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Der Letzte seiner Art

10.09.2016

Er ist ein Stück automobile Historie, eine Legende und bis heute für viele Autofans ein Kindheitstraum: der Ford Mustang GT.

Im Stand blubbert er, beim Anfahren rotzt er ein wenig und unter Volllast brüllt dich der V8 so lauthals an, dass du zwischen Furcht und Erregung pendelst. Willkommen hinter dem Volant des Ford Mustang. Des echten Ford Mus­tang, dem V8, mit rassigen 422 Pferdchen unter der Haube. Fünf Liter Hubraum, 289 Gramm CO2 pro Kilometer. Ökologie schaut anders aus. Aber ganz ehrlich: pfeif drauf. Das Leben besteht nicht nur aus Veganismus, Nachhaltigkeit und reinem Gewissen. Der innere Schweinehund darf und muss manchmal siegen.

Nüchtern betrachtet ist der Mustang so etwas wie das böseste Automobil, das einem Grünwähler passieren kann: groß, um nicht zu sagen fett, bärenstark, durchaus laut und eigentlich auch unpraktisch, weil Cabrio, nicht mal echte Notsitze in der zweiten Reihe und ein Kofferraum, der überwiegend aus einem mächtigen Subwoofer besteht. Gott, wie schön, dass solche Autos heute noch gebaut werden und legal verkauft werden dürfen. 

Kurzer Tritt auf die Euphoriebremse: Schreckgespenst Verbrauch. Was schluckt der fette Ami-Schlitten nun wirklich? Eigentlich sauviel oder erschreckend wenig. Denn fährt man den Automatik-Mustang bequem entsprechend der heimischen StVO, sind knapp unter 12 Liter auf 100 Kilometer gar kein Problem.

Erfahrene Mustangpiloten haben uns sogar von nur knapp über zehn Litern erzählt. Ungelogen – behaupten sie. Es geht also recht sparsam. Das will halt nur keiner, weil das zwar auch etwas Spaß macht, aber das fette Grinsen über beide Ohren entsteht nur beim kompletten Durchdrücken des Gaspedals – pedal to the metal. Dann aber setzt ein Adrenalin- und Endorphinrausch ein, der süchtig macht. Es sind weniger die 422 Pferde, die so glücklich machen, es sind die 524 Newtonmeter und das herrliche Gebrüll des saugenden V8. Sanft wird man in die superbequemen Sportsitze gedrückt, die dicken Gummiwalzen drehen durch und wimmern um Haftung.

Euphorie ohne Grenzen

Jeder Ampelstart geht zu 70 Prozent vorwärts, die restlichen 30 Prozent wandert das Heck nach links und rechts. Wird es zu bunt, greift die Regelelektronik spät, aber doch noch ein. Kleine Drifts und Powerslides sind trotz Elektronik gar kein Problem. Dementsprechend vorsichtig sollten ungeübte Mus­tangpiloten bei Regen unterwegs sein – das Heck lenkt nur zu gerne mit. Nochmals: Schön, dass solche Autos noch gebaut werden. Trotzdem ist der Mustang kein wilder Rabauke, sondern einfach ein Brutalo-GTI in reinster Form. Man kann mit ihm ganz brav längere Tagesetappen fahren.

Gimmicks wie Einparkhilfe, Rückfahrkamera, Sitzheizung und -kühlung, tolle Soundanlage (der Subwoofer sorgt wirklich für fette Bässe) und der lange Radstand sorgen für dementsprechenden Reisekomfort. Und es ist so herrlich dekadent wie geil, dass man sich in einem Cabrio zeitgleich einen Sonnenbrand auf der Stirn holen kann und Frostbeulen am Allerwertesten, weil die Sitzkühlung wohl an kalifornische Temperaturen angepasst ist. Schwitzen am Rücken auf schwarzen Ledersitzen im Hochsommer? Nicht im Mus­tang. 

Im Vergleich zum Vorgänger haben sich Bremse und Fahrwerk deutlich verbessert. Vorne verbeißen sich riesige Brembo-Bremszangen in die innenbelüfteten Bremsscheiben und halten den 1,8 Tonnen schweren Mustang selbst bei Höchstgeschwindigkeit im Zaum. Das Fahrwerk spielt mit, ist nicht zu hart und nicht zu weich, mit leichten Schwankbewegungen bei forscher Gangart.

Die Lenkung ist recht präzise, sollte aber immer im Sportmodus gefahren werden, da sonst die Lenkkräfte für den massiven Mustang fast zu niedrig wären. Da spürt man den amerikanischen Komfortfaktor dann doch noch. Das Navi- und Entertainmentsystem ist typisch Ford, dementsprechend rasch in der Bedienung zu erlernen. Selbst das Verdeck ist kinderleicht zu öffnen: einen Verriegelungshebel lösen und ein Knöpfchen drücken, schon ist das Verdeck offen. Umgekehrt geht es genauso schnell. Wir empfehlen die offene Fahrt. Warum? Weil man dabei mehr vom rotzigen V8 mitbekommt.

Apropos rotzig: Die Armaturen sind abends grün beleuchtet. Jagt man den Motor bis fast in den roten Bereich, verfärbt sich die komplette Anzeige feuerrot. Das in Verbindung mit dem gewaltigen Sound mag zwar einerseits als prollige Spielerei angesehen werden, anderseits ist es genau das, was Benzinbrüder einfordern. Und der Grund, warum der Mustang bereits seit Jahrzehnten ein Mythos ist und Bubenherzen höherschlagen lässt.

Ein echter Hingucker

Dieses Auto ist nicht perfekt, denn es fehlt ihm die typisch europäische Sportwagenfinesse ebenso wie die deutsch-japanische Verarbeitungspenibilität. Dafür bringt der Ford Mustang V8 etwas mit, was wir in Mitteleuropa bei vielen Autos vermissen: eine breite, stolze Brust voller Emotionen und keinerlei falsche Bescheidenheit. Gretchenfrage: Kann so ein Auto überhaupt als Firmenauto genutzt werden? Ja, absolut. Denn obwohl wir schon sehr viele Autos gefahren sind: Mit noch keinem dunkelgrauen Modell wurden wir so oft fotografiert und angelächelt wie im Mustang GT. Die Werbewirkung ist dementsprechend hoch.

Das wird man auch brauchen, um die vergleichsweise hohen Versicherungskosten intern vertreten zu können. Die Anschaffungskosten von knapp 70.000 Euro sind in der Spaß-Kosten-Relation fast schon ein Schnäppchen.

Autor/in:
Philipp Bednar
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