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Nachhaltig familiär?

25.09.2014
CSR

Über Nachhaltigkeit im Wirtschaftsverlag, beim VCÖ und den heimischen Lkw-Anbietern.

 

Es war im Jahr 1951, da soll der Legende nach ein gewisser Georg Pappas auf seinem Motorrad just vor der Villa eines gewissen Günter Wiesenthal von einem Lkw angefahren worden sein. W. kümmerte sich um P., erkannte dessen geschicktes Händchen im Automobil-Geschäft und forcierte ihn. Der Rest der Geschichte ist hinlänglich bekannt: Zwei Automobilhandels-Imperien entstanden, wobei der eine mehr Geschick bei den Kleinen, der andere bei den Großen beweist. So kümmerte sich in einer gewissen Weise kürzlich P. um W.: Was dem einen zuletzt mehr Last als Freude war (nämlich das Lkw-Geschäft), sieht der andere als „lohnendes Investment“, wie im aktuellen Interview auf Seite 44 nachzulesen ist. Catharina Pappas, die Tochter des 1951 mit dem Lkw so unsanft in Berührung gekommenen, hat sich in DAF verliebt. Ihr Bruder Alexander himmelt seit Anbeginn den Stern an. Der Vertrieb beider Marken soll – nicht zuletzt durch die Installation der DanubeTruck GmbH – strikt getrennt passieren. In weiten Teilen Österreichs werden Service und Reparatur jedoch künftig unter einem Dach erfolgen. Welche Auswirkungen hat das auf die österreichische Lkw-Anbieter-Landschaft? Starke Blöcke formier(t)en sich jedenfalls: Mercedes-Benz und DAF, MAN und Scania sowie Volvo und Renault. Jenen, die (nach Außen hin) am striktesten getrennt auftreten werden, ist am wenigsten ein Geschwisterzwist zuzutrauen. Bei Volvo und Renault (die übrigens zur Truck Race Trophy im wahrsten Sinne des Wortes ihre Muskeln spielen lassen, siehe Seite  46) scheint sich das Zusammenleben gezwungenermaßen eingespielt zu haben. Bei MAN und Scania jedoch hat man längst intern die Zähne gefletscht. Die Konzernmutter VW musste (aktienrechtlich bedingt) lange zuschauen, hat erst jetzt den vollen Zugriff auf die eine Tochter, Scania, erhascht. Der anderen Tochter – wo man den Zugriff schon länger hat – hat man dafür kürzlich gezeigt, wo der Bartl den Most herholt und dessen Hauptversammlung von Bayern nach Hannover verlegt. Dafür durfte sich ein MAN neben einem Bentley zur Schau stellen (siehe „Bilder des Monats“). Unter dem VW Nutzfahrzeug-Verantwortlichen Leif Östling (S) wurde Scania definitiv mehr Konzern-Zuneigung zuteil als MAN. Schaun mer mal, wie’s unter dem Ex-Daimler-Chef Andreas Renschler (D), der ja bekanntlich ab 2015 das Lkw-Ruder bei VW in die Hand nimmt, weitergeht. 
Mir sind zwar keine statistisch erwiesenen Zahlen bekannt, aus dem Bauch heraus haben sich derartige Riesen-Zusammenschlüsse in der Vergangenheit jedenfalls auch schon einmal als nicht besonders glücklich erwiesen – so mancher wurde gar wieder entfesselt. Die Zeiten haben sich aber gewandelt, die umweltschutzgetriebene Entwicklung verschlingt Unsummen, die sich besser unter Geschwistern aufgeteilt, ertragen lässt. Dem Lkw-Betreiber bleibt die Hoffnung, dass sich das Angebot nicht zu sehr konzentriert bzw. verdünnt. Doch wo Menschen beteiligt sind (und das bleibt gottseidank so), wird es auch weiterhin Konkurrenzkampf geben, so auch unter den heimischen Vertriebs­verantwortlichen! 

Themenwechsel: Der VCÖ ist ja an sich ein lustiger Verein, besonders lustig finde ich es, wenn man Bettelbriefe („Unterstützen daher auch Sie die VCÖ-Arbeit mit Ihrer Spende“) an Personen- und Güterbeförderungsunternehmen ausschickt, in denen man im selben Atemzug eine Mautausweitung wie -erhöhung fordert. Weniger lustig – eher geschmacklos – finde ich es, wenn man einen verheerenden Unfall, wie jenen eines Lkw mit einem Schulbus in Oberösterreich, bei dem ein Kind sein Leben lassen musste, als willkommenen Anlass hernimmt, um ebenfalls rasch einen Bettelbrief auszusenden. Beim Schlusssatz „Ihre Spende kann Leben retten!“ hat es mich kurz durchgeschüttelt – vermutlich ist es den Eltern des Kindes ähnlich ergangen. Nachhaltigkeit – die sich der VCÖ in Sachen Mobilität bekanntlich auf seine Fahnen heftet – kann man auch anders leben, wie wir in der aktuellen Ausgabe (ab Seite 16) zeigen wollen: Erstmals in unserer Verlagsgeschichte erscheint ein Themenschwerpunkt in allen Medien des Österreichischen Wirtschaftsverlages, zeitgleich, aber inhaltlich auf die jeweilige Branche zugeschnitten. Wir wollen damit ein Zeichen für eine nachhaltige mittelständische Wirtschaft setzen. Weil wir uns aber nicht damit begnügen wollen, über Nachhaltigkeit bloß zu schreiben, arbeiten wir seit mehr als einem Jahr selbst an der Umsetzung einer CSR Strategie. Der Verlag hat unter Einbeziehung aller Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sechzehn Einzelprojekte gestartet, mit dem Ziel Maßnahmen zur Verbesserung im Sinne der Nachhaltigkeit durchzuführen. Dabei geht es vorwiegend um die Themen Ökologie, Soziales, um Mitarbeiter­themen und um Nachhaltigkeit im Kerngeschäft. Erfahren Sie mehr auf www.wirtschaftsverlag.at. 

PS: Anzeigenerlöse aus diesem Themenschwerpunkt investieren wir in Kunstförderung. Wir ermöglichen damit die Ausstellung „Zom_Be“ der Künstlergruppe Rem:Brand, die gesellschaftliche Missstände spektakulär in Szene setzt. Die Bilder wurden mit Unterstützung der Fa. Fahnengärtner produziert und sind vom 21. bis 31.Oktober in der Galerie Kandinsky, 1070 Wien, zu sehen. Zwei davon sind in dieser Ausgabe zu finden. 

Autor/in:
Marco Dittrich
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