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Test: Kawasaki H2 SX SE - Optimus Speed

20.07.2018

998 Kubik, Kompressor, 200 PS - alles was man für eine anständige Tour mit zwei Rädern braucht. Oder: Wie Kawasaki mit der H2 SX SE Tourensportmotorräder neu definiert.

Ergonomie

Der grün-schwarze Transformer, ich nenn die Kawasaki H2 SX SE gerne Optimus Speed, ist eine ganz, ganz mächtige Erscheinung. Mit 256 Kilogramm fahrfertig steht man vor viel Motorrad. Aufsitzen... da schau an, trotz 835 mm Sitzhöhe komme ich ganz easy mit meinen Storchenbeinen zum Boden. Die Sitzbank ist breit, gemütlich, absolut tourentauglich. Der Tank baut breiter, stört aber nicht. Der Knieschluss ist typisch Reihen-Vierzylindermotor: er passt, ist aber nicht so eng wie bei V2-Motoren. Griff zu den Stummeln, die gar nicht so tief montiert sind, wie es auf den Bildern wirkt. Und angenehm breit und gekröpft sind sie auch. Jepp, mit der Sitzposotion lassen sich locker einige Hundert Kilometer am Tag abspulen. Der Windschild bietet ordentlich Windschutz und die breite Seitenverkleidung lenkt den Fahrtwind ebenfalls geschmeidung um den Piloten herum. Der Tank fasst 19 Liter. Genug, um nicht dauernd einen Tankstopp einzuplanen, da man mit der H2 SX ziemlich sparsam unterwegs sein kann.

Handling 

Optimus Speed schaut dick aus, bringt auch etwas Kampfgewicht mit, fährt sich aber erstaunlich leichtfüßig - für diese Klasse. Nur beim Schieben spürt man ihr das Gewicht an. Läuft der Motor und rollt sie los, wird sie gefühlt viel leichter. Da helfen die breiten Tourenstummeln. Und der Bridgestone S21 Sportreifen. Aber die H2 SX hat eine gewisse Maße. Das spürt man vor allem in der Stadt, wenn man sich durch die Staukolonnen schlängelt. Auf der Landstraße ein komplett anderes Bild: Gut, beim Anbremsen aus hohen Geschwindigkeiten spürt man die knapp 260 Kilogramm dann doch wieder. Aber im kurvigen Geläuf überrascht die Optimus Speed mit einem sehr neutralen, logischen Handling. Einmal die Linie vorgegeben, zieht die H2 SX präzise durch, lässt aber mit etwas Druck am Stummel Korrekturen zu. Je schneller man wird, desto stabiler wird auch das Handling. Sprich: Man braucht für Linienkorrekturen mehr Kraft. Das stört aber nicht, da durch die hohe Stabilität ein sehr sicheres Kurvengefühl aufkommt. Am Berg braucht man Supermotos nicht versuchen zu jagen, dafür ist sie nicht geschaffen. Ihr Revier ist die Autobahn. Und dort putzt sie so ziemlich alles andere. Denn obwohl Superbikes eine ähnliche Power haben (oder sogar einen Tick mehr) und weniger wiegen, punktet die Kawasaki mit ihrem hohen Komfort trotz reißemden Fahrtwind. Auf Superbikes muss man sich zusammenfalten und den Kopf einziehen, wenn man jenseits der 200 km/h unterwegs ist. Im Sattel von Optimus Speed sitzt man genau so bequem wie bei 50 in der Stadt. Nur dass fast zwei Kilo am Tacho stehen. Auf Geraden und bei langgezogenen Kurven surft man an der Konkurrenz außen vorbei und weiß gar nicht, warum die neben einem so mit dem Fahrtwind kämpfen. Ein erhabenes Gefühl. 

Motor / Getriebe

Bei der Kawasaki H2 SX dreht sich natürlich alles um den Motor: Reihen-Vierzylindermotor, 998 Kubik, Kompressor, 200 PS, 137,5 Newtonmeter (bei 9500 rpm). Das liest sich viel erschreckender, als es sich fährt. Denn die Kawasaki-Ingenieure haben aus dem brutalen Tier am Papier, eine ganz leicht zu fahrendes Bike mit unpackbarer Leistung gezimmert. Toll ist das Pfeifen/Surren des Kompressors. Eine Anzeige im Cockpit macht sichtbar, wann und wie viel der Kompressor zuarbeitet. Man muss den Gasgriff auf Anschlag drehen, um den Kompressor voll auskosten zu können. Und dann schiebt Optimus Speed pervers, brutal vorwärts. Die Geraden sollten lang sein, die Strecke bekannt. Denn wird Feuer frei gegeben, wird der Blick zum Tunnel und die Kawa schiebt ohne Leistungsloch schön linear vorwärts. Brutale Kompressor-Watschn? Fehlanzeige. Das würde auch nicht zum Motorrad passen. Der Motor ist unglaublich weich, Lastswechsel sind nur minimal zu spüren. Das Ansprechverhalten ist präzise. Dickes Lob holt sich Optimus Speed für das Getriebe ab. Nicht nur, dass die Gangwechsel leicht, präzise und auf kurzen Wegen passieren, nein, der Kawasaki Quickshifter (KQS) mit Blipper-Funktion (Rauf- und Runterschalten ohne Kupplung) funktioniert hervorragend.

