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Test: Kawasaki Z900 – Godzillas kleiner Neffe

17.07.2017

Knackige, klare Kanten, minimalistische Farbtupfer, ein böses G’schau und ein knappes Heck – die Kawasaki Z900 ist ein grimmiges Nakedbike. Fast räudig – im positiven Sinn. Bereits nach wenigen Minuten im Sattel der Z900 wird klar: Es ist nicht Godzilla, aber zu mindestens sein kleiner, aggressiver Neffe, der dich mit Haut und Haaren gleich fressen will. 

Ergonomie

Willkommen im Sattel eines ehrlichen Nakedbikes: Der Kniewinkel ist angenehm sportiv, der Sitz zentral in der Mitte des Motorrads (Sitzhöhe 795 mm) und der breite Lenker spannt den Piloten nur dezent sportlich über das Vorderrad. Komfortabel aber trotzdem fahraktiv beginnt der wilde Ritt. Mit knapp 209 Kilogramm fahrfertig und vollgetankt lag die Kawasaki Z900 knapp unter der Werksangabe (210 kg). Vermutlich hat der aufpreispflichtige Akrapovic-Auspuff (ab 861,50 Euro) den Unterschied gemacht.

Handling

Durch die angenehm neutrale Sitzposition habe ich mir ein ebensolches Handling erwartet. Und auch bekommen. Tendenziell sind Nakedbikes eher auf der agilen Seite, hie und da gibt es dann im Topspeedbereich leichtes Lenkerflattern oder ein Pendeln um die Längsachse. Nicht so bei der Z900. Hier haben die japanischen Ingenieure genau den richtigen Spagat zwischen Agilität und Stabilität gefunden. Selbst bei brutal schnellen Kurven liegt die Z900 satt auf der Straße und zieht genau den Strich durch die Ecken, den man beim ersten Einlenken vorgegeben hat. Ähnlich wie bei der Kawasaki Z650 glänzt die große Schwester mit einer tollen, vertrauenserweckenden Ausgewogenheit: nicht nervös, nicht kippelig, aber auch nicht schwerfällig oder stur. Genau so muss sich ein Nakedbike dirigieren lassen. Angenehm: Selbst in großer Schräglage sind stets noch Linienkorrekturen möglich. Das gibt viel Sicherheit und Vertrauen - selbst wenn man eine Ecke mal etwas zu optimistisch angepeilt hat.

Motor/Getriebe

Applaus, Applaus! Der Reihenvierzylinder mit 948 Kubik leistet laut Kawasaki 125 PS. Subjektiv sind es äußerst lebhafte Pferde, die im unteren und mittleren Drehzahlbereich bereits beherzt antreten und oben raus dann nochmals im Galopp zulegen. Viel spannender als die Leistung ist jedoch das Drehmoment: 98,6 Newtonmeter werden angegeben. Und gefühlt sind die bereits ab dem Standgas da. Eher untypisch für einen Vierzylinder, hat der Kawamotor aber so viel Bumms in der Mitte, dass man glaubt, man sitzt auf einem dicken V2. Es gibt nicht viele Reihenvierzylinder die mich schwärmen lassen, aber der Z900-Motor hat es wirklich faustdick hinter den Ohren. Gerade auf der Landstraße, wo Topend-Power viel unwichtiger ist als eine bärige Mitte, trumpft die Z900 auf. Problemlos lässt es sich auch mal einen Gang höher in die Ecke stechen, ohne am Kurvenausgang zu verhungern. Das Getriebe spielt mit, die Gangwechsel flutschen nur so. In Sachen Antrieb hat sich die Z900 ein glattes „Sehr gut“ verdient.

