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Koreanischer Aufsteiger

10.09.2016

Der Kia Optima greift ganz ungeniert die gehobene Mittelklasse an. Was zuerst bieder und bemüht wirkt, entpuppt sich als starker Herausforderer mit einem guten Preis-Leistungs-Verhältnis.

Wie viele Kia-Firmenwagenfahrer kennen Sie? Gar nicht so viele, oder? Tja, das liebe Image spielt gerade im Flottenbereich eine große Rolle. Immerhin repräsentiert der Mitarbeiter samt Auto die Firma. Da will man kein Risiko eingehen. Made in Germany ist weltweit ein angesehenes Gütesiegel, und ganz speziell bei Autos. Made in China oder Korea klingt halt weniger sexy. Aber ich verrate Ihnen etwas: Mit dem neuen Kia Optima (wir fuhren den Kombi, genannt Sportswagon) könnte sich das, zumindest in der Automobilwelt, langsam ändern. Denn mit dem Optima grätscht Kia fest ins Feld der gehobenen Mittelklassemodelle und wird seine Spuren hinterlassen.

Stolze 44.990 Euro verlangt Kia für unser Testmodell. Das ist eine äußerst selbstbewusste Ansage, denn damit spielt man in der Liga von Mazda6, Renault Talisman und VW Passat. Und ums gleiche Geld gehen sich sogar schon spartanisch ausgerüstete Einsteigermodelle deutscher Premiummarken aus. Dafür kommt der Kia mit einer absoluten Vollausstattung. Hosen runter: Ist der Optima ein selbstbewusster Blender oder eine hungriger Newcomer? Ich behaupte: Letzteres, und damit ist er brandgefährlich für die etablierten Player am Markt. 

Geradlinigkeit ohne Schnickschnack

Frischlinge sind entweder frech, um gleich ihr Revier zu markieren, oder überraschend ruhig, um ja nicht negativ aufzufallen. Optisch ist der Optima ein äußerst bescheidener Zeitgenosse: Der 4,86 Meter lange Kombi steht mit vielen glatten Flächen und sehr geradlinig vor seinem Fahrer. Verspielte Designerideen sucht man vergebens.

Der angedeutete Diffusor am Heck ist das höchste der Gefühle. Understatement pur. Groß werden die Augen erst im Innenraum, denn der erstaunt in jeder Hinsicht: viel Platz, tolles, weiches Ledergestühl, perfektes Verarbeitungsfinish. Nichts knarrt, jedes Spaltmaß passt penibelst. Das Design ist auch hier eher technisch kühl als ausgefallen italienisch, dafür findet man jeden Be­dienknopf intuitiv und fühlt sich nicht erdrückt vor lauter Wahlmöglichkeiten. Das sitzt wie ein Maßanzug. Und die vollkommen elektrisch verstellbaren Memory-Sitze sind schlichtweg großartig: sehr bequem und vielseitig verstellbar (inklusive Lordosenstütze), samt Sitzheizung und Kühlung.

Überhaupt ist das Innenraumgefühl sehr komfortabel. Man hat viel Platz, und trotzdem kann man überall geschmeidig hingreifen. Das an der Unterseite abgeflachte Sportlederlenkrad mit Multifunktionstasten ist ein haptischer Hochgenuss. Da macht das Steuern richtig Spaß. Und dank des riesigen Glaspanoramaschiebedachs kommt trotz schwarzem Dachhimmel sehr viel Licht in den Innenraum. Gepaart mit dem edlen Weinrot der Sitze kommt hier Oberklassenflair auf – ganz ohne Übertreibung. Der Innenraum ist äußerst stimmig. Gratulation an Kia. 

Außen verhalten, innen eine Wucht, so viel wissen wir nun über den Optima. Und wie fährt er sich? Überraschend. Einerseits setzt er auf viel Komfort, die Fahrwerksabstimmung schluckt Längs- und Querrillen mit Bravour und ebenfalls auf höchstem Niveau. Anderseits geht eine komfortable Fahrwerksabstimmung samt Lenkgefühl immer auf Kosten der Agilität.

Beim Optima lässt sich das mit einem Knopfdruck elegant umgehen. Unter dem Ganghebel gibt es den unauffälligen „Drive Mode“-Knopf, der neben dem Normalmodus noch Eco und Sport erlaubt. Letzterer macht aus dem Optima bei Gott keinen Sportwagen, das wäre mit der Testmotorisierung (1,7-l-Vierzylinder-Turbodiesel, 141 PS, 340 Nm) auch gar nicht möglich. Aber mit nur einem Knopfdruck wird aus einer komfortablen Sänfte ein satt am Asphalt liegender, präziser Kombi.

Optima(l) überzeugt

Selbst bei brutal hoher Geschwindigkeit auf schlechten Straßen und fiesen Wellen lässt sich der Optima im Sportmodus mit viel Feedback genau manövrieren. Lenkung und Fahrwerk sind damit zwar spürbar straffer und direkter, trotzdem ist noch genug Restkomfort vorhanden, dass man stets ein sicheres, sattes Fahrverhalten spürt. Dieser Spagat hat sich eine glatte Eins verdient.

Der Verbrauch ist erstaunlich: 6,1 Liter sind hervorragend wenig, obwohl wir kein Bummeltempo an den Tag gelegt haben. Die Fahrassistenzsysteme (mitlenkender Spurhalteassistent, Tempomat mit Abstandsradar, Totwinkelerkennung sowie Notbremsassistent) überzeugen genauso wie das Entertainmentsys­tem, welches dank Harman/Kardon sogar herrlich natürlichen Sound wiedergibt.

Zusammenfassend: Ja, knapp 45.000 Euro sind viel Geld für einen Kia, aber man bekommt wirklich einen bestausgestatteten Firmenwagen mit viel Komfort, Platz und sogar Fahrspaß. Fuhrparkmanager sollten sich den Kia Optima dringend genauer ansehen. 
 

Autor/in:
Philipp Bednar
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