kann.

Autor/in:
Peter Seipel
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