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Test: Suzuki SV 650 - Retro oder Stillstand?

27.07.2017

Mein erstes Motorrad war eine Suzuki SV 650 S, Baujahr 2004, die Kantige. Ein tolles Motorrad. Nun, 13 Jahre später, gibt es sie wieder, die SV 650, nachdem zwischenzeitlich die Gladius versucht hatte ihren Platz einzunehmen. Viel hat sich am Motorrad nicht getan. Ob das schlecht oder gut ist? Probieren wir es einfach aus.

Ergonomie

Extrem schlank steht die Suzuki SV 650 da. Nicht einmal die Ur-SV mit Vergaser war so schlank. Die Sitzhöhe von 785 mm ist kommod, durch den schmalen Tank hat man selbst mit kürzeren Beinen einen sicheren Stand. Griff zum Lenker, der recht stark nach oben gekröpft ist und eher schmal in der Hand liegt. Der Kniewinkel ist entspannt aber fahraktiv, der Knieschluss ist durch den 13,8 literfassenden Tank sehr schmal und man hat das Gefühl ein zierliches, kompaktes Motorrad zu bewegen. Der Bremshebel ist verstellbar, der Kupplungshebel leider nicht. Dafür bietet die Verkleidung des volldigitalen Tachos sogar etwas Windschutz. Ab 150 km/h wird es dann trotzdem anstrengend für den Nacken. Ein kleines Windschild für Langstreckenfahrer ist nicht verkehrt.

Handling

Mit exakt 200 Kilogramm vollgetankt ist die Suzuki SV 650 nicht die leichteste in ihrem Segment. Aber die paar Kilo mehr sieht und spürt man ihr nicht an. Kaum in Bewegung, ist die SV angenehm agil und präsentiert sich mit einer guten Balance und Ausgewogenheit. Bereits nach wenigen Kurven ist ihr Fahrverhalten in Gashand und Fahrerhintern übergegangen. Nie zickig, eher auf der handlichen aber nicht nervösen Seite schwingt man sich von einer Kurve zur nächsten. Bis zum Topspeed gibt es keine bösen Pendelbewegungen oder Geradeauslauf-Probleme. Trotzdem würde ich der SV einen breiteren und etwas tieferen Lenker gönnen. Das schaut besser aus und würde sie noch leichtfüßiger machen und eventuell auch das Feedback von der Front leicht erhöhen. Denn obwohl das Vorderrad genügend Rückmeldung bietet, ist es in langsamen Ecken etwas schwieriger genau zu spüren, ob die Haftgrenze schon bedrohlich nahe ist. Ganz anders das Heck, welches dem Fahrer deutlich vermittelt, wie der hintere Gummi mit dem Bodenbelag harmoniert.

Motor/Getriebe

Da ist er wieder, der SV 650-Motor: 645 Kubik, 64 Newtonmeter, 76 PS. 90-Grad-Zweizylinder, flüssigkeitsgekühlt. Einsteigerherz, was willst du mehr? Erster Gang, Kupplungsschnalzer und die SV steht am Hinterrad und wheelt und wheelt und wheelt. Traktionskontrolle gibt es keine – braucht es auch nicht. Der Motor ist noch immer ein Musterknabe. Einer, der sowohl Fahranfänger wie routinierte Herbrenner Freude bereitet. Mit minimalsten Vibrationen, seidenweicher, direkter Gasannahme und milden Lastwechselreaktionen drückt der Motor mit angenehmen Bumms von unten an ohne Drehfreude vermissen zu lassen. Erst bei rund 9000 Umdrehungen ist langsam Schluss. Bis dahin zieht der Motor wunderbar linear mit einem leichten Kick oben raus. So geht das. Leider hat beim Testmotorrad das Getriebe nicht ganz mithalten können. Immer wieder habe ich mich verschalten, die Wege waren etwas länger als gewohnt und ab und zu hat es etwas gehakt. Ungewohnt bei einem Suzuki-Getriebe. Eventuell könnte es daran liegen, dass die Test-SV mit rund 500 Kilometern am Tacho noch jungfräulich war und sich das Getriebe erst einlaufen muss. Trotzdem, bei aller Nachsicht, da hat es einfach zu viel gehakt, das geht besser. Dafür war die Kupplung  präzise und mit wenig Handkraft zu bedienen. Beim Hinterradfahren oder in engen Kehren ein Pluspunkt.