Fahrwerk

Hier kommt der einzige echte Kritikpunkt: Die H2 SX in der getesteten SE-Version bietet kein elektronisches Fahrwerk. Nicht, dass man es wirklich vermissen würde, aber bei der Preisklasse fehlt das E-Fahrwerk einfach. Und das Argument des eventuellen Mehrgewichts dar fman bei knapp 260 Kilogramm nicht gelten lassen. Optimus Speed surft also auf konventioneller Fahrwerkstechnik ums Eck und macht das sehr anständig. Nüchtern betrachtet gibt es da nix zu meckern, aber wenn man den Vergleich hat und weiß, wie komfortabel E-Fahrwerke sein können, ohne Sportlichkeit zu vermissen, dann ist es schade, dass die Kawa nicht damit unterwegs ist. Dafür hat man sich größte Mühe gegeben, mit den hydraulischen Komponenten einen guten Kompromiss zu finden. Das ist auch gelungen. Die Gabel spricht gut an und bietet genug Feedback, um auch spät auf der Bremse noch vertrauensvoll abwinkeln zu können. Gefühlt etwas hecklastig macht auch das Federbein eine gute Figur und präsentiert sich eher auf der komfortablen Seite. Sehr schön gemacht: die grün eloxierten Gabelkappen und die hydraulische Federvorspannvorrichtung an der rechten Beifahrerfußraste. Dieses Details zeigen auf, wie wertig die H2 ist. E-Fahrwerk hin oder her. 

Bremsen

Hier hat Kawasaki auf ein Bosch-Kurven-ABS gesetzt und eine fein zu dosierende, nicht zu radikale Vorderradbremse gesetzt, die die Tourensportlerin immer locker zum stehen bringt. Ich würde sogar meinen, dass die Bremse für sich sogar Supersport-Niveau hat. Wegen des Gewichts kann sie es nicht ganz ausspielen, aber das Feedback am Bremshebel und die Dosierbarkeit sind top. Überrascht kräftig werkt die Hinterradbremse. In der Stadt reicht der hintere Stopper für jede Lebenslage. 

Aufgefallen

Der tolle Lack, die liebevolle, hochwertige Verarbeitung und das tollen Surren des Kompressors. Das LED-Kurvenlicht ist eine nette Spielerei, die sehr komfortable Sitzbank prächtig für den Hintern. Sehr pfiffig: Die Schräglagenanzeige in Grad im Cockpit. Und natürlich der butterweiche aber trotzdem mächtige Schub. Einmal Vollgas auf dem Eisen sollte man schon erlebt haben. Hübsch: die Einarmschwinge.

Durchgefallen

Der Verzicht auf ein elektronisches Fahrwerk ist mir nicht ganz klar und müsste bei dem Preis realisierbar sein.

Testurteil Kawasaki H2 SX SE

Für die getestete Special Edition-Version verlangt Kawasaki stolze 27.499 Euro. Das ist nicht wenig. Und bis auf das fehlende E-Fahrwerk geht der Preis sogar in Ordnung, da man neben dem spektakulären Motor ein Bike bekommt, dass alle Stückerl spielt. Vor allem in Sachen Elektronik. Das Gesamtpaket überzeugt und definiert der Klasse der Tourensportler neu. Nicht nur wegen der Leistung, sondern vor allem durch ihre hohe Ausgewogenheit und eigenständige Optik. Eine runde Sache, sie Vielfahrer viele Glücksmomente bescheren wird.

Testurteil Kawasaki H2 SX SE, by p.bednar

Mehr Infos zur Kawasaki H2 SX Special Edition

Mit freundlicher Unterstützung von TOTAL Austria

Mehr Actionfotos der Testfahrten gibt es auf Instagram: apex_moto_at

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Autor/in:
Philipp Bednar
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