Direkt zum Inhalt

Spritsparen mit Hochdruck

18.12.2014

Beim Diesel längst Standard, kommt die Direkteinspritzung zunehmend auch beim Ottomotor in Mode. TGM-Motorenexperte Peter Göth erklärte ihre Vor- und Nachteile im Rahmen eines Weiterbildungsvortrages der Wiener Kfz-Techniker-Innung.  

„Den aktuellen Trend zur Direkteinspritzung verdanken wir der Abgasgesetzgebung“, erklärte Peter Göth, Experte für Kfz-Technik am TGM Wien. Zahlreiche Kfz-Techniker waren der Einladung des Wiener Landesinnungsmeisters Werner Fessl zum Weiterbildungsvortrag gefolgt. Motorenexperte Göth gab sowohl einen historischen Rückblick als auch einen Ausblick auf die Zukunft der Einspritzsysteme. Demnach stellten 1984 Ford und Fiat die ersten Dieselmotoren mit direkter Einspritzung vor. 1987 kam mit dem Fiat Croma der erste Diesel-Direkteinspritzer in Großserie auf den Markt und 1997 mit dem Alfa Romeo 156 JTD der ersten Serien-Pkw mit Common-Rail-Einspritzung – eine Technologie, die heute zum Standard im Diesel-Antrieb geworden ist. Der Grund: Da der Kraftstoff mit sehr hohem Druck – bis zu 2.500 bar bei Pkw und bis zu 3.000 bar bei Nfz  – in den Brennraum eingespritzt wird, entsteht ein extrem feiner Tröpfchennebel, der mit dem Luftsauerstoff höchst effizient verbrennt. Um auch die Motorakustik und die Abgasnachbehandlung zu optimieren, wird der Einspritzvorgang in bis zu acht Teileinspritzungen aufgeteilt. „Die Voreinspritzung sorgt für einen weichen Verbrennungsdruckanstieg, wodurch das Verbrennungsgeräusch, der Kraftstoffverbrauch und auch die NOx-und HC-Emissionen verringert werden“, erklärte Peter Göth.

DIREKTEINSPRITZUNG BEIM OTTOMOTOR

Erste Versuche mit einer Benzin-Direkteinspritzung führte BMW bereits 1933 mit einem Flugzeugmotor durch. Eine der ersten Direkteinspritzanlagen wurde 1953 im „Flügeltürer-Mercedes“ 300 SL verbaut, die erste Großserien-Anwendung erfolgte 1997 im Mitsubishi Carisma GDI. Renault führte die Technik 1999 im Mégane Coupe 2.0 DIE ein, der Volkswagen-Konzern folgte im Jahr 2000 mit dem FSI-Konzept (Fuel Stratified Injection). Den Vorteilen – günstigere CO2-Werte und ein geringerer Verbrauch – stehen allerdings auch Nachteile gegenüber, erklärt Peter Göth. So kommt es zu einem erhöhten Ausstoß von Stickoxiden und Partikeln, die nicht vom herkömmlichen 3-Wege-Katalysator reduziert werden können. Motorenexperte Göth: „Was viele nicht wissen: Ein Benzin-Direkteinspritzer emittiert mehr Partikel als jeder moderne Dieselmotor. Früher oder später werden wir auch beim Benziner nicht um einen Partikelfilter herumkommen.“

Autor/in:
Peter Seipel
Werbung

Weiterführende Themen

Aktuelles
13.02.2015

Motorenentwickler Fritz Indra rechnet im Interview mit der KFZ Wirtschaft mit dem Full-Hybrid-Antrieb ab und präsentiert einfache Alternativen, wie man den Verbrennungsmotor noch sparsamer und ...

Aktuelles
05.11.2014

Die letzte auf Vergaserreparaturen spezialisierte Werkstatt Österreichs wird von ­Helmut Kniezanrek in Wien-Leopoldstadt geführt. – Eine ­Reportage 
aus einer fast ­versunkenen Welt. 

Helmut List (AVL List), Gerhard Hametner (ÖVK), Hans Peter Lenz (ÖVK), Rupert Stadler (Audi), Sung Hwan Cho (Hyundai), Steven A. Kiefer (General Motors) (v.l.).
Aktuelles
23.06.2014

Heute im Labor, morgen im Schauraum, übermorgen in der Werkstatt – am Wiener Motorensymposium wurden die demnächst kommenden Antriebsaggregate präsentiert. Die KFZ-Wirtschaft gibt einen Ausblick, ...

Start-Stopp-Systeme funktionieren mit leistungsstarken Starter-Generatoren (o.) Batteriespezialist Banner hat spezielle Start-Stopp-Modelle im Programm sowie ein handliches Servicegerät
Aktuelles
08.04.2014

Der Spritspareffekt beträgt bis zu acht Prozent – kein Wunder daher, dass immer mehr Fahrzeugmodelle mit Start-Stopp-Systemen ausgestattet werden. Die Werkstätten rüsten sich für den erhöhten ...

Diagnosekrimi
11.10.2013

Ohne erkennbare Ursache lief der Motor eines jungen Nissan Patrol immer wieder heiß und brachte seinen Fahrer damit in Rage. Bei der gründlichen Überprüfung in der Werkstatt ließ sich nicht der ...

Werbung