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Charmebolzen mit Akzent

21.04.2017

Immer höher, weiter, schneller, besser – the sky is the limit. Nie war es leichter, sich als Normalo schlechter zu fühlen, als man wirklich ist.

Der hochstilisierte Selbstoptimierungswahn kennt kaum noch Grenzen. Endeffekt: Wer vor 40 kein Burnout hat, gilt in manchen Branchen als Beamter. Aber was ist heute schon normal? Wer oder was ist mittelmäßig? 
Ist ein Škoda mehr Mittelklasse als ein BMW oder ein Kia? Nehmen wir uns den Škoda Octavia Combi zur Brust und mustern ihn einmal genau. Die Eckdaten sind vielversprechend: 150 PS aus einem Zweiliter-Dieselmotor, 7-Gang-Doppelkupplungsgetriebe, Allradantrieb, bis zu 1.740 Liter Kofferraumvolumen. Dazu eine dezent kantig designte Karosse – kein italienischer Aufreißer, aber allemal ein eleganter Blickfang. Nicht nur für Jungväter.

Eine Mittelklasse, die Druck macht

Das Interieur ist mittlerweile so dermaßen geschmackvoll und hochwertig, dass sich die Muttermarke VW warm anziehen muss. Ganz ehrlich: Was bitte soll in diesem Knapp-40.000-Euro-Auto fehlen? Okay, die Sitze und das Lenkrad müssen manuell verstellt werten. Na und? Das Glaspanoramaschiebedach ist riesig, die Materialanmutung passt, der Sitzkomfort ist selbst nach einem halben Tag im Auto noch gut bis sehr gut. Selbst in der zweiten Reihe reist es sich – auch als Erwachsener – komfortabel. Anders gesagt: Wenn das die neue Mittelklasse

ist, dann freuen wir uns doch alle ­miteinander, dass die Autos so gut geworden sind. Bestes Beispiel: der Motor. Dass VW Dieselmotoren bauen kann, ist hinlänglich bekannt. 
Aber der 2,0-Liter-TDI ist und bleibt eine Bank. Die 150 Pferde sind da, werden aber dieseltypisch obenrum etwas zahmer. Die 340 Newtonmeter hingegen sind omnipräsent und machen den Antritt in allen Lebenslagen sehr souverän. Das 7-Gang-DSG unterstützt dabei mit unauffälligen Schaltvorgängen. Lediglich beim abrupten Anfahren oder Kickdown geht zuerst ein Ruck durch die Antriebseinheit, bevor der Octavia traktionsstark vorwärtssprintet. Akustisch gibt es dann aber doch ­gewisse Unterschiede zur auto­mobilen Oberklasse: Bei Autobahntempo pfeift der Wind an der ­A-Säule deutlich hörbar entlang, und auch der Selbstzünder ist bei höheren Drehzahlen im Innenraum präsent. Aber: Selbst Modelle, die doppelt so teuer sind, tönen nicht doppelt so leise.

Gleiches beim Fahrwerk: Eher auf der komfortablen Seite abgestimmt, geht es mit dem Octavia Combi über Fahrbahnkanten und Kanaldeckel. Dafür gibt es beim scharfen Einlenken gewisse Wankbewegungen, und auch beim harten Anbremsen nickt die Front etwas ein. Trotzdem lässt sich der geräumige Tscheche prä­zise positionieren und in allen ­Lebenslagen sicher und zügig mit ausreichend Feedback bewegen. Wer wirklich hart angreifen möchte, greift sowieso zum Octavia RS. Wobei der Zweiliter-Diesel im Alltag stets ausreicht. Ob Allrad- oder Frontantrieb ist wohl eher Geschmackssache. Wer im voralpinen Gebiet unterwegs ist, wird den 4×4-Bonus sicher hie und da zu spüren bekommen. Ob es immer sein muss, sei dahingestellt. Großes Kino bietet der Octavia im Innenraum. Das üppige Touchdisplay in der Mitte des Armaturenbretts ist hochauflösend und reagiert rasch. Die Menüführung ist gut bis selbsterklärend.

Der Sound ist dank Canton-Boxen sehr, sehr voluminös. Wer richtig laut aufdreht, ­bekommt die Bässe hart um die Ohren gehauen. Das pfeift – im positiven Sinne. Und so drängt sich im Leder-Alcantara-Fahrersitz die Frage auf: Brauche ich mehr? Will ich überhaupt mehr? Der beige Innenraum ist haptisch wie optisch sehr gelungen, die Ambientebeleuchtung versprüht so viel Oberklassencharme, dass man die investierten 40.000 Euro fast schon als Schnäppchen empfindet. Denn der Škoda Octavia Combi leistet sich einfach keine Schwächen, punktet mit Charme und hoher Praktikabilität und sogar einer gewissen Preisstabilität, da er auch als Gebrauchter sehr gefragt ist.

Als Journalist ist man es gewohnt, streng und kritisch zu sein. Aber nach einigen Tagen im neuen Octavia, gibt es leider kaum etwas zu kritisieren. Schlecht für mich. Aber gut für die vielen, vielen Octavia-Fahrer da draußen, die ihre Kaufentscheidung vermutlich nicht bereut haben. Und wer ein paar Euros mehr in der Tasche hat, kann noch auf den Superb Combi upgraden. Damit wären dann alle Wünsche restlos erfüllt.

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