Fahrwerk

Klassentypisch sprechen wir von simplen, kaum verstellbaren Federelementen. An der Front kommt eine nicht verstellbare Teleskopgabel zum Einsatz. Hier hat sich leider im Vergleich zu den Vorgängermodellen gar nichts geändert. Schade. Die SV 650 S hatte wenigsten eine Vorspannungsverstellung. Immerhin ist das über Hebel angelenkte Monofederbein 7-fach in der Vorspannung verstellbar – so wie früher. Mehr Einstellungen gibt es nicht. Ebenfalls klassentypisch ist das Fahrwerk der SV 650 eher auf der weichen Seite, aber nicht ganz so butterweich wie manch eine Konkurrentin. Beim Aufsatteln geht sie nicht erbarmungslos in die Knie, sondern sackt nur minimal ein. Fühlt sich gut an. Beim Fahren selbst spürt man zwar ein Abtauchen beim Anbremsen, aber selbst mit meinen fahrfertigen knapp 90 Kilogramm ist kein dämpferloses Einsacken zu spüren. Das Heck arbeitet überraschend präzise und selbst bei schnelleren Runden beginnt das Heck nicht unangenehm zu pumpen. Natürlich bietet das Fahrwerk viel Verbesserungspotenzial, aber gefühlt ist das Fahrwerk der neuesten Generation etwas straffer und ausgewogener. Der 160er-Hinterreifen ist geblieben. Gut fürs Handling, über die Optik lässt sich streiten.

Bremsen

Auch bei den Bremsen nicht viel Neues: Am Vorderrad werken zwei 290-mm-Bremsscheiben mit zwei Doppelkolben-Schwimmsättel. Die axiale Bremspumpe hat einen verstellbaren Bremshebel und bietet ein mittelmäßiges Feedback. Einerseits beißt die Bremse nicht wirklich sportlich zu, sondern eher sehr sanft, anderseits ist der Hebelweg auch etwas länger. Dafür glänzt das ABS welches – ähnlich wie bei der Suzuki V-Strom 650 – sehr sanft am Hebel pulsiert und nicht all zu früh einsetzt. Die Hinterradbremse ist gut dosierbar. Und durch die etwas hecklastigere Gewichtsverteilung ist die Verzögerung für das Hinterrad richtig gut.

Aufgefallen

Rundscheinwerfer mit kleiner Lampenverkleidung, die Hinterradschwinge ist jetzt etwas mehr abgerundet, der Tank ist kleiner und schmaler, das Heck komplett neu gestylt. Sonst gibt es kaum Neuheiten bei SV 650. Der Sound ist eher verhalten, dafür ist die Sitzposition bequem und absolut langstreckentauglich. Mir persönlich gefällt der neue Tacho sehr gut.

Durchgefallen

Die Vorderradbremse ist etwas zu lasch und der Tank mit 13,8 Liter nicht gerade üppig. Der Retro-Trend klingt schon wieder ab, daher kommt die SV 650 mit ihrem Rundscheinwerfer und den wenigen optischen Highlights ungewöhnlich altbacken daher. Und bitte: Die grausame gekachelte Tankverkleidung (gefakte Carbonoptik) verursacht wirklich Augenkrebs. Wem ist der Blödsinn eingefallen? 

Testurteil: Suzuki SV 650
Die Suzuki SV 650 ist noch immer eine spaßige, gar nicht teure Allrounderin. Leider ist den Designern in puncto Optik nicht viel Neues eingefallen, gleiches gilt für die bewährte Technik. Ganz ehrlich: Als Ex-SV-Fahrer blutet mir das Herz, aber die Konkurrenz hat die SV 650 in vielen Details bereits überholt. Geblieben ist ihr ehrlicher, ausgewogener Charakter, der tolle Motor und das gute Preis-Leistungsverhältnis. Damit rettet sie sich auch, um nicht gnadenlos gefressen zu werden.
Testurteil SV 650, by p.bednar

Mehr Infos zur Suzuki SV 650

Mit freundlicher Unterstützung von TOTAL Austria

Mehr Actionfotos der Testfahrten gibt es auf Instagram: apex_moto_at

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Autor/in:
Philipp Bednar
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