Fahrwerk

Kawasaki geht bei der Gabel einen interessanten Weg: die 41-mm-USD-Gabel ist in Federvorspannung und Zugstufe verstellbar, jedoch nur auf dem linken Holm – für beides. Ganz ehrlich: Mir ist das beim Testen nicht einmal aufgefallen, kannte ich so auch noch nicht. Das Federbein ist ebenfalls in Federvorspannung und Zugstufe einstellbar. Interessant: Bei unserem Testmotorrad war die Vorspannung bis auf einen Gewindegang komplett heraus. Das erklärt auch etwas, warum die Schräglagenfreiheit nicht all zu groß war. Die Fußrasten haben recht früh Bodenkontakt gehabt. Schwerere Fahrer könnten hier sich etwas nachjustieren, um das Heckniveau und den Negativfederweg anzupassen. Letzter hat aber gut gepasst. Laut Info von Kawasaki Österreich ist die geringe Federvorspannung jedoch die Werkseinstellung. Insgesamt gibt sich das Fahrwerk sehr alltagsorientiert – nicht zu straff und auch nicht zu lasch. Gerade die Gabel hat mir richtig gut gefallen. Zwar ist das Einnicken beim Bremsen auch hier gegeben, aber es ist – im direkten Vergleich zur Yamaha MT-09 oder der Suzuki GSX-S 750 – deutlich weniger. Das ist speziell am Kurveneingang sehr angenehm, da man weniger Bewegung in der Gabel hat und sie gefühlt satter liegt. Trotzdem sind die ersten Zentimeter vergleichsweise weich, bevor dann aber eine sehr transparente Progression eintritt und die Gabel deutlich straffer werden lässt. Übersehene Asphaltkanten kommen nicht ungefilter im Lenker an, sondern werden großteils spürbar ausgebügelt. Für die Landstraße und Fahrer-Normalgewicht eine sehr feine Abstimmung. Das Heck kam mir einen kleinen Tick zu weich vor. Beim Draufsitzen sackte die Z900 etwas ein und beim Umsetzen zwischen den Richtungswechseln gab es etwas Bewegung. Nie schlimm, nie störend, aber eben doch spürbar. Wobei auch hier die Progression bald einsetzt und die ersten Schwingungen dämpft. In Summe passt das Fahrwerkslayout sehr gut zum primären Einsatzgebiet der Z900, nämlich der Landstraße. Denn eben weil das Fahrwerk nicht bretthart ist, schluckt es sehr unaufgeregt und nervenschonend genau jene Unebenheiten, die bei knackigeren Fahrwerken etwas mehr Aufmerksamkeit vom Piloten brauchen.

Bremsen

Vorne kommen nur 300-mm-Wavebremsscheiben zum Einsatz. Auf den ersten Blick wirken die eher süß als brutal. Aber in Verbindung mit der axialen Bremspumpe und den – leider nur – axial verschraubten Bremszangen, beißt die Kawasaki Z900 ordentlich zu und verzögert nicht brutal aber beherzt. Ich persönlich hätte mir noch etwas mehr Feedback am Bremshebel gewünscht, aber das ist Jammern auf hohem Niveau. Erfreulich wirksam ist die Hinterradbremse, die sich fein dosieren lässt. Vom ABS habe ich nur wenig mitbekommen. Wenn es sich gemeldet hat, dann eher von der Hinterradbremse. Das minimale Pumpen am Handbremshebel beim Einsatz kommt recht spät. Fazit: grundsolide. 

Aufgefallen

Wie spielerisch man das Handling der Kawasaki Z900 aufnimmt. Ein paar flotte Kurven reichen und man hat das Gefühl, dass das Motorrad genau das tut, was man möchte. Etwas verhalten war der Sound – trotz Akrapovic. Hier ist die Abgasnorm Euro4 mal wieder schuld. Geil: Keine Traktionskontrolle. Der objektive Journalist in mir will es bekritteln, immerhin gibt es andere Bikes dieser Preisklasse, die eine TC haben, aber da der Motor so wunderbar am Gas hängt und so eine starke, transparente Mitte hat, braucht es keine Traktionskontrolle, um sicher und schnell zu sein. Außerdem passt es für mich zum Anspruch eines Z-Nakedbikes: weniger ist mehr. Der volldigitale Tacho mit seinem schwarzen Display schaut nicht nur gut aus sondern lässt sich auch sehr gut ablesen.

Durchgefallen

Die Gummibremsschläuche, mal wieder. Muss wirklich nicht sein. Und axial verschraubte Bremszangen an der Front, na ja, ist auch kein Highlight. Sonst fällt mir beim besten Willen nichts ein. 

Testurteil: Kawasaki Z900

Die Kawasaki Z900 hat sich bereits nach wenigen Kurven in mein Herz gefahren: superneutrales, stabiles Handling, ein bäriger Motor mit stets genug Dampf und einer Optik, die ich einfach rattenscharf finde. So geht Nakedbike. Der Preis ist fair, das Gebotene stimmt. Kritik?: Würde ich gerne anbringen, aber das Grinsen unterm Helm beim Kurvenwetzen war viel zu groß, um der Kawa etwas Schlechtes nachsagen zu wollen. Klare Kaufempfehlung.

Testurteil Kawa Z900, by p.bednar

Mehr Infos zur Kawasaki Z900

Mit freundlicher Unterstützung von TOTAL Austria

Mehr Actionfotos der Testfahrten gibt es auf Instagram: apex_moto_at

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Autor/in:
Philipp Bednar
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