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Träume in der Scheune

05.11.2014

Markus Platteter unterrichtet angehende Kfz-Techniker an der Siegfried-Marcus-Berufs­schule in Wien. In einer Scheune in Niederösterreich findet er den Ausgleich zum ­Hightech-Unterricht bei der Restaurierung von US-Klassikern.

Trotz gefühlter Minusgrade öffnet Markus Platteter im Kurzarm-T-Shirt das Tor zum Reich seiner Träume: eine hohe Scheune am Ortsrand von Naglern im niederösterreichischen Bezirk Korneuburg. Den 37-jährigen gelernten Kfz-Technikmeister stört die herbstliche Kaltluft nicht, er brennt für seine Leidenschaft, die Restaurierung von Ikonen der Automobilgeschichte vornehmlich US-amerikanischer Herkunft. So parken in der Scheune unter anderem zwei bullige Ford-Pickups aus den 1950er-Jahren, ein rassiger Dodge Charger aus den späten Sixties, ein massiger 57er Cadillac und ein schnittiges Ford-Mustang-Cabrio der ersten Generation. Die Autos gehören teils Platteter selbst, teils Freunden, keines ist derzeit fahrbereit. Die Blech­ikonen mit Patina warten darauf, von kundiger Hand restauriert und wieder zum Leben erweckt zu werden. „In der Berufsschule haben wir nur mit modernen Antriebssystemen zu tun, an denen man nichts mehr ohne Diagnosegerät und Spezialwerkzeug machen kann“, erklärt Platteter. Er unterrichtet im kraftfahrzeugtechnischen Labor der Wiener Siegfried-Marcus-Berufsschule, hält Fachpraktika ab und gilt als Experte für Fahrwerk und moderne Getriebe inklusive ASG und DSG. Seit 2004 hat er den sicheren Job als Lehrer, den er als verheirateter Vater von zwei kleinen Kindern natürlich zu schätzen weiß. Doch die Leidenschaft für das Schrauben am klassisch einfach aufgebauten Antriebsstrang, die ihn als jungen Mann gepackt hat, lässt ihn bis heute nicht los. „Als Lehrling habe ich noch gelernt, wie man Vergaser zerlegt und repariert, Ventile einstellt, Zündkontakte erneuert“, erzählt Platteter mit leuchtenden Augen. „Die alten Autos haben eine Seele, und wenn sie nach einer Reparatur rund laufen, fühlt man sich ihnen tief verbunden“, so versucht der Mechaniker der alten Schule, seine Gefühle in Worte zu fassen. 

Traumautos einst und jetzt

Ob er seine Oldtimerbegeisterung an seine Schüler weitergeben kann? „Die Jungen finden die Klassiker zwar schön, doch sie haben heute andere Traum­autos“, sagt Platteter. So scharten sich die meisten Schüler bei der Autoausstellung anlässlich des 25-Jahr-Jubiläums der Siegfried-Marcus-Berufsschule um zeitgenössische Supersportwagen wie Nissan GTR, Audi R8 und KTM X-Bow. „Mit den Fahrleistungen dieser Boliden können die Klassiker natürlich nicht mithalten“, lacht Platteter. Dennoch gibt es vereinzelt Schüler, die sich für Oldtimer interessieren, denn immerhin bietet diese Marktnische durchaus interessante berufliche Perspektiven. „Es gibt heute genug Leute mit Geld, die sich einen Oldtimer von Grund auf perfekt restaurieren lassen wollen“, weiß Markus Platteter aus Erfahrung. „Die Preise, die heute auf Auktionen erzielt werden, sind teilweise astronomisch.“ Für junge Kfz-Techniker mit dem gewissen Retro-Feeling tut sich da ein reiches Betätigungsfeld auf. Aber auch der Traum des Berufsschullehrers lebt. Gemeinsam mit seinem ehemaligen Lehrling Matthias Tausek, den er seinerzeit als Geselle bei Tarbuk Wien unter die Fittiche genommen hatte, wälzt er fantastische Pläne. „Wenn wir das Startkapital auftreiben könnten, würden wir eine Oldtimerwerkstatt mit angeschlossenem Barbecue-Restaurant aufsperren, am besten gleich neben einem Teich und einer privaten Rennstrecke.“ Wenn, ja wenn – bis dahin sind die Träume in der Scheune jedenfalls gut aufgehoben.

Autor/in:
Peter Seipel
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