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Test: Yamaha Tracer 700 - Die bessere MT-07!

09.05.2018

Heuer starte ich in die zweite Testsaison mit APEX und schon wieder mit der Yamaha MT-07. Nein, stimmt nicht ganz, ist ja die Yamaha Tracer 700, die verkleidete Touringvariante der MT-07. Die Tracer bietet dabei  richtig viel Fahrspaß für's Geld überflügelt ihre nackte Schwester sogar in den entscheidenden Kategorien. 

Ergonomie

Auf der Yamaha Tracer 700 sitzt es sich prima. Trotz der 835 Millimeter Sitzhöhe komme ich ganz bequem mit den Füßen zum Boden. Es liegt an der Form der einteiligen Sitzbank, die im Vergleich zur Yamaha MT-07 komplett anders ist, so wie auch das halbe Heck. Besonders um den Schritt ist die Sitzbank sehr schmal geschnitten und der Knieschluss ist angenehm eng um den flachen, tiefen Tank. Zusätzlich bietet die einteilige Sitzbank einen höheren Sitzkomfort und durch die Stufe zum Soziusbereich kann man sich beim harten Beschleunigen perfekt mit dem Hintern abstützen. Da haben die Yamaha-Jungs eine tadellose Sitzposition gezaubert, sehr anständig. Zumal die Sattel-Heckline nicht weniger keck und sportiv aussieht als bei der nackten Schwester. Weiteres Lob gibt es für den Lenker: nicht zu breit, nicht zu schmal, nicht zu hoch, nicht zu niedrig. Ich sitze perfekt oben. Fahraktiv, aber nicht aggressiv vorgespannt. Gut, die Alustrebe dazwischen ist unnötiges Klimbim, schaut aber immerhin wertig aus. Ebenfalls anders ist die Instrumentenanordnung. Zwar ist das kompakte Tachoinstrument ident mit jenem der MT-07, durch die Halbschale sitzt es aber nicht über dem Lenker auf der Gabelbrücke, sondern konventionell vor dem Lenker in der Verkleidung. Effekt: Man braucht sich nicht mehr in den eigenen Schritt schauen, um ablesen zu können, wie schnell man unterwegs ist. Das war bei der nackten Schwester semioptimal gelöst. Jetzt liegt der Tacho gut im Blickfeld des Reiters. Der Windschild lässt sich über zwei Schrauben stufenlos verstellen und bietet wirklich ganz passablen Windschutz, auch für größere Piloten. Unangnehme Luftverwirbelungen um den Helm konnte ich mit meinen 1,85 Meter Körpergröße keine feststellen. Selbst auf High-Speed-Autobahnetappen nicht. 

Handling

Wie bei der nackten Schwester, glänzt die Yamaha Tracer 700 mit einem niedrigen Gewicht. Vollgetankt habe ich 188,3 kg gemessen (96 kg vorne, 92,3 kg hinten). Damit lag sie bei uns im Test nur 0,3 kg über der MT-07, trotz der Halbschale. Insofern war das Handling auch um kein Eck schwerfälliger, sondern ganz im Gegenteil, sie kommt mir sogar einen Tick handlicher, aber vor allem stabiler vor. Ich glaube, dass das vor allem an der aufrechteren Sitzposition, dem etwas längeren Radstand und der Bereifung liegt. Die Tracer hatte Michelin Pilot Road 4-Gummis aufgezogen. Und: Im Vergleich zur Testfahrt mit der MT-07 hatten wir statt um die zehn Grad fast hochsommerliche 30 Grad in der Sonne. Bedeutet: Ich habe die Reifen schön warm bekommen. Generell ist die MT-07 schon narrensicher vom Handling, die Tracer 700 ist es ebenso, nur sogar noch etwas ausgewogener. Während die nackte Schwester für mich in engen Ecken leicht kippelig daher kam, liegt die Tracer 700 immer schön satt und stabil im Radius. Will man die Linie trotzdem noch korrigieren, reicht ein minimaler Lenkimpuls und schon fällt sie tiefer in Schräglage oder lässt sich spielerisch aufstellen. Dabei macht es überhaupt keinen Unterschied, ob man enge, langsame Kehren oder High-Speed-Kurven durchfräst. Die Tracer lässt sich wunderbar neutral vom Fahrer dirigieren und gibt niemals nicht Rätsel auf. Durch diese Handlingeigenschaften wird die Tracer 700 im Winkelwerk eine richtige Waffe. Da werden sich größere Modelle mit deutlich mehr Schmalz ordentlich strecken müssen, um nicht von der kompakten Japanerin gefressen zu werden. Fein gemacht! 

