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#PimpMyDuke: Teil 4 - Fahrwerk-Upgrade

25.06.2018

Die APEX-Duke bekommt ein ordentliches Fahrwerkservice und Upgrade. Gabel und Federbein werden generalüberholt und neu abgestimmt. Nicht grundlos, wie ein Fahrwerksprüfstandslauf nach wenigen Minuten offenbart.

Als ich die Idee hatte eine alte KTM 990 Super Duke aufzubauen, haben mich viele gefragt warum: "Was willst mit dem alten Hobel?" oder "Die Kiste hat weder Leistung noch fährt sie gut, wozu der ganze Aufwand?" Ich bin der Meinung, dass die alte Super Duke ein extrem unterschätztes Motorrad ist. Erstens hat sie genau so viel Leistung, dass man sie ganz ohne elektrinische Helferleins auf den Asphalt bringt. Und ihr Handling hat enormes Potenzial. Denn die Mischung aus Nakedbike und Supermoto ist speziell auf der Landstraße großartig. Sehr agil am Kurveneingang aber doch deutlich stabiler als die meisten Supermotos. Knackpunkt: Das Gefühl für das Vorderrad ist etwas diffizil. Damit ist klar: Der Fahrwerksprofi muss es richten. Für mich persönlich die beste Adresse moment: WiRo Motorradtechnik in Klagenfurt. Inhaber und Chefschrauber ist Robert Wilhelmer. Ich kenne Robert bereits seit Jahren, mittlerweile greift niemand sonst meine Fahrwerke an. Nicht, weil ich mit Robert verwandt oder sonst was bin, nein, sondern "The Rob" hat meine Wünsche an ein Fahrwerk stets verstanden: straff, aber bitte nicht hart. Mit Feedback, aber nicht knochig oder zickig. Ich habe bereits einige Fahrwerksspezialisten ausprobiert. Jeder hat mein Fahrwerk verbessern können. Aber jeder war mir persönlich auch zu hart. Top für brettebene Strecken mit griffigem Asphalt, aber kaum wurde es unruhiger, der Bodenbelag wellig und fleckig, waren die Racing-Fahrwerke zu hart. Anstelle über die Bodenunebenheiten zu gleiten, bin ich meistens kurz vorm Springen gewesen. Das macht aber leider nur eines: furchtbar langsam. Denn das Fahrwerk muss arbeiten, den Reifen weitestgehend entlasten. Robert hat das bis jetzt bei mir immer hinbekommen, daher war klar, dass die APEX-Duke nur bei ihm aufgebaut wird. 

High-Tech von A bis Z

 

Ohne Robert zu viele Rosen streuen zu wollen, aber ein Vorteil seiner Arbeitsweise steht mitten in der Werkstatt: der Fahrwerksprüfstand. Damit können Federbeinabstimmung und Funktionsweise punktgenau, dynamisch ermittelt, ausgewertet und kontrolliert werden. Dabei wird das Federbein oder der Gabelholm eingespannt und mit verschiedenen Geschwindigkeitesstufen ein- und ausgefedert. Der angeschlossene Computer spuckt die Dämpfungskurven aus. Einem Laien wie mir sagen die Kurven rein gar nix, aber Robert erkennt daran, wo es im Ansprechverhalten und Feedback hapert. Rein mit dem Original-WP-Federbein, Prüfstand an, Testlauf. Ergebnis: Zugstufe (regelt die Ausfedergeschwindigkeit) viiiiel zu stramm. Laut Robert fahren zwar die meisten Straßen-KTMs mit strammer Zugstufe spazieren, aber diese Werte sind abnormal. Der Fehler war jedoch schnell gefunden: Der Zugstufenversteller ist durch den Winterbetrieb der KTM festgegammelt. Da hat sich rein gar nix mehr bewegt. Der muss ausgetauscht werden. Zusätzlich muss das Setting der Zugstufe und Druckstufe angepasst bzw. harmonisiert werden. Der Profi spricht dabei von Hysterese. Vorher noch nie im Zusammenhang mit Fahrwerken gehört? Ich auch nicht. Aber darum sind wir ja beim Robert, der weiß das, der kann das, der macht das schon. Die Federrate der Super Duke wurde übrigens für mein Gewicht (ca. 90kg fahrfetig) nicht geändert. 

