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Gerhard Ullrich von der niederösterreichischen Kfz-Innung erklärt die Abgasmessung.

Pickerlprüfer auf der Schulbank

24.10.2019

Kfz-Techniker, die §57a-Prüfgutachten erstellen wollen, müssen zuerst eine Grundschulung über die aktuelle Fahrzeug- und Prüftechnik absolvieren. Die KFZ Wirtschaft besuchte den Theorie- und Praxisunterricht an der AUTOMOTIVE AKADEMIE.

"Lassen Sie sich auf keine Diskussionen mit Ihren Kunden ein – Sie sind der Prüfer und haben das letzte Wort“, schärft Gerhard Ullrich, Schulungsbeauftragter der niederösterreichischen Kfz-Innung, den rund 30 Teilnehmern an der §57a-Grundschulung ein. Der Unterricht ist in Theorievorlesungen sowie praktischen Übungen in den Klassenzimmern und in der modern eingerichteten Werkstatt der Automotive Akademie gegliedert. Ulrich teilt sich den Vortragsreigen mit Michael Mitritsch, Kfz-Sachverständiger, und Helmut Neverla, Bildungsbeauftragter der WKO. „Jedes Fahrzeug muss so beurteilt werden, wie es von der Straße kommt“, so Ullrich. Sollte ein Kontrollbeamter bei einer Revision zum Schluss kommen, dass ein Gefälligkeitsgutachten erstellt worden ist, droht dem Betrieb der Entzug der Pickerlberechtigung für mehrere Monate. „Obwohl die Prüfung kein großer Umsatzbringer ist, ist sie doch eine Imagesache“, betont Ullrich und weist darauf hin, dass Werkstätten stichprobenartig zu jeder Zeit mit einer Revision rechnen müssen, bei der auch die Auftrags- und Rechnungsbücher kontrolliert werden.

 

Erfahrener Lehrer: Helmut Neverla, Bildungsbeauftragter der WKO

 

MODERNSTE MESSMETHODEN I Gerhard Ullrich ist selbst Kfz-Meister, besitzt eine freie Werkstatt in St. Andrä-Wördern und unterrichtet Pickerl-Schüler nun seit fast 20 Jahren. Anhand eines aktuellen Audi A4 mit  Turbodieselmotor demonstriert er den Unterschied zwischen OBD und Endrohrmessung bei der Abgasprüfung. „Was ist euch lieber?“, fragt er anschließend in die Runde seiner Zuhörer, worauf die einstimmige Antwort lautet: „die OBD-Messung“. Kein Wunder, ist diese doch bereits im Leerlauf des Fahrzeugs mit dem Anstecken des Messgerätes und dem Ablesen der Werte am Bildschirm erledigt, während der Motor bei der Endrohrmessung in die höchsten Drehzahlbereiche gejagt werden muss. „Das bedeutet eine unzumutbare Belastung für ältere Aggregate, aber auch für die Ohren der Anrainer“, meint Ullrich. Im Klassenzimmer nebenan klärt Michael Mitritsch inzwischen seine Zuhörer darüber auf, worauf sie bei einer Fahrwerksüberprüfung achten müssen. „Bei der Kontrolle der Bodenfreiheit muss auch auf eventuell hervorstehende Schrauben geachtet werden, mit denen beispielsweise eine Auspuffschelle befestigt ist“, so Mitritsch. Diese könnten bei einer Bodenwelle hängen bleiben und sind daher als „schwerer Mangel“ zu bewerten.

Ob der Ölaustritt an einem Stoßdämpfer dagegen als Mangel gilt, ist deutlich schwerer zu beantworten. „Das kommt ganz auf den Hersteller an, bei manchen Autos wie dem Audi A3, dem 7er-Golf oder dem Porsche 911 sind die Stoßdämpfer schon ab Werk undicht, erfüllen aber dennoch ihre Funktion“, so Mitritsch. Und im nächsten Unterrichtsraum erläutert Helmut Neverla die technischen und juristischen Feinheiten bei der Überprüfung von Leuchten, Rückstrahlern und sonstigen elektrischen Anlagen. Eine wichtige, weil für die Schüler neue Information war zum Beispiel, dass ein fehlender Schutzdeckel an der Anhängersteckdose am Fahrzeug als schwerer Mangel zu bewerten ist.

Original erschienen am 24.10.2019: Automotive.
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