Motor/Getriebe        

Die MT-07 habe ich für ihr Triebwerk über den grünen Klee gelobt und ich wiederhole mich jetzt bei der Tracer 700: das ist ein Prachtmotor! 75 PS stehen im Datenblatt, gefühlt sind es etwas mehr. Unten raus schiebt der Motor bereits sehr krätig an, die Mitte ist ideal abgestimmt, drehfreudig und mit genug Qualm. Obenraus gibt es dann nochmals ein kleines Feuerwerk, bevor der Zweizylinder mit seinen 689 Kubikzentimeter Hubraum rasch in den Begrenzter läuft. Die Gasannahme ist schlicht perfekt. Jeder kleine Dreh am Gasgriff hat sofortige Be- oder Entschleunigung zur Folge. Traktionskontrolle gibt es keine, braucht es auch nicht. Ich bin sogar heilfroh, dass die Ingenieure der Tracer 700 keine verpasst haben, denn so kann man die kleine Tourensportlerin jederzeit nach belieben im ersten Gang auf's Hinterrad zupfen. Das macht irre viel Spaß. Ach was, es macht süchtig. Wer eine bessere Technik hat und den Oberkörper richtig einsetzt, zupft die Tracer auch noch im zweiten Gang in den Wheelie und fährt bis zum Tankende am Hinterrad. Wow, ist das leiwand! Genau so gehört das. Das Getriebe spielt brav mit, war im Test aber total unauffällig. Es tut was es soll, schaltet die Gangabstufungen sicher mit Feedback am Fußhebel durch und die Kupplung braucht keine nennenwerte Handkraft. 

Fahrwerk

Grundsätzlich werken in der Tracer 700 einfache Komponenten. An der Front kommt eine bewährte, nicht verstellbare Teleskopgabel zum Einsatz. Hinten lässt sich das Zentralfederbein stufenweise in der Vorspannung verstellen. Mehr gibt's nicht. Aber viel mehr braucht es auch nicht. Zwar bin ich grundsätzlich kein Freund einfacher Fahrwerke, aber bei der Tracer 700 stimmt das Gesamtkonzept, dass man für den aufgerufenen Preis ein wirklich homogenes, neutrales und flottes Gerät bekommt. Da schraube ich gerne meine Ansprüche zurück und gebe zu: ein einfaches Fahrwerk, welches trotzdem richtig gut funktioniert. Natürlich, drückt man richtig mächtig an und bremst am allerletzten Zacken, dann taucht die Gabel schon ordentlich ein. Und fegt man sehr motiviert über Straßen zweiter Ordnung, dann fängt das Heck an nachzuschwingen und zu pumpen. Als viel zu weich würde ich die Abstimmung nicht bezeichnen. Eher als grundsätzlich komfortabel aber mit genug Feedback, um stressfrei die Angstnippel auf den Fußrasten abradieren zu können. Und ganz ehrlich: Was braucht es mehr, als ziemlich sicher am Fußraster um die Ecke zu biegen? Dann ist man meistens schon sehr flott unterwegs und braucht keine Gegner fürchten. Nachteil: Bringt man ein paar Kilogramm mehr auf die Waage und verreist gerne mit Sozius, dann wird man um ein solides Nachrüstfederbein nicht herum kommen. Das bietet dann den größeren Einstellbereich und die nötigen Reserven. Oder anders gesagt: Kauft die Tracer 700, investiert nochmals rund 1000 Euro in das Fahrwerk und ihr habt eine echte Winkelwerk-Waffe mit angenehmer Sitzposition und vollumfänglicher Tourentauglichkeit. 