Service plus Abstimmung

Die Gabelholme kommen nicht auf den Prüfstand, da reicht das Drücken von Robert im Stand, um zu wissen, in welche Richtung gearbeitet werden muss. Beim Zerlegen gibt es keine negativen Überraschungen, eher das Gegenteil: Obwohl die APEX-Duke schon knapp 28.000 Kilometer gelaufen und seit 2007 auf heimischen Straßen unterwegs ist, sind die Gleitbuchsen der WP-Gabel in einem sehr guten Zustand - ein Vorteil dreiteiligen Lagerung. Kein Tausch notwendig. Die Gabelsimmeringe werden natürlich getauscht, ebenso das Gabelöl und Gabelfedern. Zusätzlich wird bei der Gabel der Hub um 10 Millimeter erhöht, womit sich das Einlenkverhalten und Anbremsen verbessern soll. Die Gabel bekommt damit einfach mehr Federweg zum Arbeiten und kann folglich größere Unebenheiten wegstecken. Für ein sauberes Ansprechverhalten wird ein Bel-Ray Gabelöl der Viskositätsstufe 7 eingefüllt. Warum ein so dünnes Gabelöl? Je dünner das Gabelöl, desto konstanter ist es bei Temperaturschwankungen. Nur dickes Öl für mehr Dämpfung ist nix, wie Robert weiß: "Die KTM hat eine vollverstellbare Gabel mit Cartridge-System. Wir brauchen hier kein dickes Öl, um die Dämpfung zu erhöhen, sondern wir werden den Dämpferkolben mit einem anderen Shim-Setting bestücken. Damit lösen wir das Problem und lindern es nicht nur." Die Shim-Plättchen, mit unterschiedlicher Dicke und Durchmesser - sind maßgeblich dafür verantwortlich, wie schnell das Dämpferöl durch bzw. über den Dämpferkolben strömt. Die genaue Zusammensetzung der hauchdünnen Metallplättlchen ist dabei das große Geheimnis. Jahrelange Erfahrung sind notwendig, sowie gewisse Grundkenntnisse und ab und zu auch einfach ausprobieren. Um das richtige Gabelsetting der APEX-Duke zu finden, braucht Robert drei Versuche. Bedeutet: Gabel dreimal komplett zerlegen, reinigen, Shim-Paket neu zusammenstellen, zusammenbauen und drücken. So lange, bis die Gabel bereits auf dem ersten Millimeter Federweg hydraulische Dämpfung erfährt und jenes Ansprechverhalten offenbart, um sowohl langsam als auch richtig Flott in den Radius stechen zu können.

Service ist Pflicht

 

Viele Motorradfahrer wechseln jährlich das Motoröl samt Filter. Super Sache. Das ist beim Fahrwerk glücklicherweise nicht notwendig, aber ein regelmäßiges Fahrwerksservice sollte mit jedem Motorrad eingeplant werden. Das Fahrwerk sorgt dafür, dass die Reifen stets sicher über den Asphalt geführt werden und somit Grip aufbauen. Jenen Grip, den wir alle beim Anbremsen, Angasen und Abwinkeln unbedingt im Überfluss haben wollen, um mit allem zu schleifen, nur nicht mit dem Hintern. Aus eigener Erfahrung kann ich bereichten, dass bereits ein fünf Jahre altes Fahrwerk nach einem Service um Welten besser anspricht und das Fahrvernügen spürbar steigert. Es arbeitet präziser, temperaturkonstanter und - wenn man es gleich auf die eigenen Bedürfnisse anpassen lässt - genau so, wie man es immer wollte. Spartipp: Gleich beim ersten Fahrwerksservice abstimmen lassen. Der Mehrpreis ist im Vergleich zu den Servicekosten recht gering und das Ergebnis ist überdeutlich zu spüren. 

Federbein korrekt einstellen

Hart macht nicht immer schnell

Autor/in:
Philipp Bednar
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