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An E-Fahrzeugen führt, zumindest in manchen Bereichen, kaum ein Weg vorbei - allein schon aus steuerlichen Gründen.

Autokauf als Steuertipp

06.07.2021

Die Regierung treibt die Dekarbonisierung voran – konsequent und ohne Rücksicht auf Verluste. KMU droht eine massive Steuerbelastung. Wenigstens teilweise kann man sich durch den Umstieg auf E-Fahrzeuge jedoch Erleichterung verschaffen. 

NoVA hier, MöSt da. Die Regierung dreht an mehreren Steuerschrauben – wobei anscheinend alle Kfz-bezogenen Steuern angehoben werden (die motorbezogene Versicherungssteuer wurde ja bereits „ökologisiert“, sprich in die Berechnung des CO2-Ausstoßes miteinbezogen). Gerade die ab Juli geplante Ausweitung der Normverbrauchsabgabe (NoVA) auf leichte Nutzfahrzeuge ist ein schwerer Schlag für viele Unternehmen. Und wird folgerichtig von Interessenvertretern und Unternehmern scharf kritisiert.

Werkzeug auf vier Rädern

„Mit der NoVA für leichte Nutzfahrzeuge werden das Gewerbe und Handwerk, die Bau- und Transportwirtschaft sowie die produzierenden Betriebe erneut geschröpft“, kritisiert der Fuhrparkverband Austria (FVA). 99,6 Prozent aller hierzulande registrierten Unternehmen seien Klein- und Mittelbetriebe (KMU), der Großteil davon wiederum Kleinstbetriebe mit weniger als zehn Beschäftigten. „Gerade für kleinere Unternehmen ist die Einführung der Normverbrauchsabgabe für leichte Nutzfahrzeuge eine echte Katastrophe, denn ihre Fuhrparkkosten werden sich ab 1. Juli 2021 massiv erhöhen“, warnt FVA-Obmann Henning Heise. Pritschen- und Lieferwägen, Personentransporter und Verkaufswägen seien kein Luxus, sondern Werkzeuge auf vier Rädern. 

Das sieht auch Tischlermeisterin Ulrike Reischl-Kaun so, Chefin der Firma „Kaun – die Tischlerin“ (siehe auch Story ab Seite 24): Eine Steuer, die eigentlich auf die zahlreichen SUV abzielen solle, sei jetzt „wie ein Schuss nach hinten“ losgegangen auf die Gewerbebetriebe, die nun einmal auf Kleintransporter angewiesen seien.

Zur geplanten Mehrbelastung hat der FVA ein Rechenbeispiel: Ein Iveco Daily-Pritschenwagen wird laut FVA-Angaben durch die NoVA ab 1. Juli 2021 um knapp 11.500 Euro teurer, bei einer Flotte von zehn Fahrzeugen summiert sich die Mehrbelastung für das Unternehmen auf 115.000 Euro. Und damit ist das Ende der Fahnenstange noch nicht erreicht. 2024 wird die NoVA je Pritschenwagen dann sogar schon 17.630 Euro ausmachen, sich bei zehn Fahrzeugen also auf 176.300 Euro summieren. Heise: „Das zahlt kein KMU aus der Portokasse, das geht an die Substanz!“

Weder ökologisch noch sozial

Burkhard Ernst, der Vorsitzende des Vereins „Mein Auto – Initiative zur Förderung der ­individuellen Mobilität“, hält von der von Bundesministerin Leonore Gewessler angekündig­ten ökosozialen Steuerreform ebenfalls nichts: „Diese Steuerreform ist weder ökologisch noch sozial, weil sie auf dem Rücken derer gemacht wird, die auf ihr Auto angewiesen sind: Pendler aus ländlichen Gebieten, Familien, ältere Menschen oder Kleinunternehmer, die zum Auto keine Alternative haben.“ 
Kurzfristig geht der Schuss tatsächlich nach hinten los: Aufgrund der Übergangsfrist (mit unterschriebenem Kaufvertrag bis Ende Mai und einer garantierten Auslieferung bis 31. Oktober 2021 konnten Nutzfahrzeuge noch ohne NoVA zugelassen werden) wurde der Fahrzeughandel zuletzt geradezu überrannt. Im ersten Quartal 2021 lagen die Neuzulassungen im Bereich der leichten Nutzfahrzeugen mit fast 11.800 Stück laut Angaben von Eurotax sogar auf einem Rekordhoch, da viele Unternehmen im Vorfeld der NoVA-Einführung noch vorgezogene Käufe abgeschlossen haben. Andere werden ihre bestehenden Fahrzeuge nun umso länger nutzen, wie eine Umfrage des FVA zeigt. Beides ist nicht im Sinne des Erfinders dieser Steuerreform, die ja einen Lenkzweck erfüllen und die Menschen zum Umsteigen auf umweltfreundlichere Alternativen bewegen soll. 

Eben diese gibt es aber gerade im Nutzfahrzeugbereich noch nicht in ausreichendem Maß, wie Kritiker der Steuerreform betonen. Der Tenor lautet: Dekarbonisierung sei selbstverständlich zu begrüßen, aber nicht um jeden Preis. Und vor allem komme vieles einfach noch zu früh. „Dass eine solche Maßnahme ausgerechnet inmitten der Corona-Krise umgesetzt wird, ist für mich unverständlich“, sagt Reischl-Kaun – und hofft immer noch auf ein Umdenken der Politik in letzter Minute. Bis Redaktionsschluss sah es aber nicht danach aus, dass an der neuen NoVA noch etwas geändert wird. Wobei: Dass Verbrenner im Fuhrpark teurer werden, steht in Anbetracht der anderen Steuern ohnehin fest.

Elektrische Alternativen

So berechtigt die Kritik an der Steuerpolitik der Regierung auch ist – dem einzelnen Unternehmer hilft sie nicht weiter. Jetzt gilt es einfach, das Beste aus der Situation zu machen. Und hier kommt die E-Mobilität ins Spiel. Elektrisch betriebene Nutzfahrzeuge sind nämlich von der NoVA ausgenommen, und auch die ökologisierte motorbezogene Versicherungssteuer sowie die geplante Erhöhung der ­Mineralölsteuer können den Besitzern dieser Fahrzeuge egal sein. Obendrein gibt es je nach Bundesland unterschiedlich ausgestaltete attraktive Fördermodelle. 

In vielen Bereichen – vom Pkw bis zum Lieferwagen für den regionalen Einsatz – kann E-Mobilität sehr wohl schon jetzt auch für Unternehmen einiges leisten. Für manch einen Einsatz hat die Elektrifizierung sogar einen praktischen Nutzen. Man denke beispielsweise an eine frühmorgendliche Zustellung in einer Hotelanlage, bei der man dank der leisen E-Motoren niemanden mehr stört. Obendrein kann man eine klimafreundliche Flotte auch fürs Marketing nutzen. 
 

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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