Bremsen

Die Bremshardware der Tracer und MT-07 sind ident. Axiale Bremszangen, axiale Bremspumpe, 282er-Bremsscheiben vorne und eine 245er-Scheibe an der Hinterhand. Und natürlich ABS. Vielleicht liegt es am Reifen oder an der besseren Tagesverfassung während des Testzeitraums, aber mir kommt vor, dass sich das Anit-Blockier-System zur letztjährigen MT-07 verbessert hätte. Mir kommen die Regelintervalle etwas kürzer und sanfter vor. Und: Vorne und hinten fühlt sich jetzt gleich an, bei der MT-07 kam es mir noch so vor, als würde das System am Hinterrad grober einsetzen als vorne. Egal wie, das ABS ist natürlich nicht auf dem Niveau eines 20.000-Euro-Superbikes, aber sicher genug, um auch im Regen nicht auf der Nase zu liegen. Selbst als Grobmotoriker nicht. Insofern: Es tut was es soll, das Blockieren der Räder verhindern. Grundsätzlich finde ich den Biss der Vorderradbremse sehr angenehm. Nicht zu bissig, nicht zu zahm. Beim Andrücken könnte das Feedback vom Belag über den Bremshebel vielleicht noch etwas direkter sein, aber für den Kaufpreis ist die Hardware echt in Ordnung und leistet genug Feedback und Verzögerung, um selbst zügige Etappen locker zu meistern. 

Aufgefallen

Die Tracer 700 hat einen 17- statt 14-Liter Tank. Trotzdem waren wir gefühlt öfter an der Tankstelle. Der Verbrauch lag im Test bei knapp unter sechs Liter auf 100 Kilometer. Zugegeben, ich hab die Gänge eher öfters ausgedreht und war generell nicht spritsparend unterwegs. Trotzdem war die Reichweite - für ein Tourenbike- nicht spektakulär. Der Sound aus dem Endtopfstummel ist ganz ansprechend, die Optik gut. Überhaupt finde ich die ganze Tracer optisch sehr gelungen. Schön modern durch die vielen Kanten, aber trotzdem noch grazil und leichtfüßig. Die Sitzbank ist wirklich richtig gut und auch nach 500 Tageskilometern nicht durchgesessen. 

Durchgefallen

Wie immer: Die Gummibremsschläuche. Und die angedeuteten Handprotektoren am Lenker, die den Blinker aufnehmen. Die schauen ganz schnittig aus, werden aber im Sturzfall wenig helfen und nur die Reparaturkosten erhöhen. Nette Idee, aber noch nicht ganz überzeugend umgesetzt. 

Testurteil: Yamaha Tracer 700

Die Yamaha Tracer 700 ist ein verdammt gutes Motorrad zu einem fairen Preis und breiten Einsatzbereich. Sie ist für mich die bessere Yamaha MT-07 und ihrer Schwester in allen Belangen überlegen. Braucht es mehr? Eigentlich nicht. Wenn, dann vielleicht noch etwas in das Fahrwerk investieren und man hat für unter 10.000 Euro ein wirklich schnelles, lässiges Neumotorrad, dass eigentlich keine Wünsche offen lässt und irre viel Fahrspaß bietet.

Testurteil: Yamaha Tracer 700, by p.bednar

Mehr Infos zur Yamaha Tracer 700

Mit freundlicher Unterstützung von TOTAL Austria

Mehr Actionfotos der Testfahrten gibt es auf Instagram: apex_moto_at

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Autor/in:
Philipp Bednar
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