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EQV Interieur / CockpitEQV Ansicht von hintenEQV Vorderansicht

Mercedes Benz EQV: Dieser Weg wird ein leichter sein

22.12.2020

Mercedes-Benz hat sich in den letzten Jahren schon als Vorreiter in puncto Infotainment und Vernetzung hervorgetan. Nun gehen die Stuttgarter auch beim Thema Elektromobilität voran und legen die Pionier-Philosophie auf den Nutzfahrzeugsektor um.

Deshalb werden nicht nur S-Klasse und Co. schon bald vollelektrische Geschwister bekommen, auch die V-Klasse schwimmt seit diesem Jahr mit dem Strom. Die luxuriöseste Großraumlimousine der Welt überspringt dabei die Experimentierphase völlig und will sich direkt als mindestens gleichwertige Alternative zum Verbrenner-Van durchsetzen. Hier wird geklotzt statt nur gekleckert: Eine gewaltige 100 kWh-Batterie ermöglicht Reichweiten von mehr als 400 Kilometern, und die verbaute Schnellladetechnologie sorgt an den geeigneten Säulen ­dafür, dass in nur einer Dreiviertelstunde der Ladestand von 10 auf 80 Prozent schießt. Natürlich, ein Verbrenner schafft 400 Kilometer völlig mühelos und ist in zwei Minuten randvoll ­getankt – in diesen Disziplinen werden Elektroautos noch eine ganze Weile Aufholbedarf verzeichnen. Doch im E-Kontext sind die Zahlen des EQV vielversprechend und machen einen Alltagsbetrieb problemlos möglich. Schließlich wird der Mercedes-Van besonders gerne als Shuttle eingesetzt, und oft führt die Reise ohnehin nur vom Flughafen bis zum Hotel. Das packt auch der EQV locker mehrmals täglich, und wenn er zwischendurch mal etwas Strom schöpfen kann, steht dem Dauerbetrieb sowieso nichts mehr im Wege.
Auch im Transporter-Einsatz dürfte sich der EQV schnell etablieren, vor allem in der und um die Stadt. Die geringere Reichweite ist hier sowieso zu vernachlässigen, und gerade im Stop-and-go-Verkehr fährt man nie so sparsam und effizient wie mit einem Elektroantrieb. Firmen spüren das im Endeffekt logischerweise auch unter dem Strich, im artgerechten Betrieb sollte sich der EQV im Vergleich zur V-Klasse ergo als Sparefroh etablieren.
Doch diese Möglichkeiten muss man sich leider recht teuer erkaufen. Denn wo die gute alte V-Klasse bei 58.226,50 Euro beginnt, ist beim EQV 300 unter 80.628 Euro nichts zu holen. Dafür ist man dann sorgenfrei unterwegs, ein Batteriezertifikat für 160.000 Kilometer oder acht Jahre ist inkludiert, ebenso ein Wartungspaket für vier Jahre. Außerdem sind unter anderem die Navigationsdienste für drei und die Ionity-Mitgliedschaft für ein Jahr schon mit an Bord. Aber gut, dass Elektroautos keine Schnäppchen sind – gerade wenn man große Reichweiten erzielen will – ist längst kein Geheimnis mehr.

Extras serienmäßig

Der EQV bietet allerdings auch zahlreiche Extras schon serienmäßig, wie etwa fünf verschiedene Rekuperationsstufen, die den Van entweder gleiten lassen wie ein Segelschiff oder auch das Fahren nur mit dem Gaspedal ermöglichen. Besonders überzeugt im Test dabei die automatische Erkennung: Anhand von Sensoren an der Front und Navidaten stellt der EQV eigenständig fest, wie viel Rekuperation momentan ideal ist und bremst dementsprechend beim Lupfen des rechten Fußes gleich deutlich ab oder lässt einfach weiterlaufen. Das mag gewöhnungs­bedürftig klingen, funktioniert aber wirklich reibungslos und wird sofort ganz natürlich. So holt man das meiste aus den Akkus, ohne selbst darüber nachdenken zu müssen.
Ebenso wie die Retuschen am Außendesign zwar erkennbar, aber dezent sind, bleibt auch im Interieur das V-Klasse-Feeling bestehen. Was durchwegs positiv ist, schließlich reist man in dem Raumschiff traditionell höchst komfortabel. Die neue Stille des E-Motors verleiht der Geschichte allerdings noch zusätzlichen Wohlfühlfaktor. Das Fahrgefühl ist souverän und der Stromer sorgt mit seiner Spontaneität außerdem für ein flottes Vorankommen. Eigentlich der perfekte Antrieb für einen Premium-Van.
Damit auch die letzten Hürden auf dem Weg der Elektromobilität geschmeidig überwunden werden können, hat Mercedes das MB UX-Infotainmentsystem noch einmal um einige sinnvolle Funktionen aufgefettet. So plant der EQV Ladestopps auf einer Route selbstständig und möglichst effizient ein und spart einem somit nicht nur Zeit, sondern auch Nerven. Es gibt eigentlich keinen Grund, nicht auch längere Reisen mit dem schwäbischen Elektriker anzutreten, solange man zumindest für eine etwas längere Pause Zeit hat.

Ausgereift

Wenn Mercedes etwas angeht, darf es ohnehin nie halbseiden sein. Dafür steht bei den Stuttgartern ein zu guter Ruf auf dem Spiel. Dementsprechend präsentiert sich auch der EQV im Test ausgereift und genügt höchsten Premium-Ansprüchen. Einige wenige Elektro-Problematiken bleiben auch hier bestehen, werden aber auf ein leicht verschmerzbares Minimum reduziert. Davon abgesehen demonstriert der Mercedes-Benz EQV 300 eindrücklich, wie der Weg in die elektrische Nutzfahrzeug-Zukunft aussehen kann. Und dieser Weg dürfte ein leichter sein.

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