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Test: BMW RnineT - Schöner als jede Italienerin

18.07.2018

Die BMW RnineT ist ein modernes Retrobike mit einer Extraportion Style und famoser Feinabstimmung. So muss retro. Ein Bike für die Augen, das Herz und kurvenreiche Straßen.

Ergonomie

Die BMW RnineT macht sprachlos: Das Ding ist schön und rattenscharf zugleich. Was für ein Bock! Da stimmt - optisch - wirklich alles. Lackierung, Verarbeitung, Details, Frästeile - leck mich, so muss ein Retrobike anno 2018 aussehen. Rauf auf den Sattel, erstes Aha-Erlebnis: Man sitzt recht tief, der Tank baut sehr flach und lang. Griff zum geraden, breiten Lenker. Die Sitzposition ist ein Alleinstellungsmerkmal: fahraktiv aber trotzdem entspannt. Nicht unsportlich, auch nicht aggressiv. Selbst die Fußrastenposition ist gemütlich und dezent sportlich. Die gefräste, eloxierte Gilles-Tooling-Fußrastenanlage ist mehrfach verstellbar. Die Angstnippel sind bereits angeschliffen. Ich stelle mich auf eine softe Kutsche ein. Das Sitzkissen passt gut für meinen Hintern, die Verbindung zum Bike stimmt. Gewicht vollgetankt fahrfertig laut Messung: 205,5 Kilogramm. Ist wenig, fühlt sich auch so an. Der tiefe Schwerpunkt des luftgekühlten Boxer-Motors hilft ungemein. 

Handling

In aller Direktheit: Die RnineT fährt sich fein. Der tiefe Schwerpunkt ist kurz ungewohnt, geht aber rasch in Fleisch und Blut über. Der Kniff liegt in der Feinabstimmung, denn die BMW fühlt sich bei jedem Tempo souverän und harmonisch an. Ihr Einlenkverhalten ist dermaßen neutral, dass es darüber nicht mehr zu schreiben gibt. In langsamen Ecken spürt man den tiefen Boxer minimal mehr, in schnellen Ecken liegt sie satt ohne unhandlich zu sein. Windschutz gibt es keinen. Wie auch, wenn vorne nix außer ein Scheinwerfer und zwei Rundinstrumente mit Displays nichts dran ist. Ganz von alleine werde ich im Sattel der RnineT immer schneller. Sie fühlt sich lange und flach an. Dementsprechend stabil surft man durch die Kurven und kann bis zum Fußrastenschleifen bedenklos anrauchen. Herrlich, das macht richtig Spaß. Handling? Easy!

Motor / Getriebe

Geständnis: Ich lese die technischen Unterlagen der Testbikes immer erst nach der ersten Ausfahrt. Es ist eine Mischung aus Faulheit und Professionalität - ich möchte einen ungetrübten ersten Eindruck erleben. Umso überraschter war ich bei den Leistungsdaten der RnineT: 110 PS. Nur. Gefühlt sind es mehr, der Bauch meint 120-125 PS. Der Grund für die gefühlte Abweichung: 116 Newtonmeter Drehoment. Bei 6000 Umdrehungen. Der 1170-Kubik-Boxermotor fühlt sich dadurch einerseits elastisch - für einen großen Zweizylinder halt - und anderseits sehr durchzugsstark an. Die Traktionskontrolle braucht man eigentlich nicht - außer vielleicht auf nasser Straße. Die Drehzahlmitte bietet ordentlich Bumms. Spürbare Vibrationen gehören beim Boxer eher zum guten Ton, als auf die Beschwerdeliste. Beim Wheeliefahren bekommt man die Drehrichtung der längs eingebauten Kurbelwelle leider extrem zu spüren, die BMW zieht nach rechts. Beim Getriebe muss man Abstriche machen: kein Quickshifter wie bei der BMW R 1200 GS Adventure. Typisch BMW-Getriebe: Drückt man den ersten Gang nach unten, kann man den Schalthebel - trotz eingelegtem Gang - noch immer bei gezogener Kupplung nach unten drücken. 

Fahrwerk

BMW verabschiedet sich bei der RnineT für die Telelever-Vorderradaufhängung und verbaut eine konventionelle, vollverstellbare 46-mm-Up-Side-Gabel. Und die funktioniert wunderbar. Tendenziell auf der weichen Seite, schluckt sie mit etwas Bewegung im Fahrwerk auch gröbere Schläge brav weg. Beim harten Anbremsen nickt die Gabel zwar ein, aber nicht zu rapide, sondern mit spürbarer hyraulischer Dämpfung. Linienkorrekturen sind jederzeit möglich. Am Heck kommt der bekannte Paralever mit Zentralfederbein zum Einsatz. Praktisch: die per Handrad stufenlos verstellbare Federvorspannung. Die Druckstufe ist nicht verstellbar, dafür die Zugstufe. An der Gabel ist auch noch ein Lenkungsdämpfer montiert, der Pendelbewegung auf der Autobahn spürbar entgegen wirkt. Auf den ersten schnellen Kilometern habe ich das Fahrwerk als einen Tick zu soft empfunden, aber man gewöhnt sich schnell an die leichten Bewegungen um die Höhenachse. Im Zweifelsfall fährt man die RnineT einfach etwas runder.

Bremsen

Wie von BMW gewohnt, kommt feinste Brembo-Bremshardware zum Einsatz, gepaart mit einem ausgereiften Bosch-ABS. Die Front wird über eine axiale Bremspumpe verzögert. Das Feedback ist gut, der Biss könnte für meinen Begriff etwas direkter sein. Einzig die Gilles-Tooling-Brems- und Kupplungshebel kann man sich schenken, denn deren Ergonomie ist schlecht. Optisch hübsch, praktisch durchgefallen. Wunderbar ist die Hinterradbremse, die sich über die Fußrastenanlage gut einstellen lässt und tadellos funktioniert. Das ABS greift vorhersehbar ein, die Regelintervalle sind nicht auf Supersport-Niveau aber knapp genug, um auch auf der Rennstrecke damit unterwegs sein zu können. 

Aufgefallen

Wie verdammt sexy die Maschine ist. So viel Liebe zum Detail hätte ich BMW nie zugetraut. Wie flott man mit ihr durch Kurven wedeln kann und wie leicht es mit der RnineT geht. Und: der Kardanantrieb ist immer noch stark zu spüren.

Durchgefallen

Die aufpreispflichtigen Brems- und Kupplungshebel für rachitische Finger. Das war nix. Ich bin versucht den Preis als zu hoch zu empfinden, aber die Machart der RnineT ist so dermaßen schön, dass der extrem hohe Preis vielleicht doch gerechtfertigt ist. 

Testurteil: BMW RnineT

Die RnineT ist BMW in allen Belangen großartig gelungen. Sie ist bildhübsch, fährt sich neutral, leicht, ausbalanciert und punktet mit mehr Emotion als viele Bikes aus Italien. Kurz: Wer sich die BMW RnineT in die Garage stellt, kann gar nichts falsch machen.

Testurteil: BMW RnineT, by p.bednar

Mehr Infos zur BMW RnineT

Mit freundlicher Unterstützung von TOTAL Austria

Mehr Actionfotos der Testfahrten gibt es auf Instagram: apex_moto_at

Oder folgt uns auf Facebook: Apex-Moto

Autor/in:
Philipp Bednar
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