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Analyse Neuzulassungen - Stromer vor Diesel

20.10.2021

Eine Analyse von EY zeigt, dass E-Autos stark zulegen, während man aber dem Vorjahresmarkt noch hinterherhinkt. 

Axel Preiss, EY Österreich, analysiert den Neuwagenmarkt.

Elektroautos boomen und verdrängen langsam die reinen Verbrenner Benzin und Diesel vom Markt. Vor allem der Dieselantrieb verliert aktuell enorm an Bedeutung: Im September brach der Diesel-Marktanteil in Österreich von 37,5 auf 18,3 Prozent ein, während der Marktanteil reiner Elektroautos 20,1 Prozent betrug. Auch in den Top-5-Märkten Westeuropas (Deutschland, Großbritannien, Frankreich, Italien und Spanien) waren im vergangenen Monat nur noch 15,2 Prozent aller Neuwagen Selbstzünder – vor einem Jahr lag der Anteil noch bei 25,6 Prozent. Bei reinen Elektroautos betrug der Marktanteil im September in den Top-5-Märkten 13,3 Prozent. Axel Preiss, Leiter Advanced Manufacturing & Mobility bei EY, dazu: „Elektroautos sind eindeutig auf der Überholspur – gerade im Vergleich zum Diesel. In Österreich wurden im vergangenen Monat erstmals mehr Elektro- als Diesel-Neuwagen verkauft. Die Mobilitätswende nimmt rasant an Fahrt auf – das setzt die Branche unter erheblichen Druck.“

Neuwagenmarkt auf der Bremse

Insgesamt entwickelte sich der EU-Neuwagenmarkt im September rückläufig, und zwar um 23 Prozent gegenüber dem Vorjahresmonat. In Österreich lag das Minus gegenüber dem Vorjahr bei 19 Prozent, gegenüber September 2019 bei 15 Prozent. Besonders starke Einbußen verzeichneten Italien (-33%) und Deutschland (-26%). Im bisherigen Jahresverlauf liegt der Absatz EU-weit zwar immer noch über dem Wert des Vorjahres – um sieben Prozent –, aber um 24 Prozent unter dem Niveau von 2019.

„Leider hat sich der EU-Neuwagenmarkt nicht so schnell erholt wie gehofft“, sagt Axel Preiss. „Wahrscheinlich wird der Absatz in etwa auf dem sehr niedrigen Niveau des Krisenjahres liegen. Der Grund ist nicht die Nachfrage – die ist aktuell ungemein hoch. Die Ursache des Problems liegt in den Lieferketten – nach wie vor gibt es zu wenig Halbleiter, auch andere Vorprodukte werden knapp, was in Summe erhebliche Produktionsausfälle zur Folge hat. Das trifft natürlich nicht allein die Autohersteller, sondern auch den Zulieferer und den Autohandel.“ 

Besserung sei derzeit nicht in Sicht – zumindest nicht kurzfristig, so Axel Preiss: „Engpässe bei den Materialien und Probleme mit den Lieferketten sind leider auch noch für nächstes Jahr zu erwarten. Wir rechnen erst mit Mitte nächsten Jahres mit einer merkbaren Entspannung der Situation.“ Die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen seien laut Axel Preiss aktuell gut: „Es ist eher unwahrscheinlich, dass es neue Lockdowns geben wird und die Nachfrage staut sich weiter an. Sobald die Branche wieder liefern kann, werden wir einen kräftigen Nachholeffekt beobachten können.“

Elektro-Marktanteil verdoppelt 

Der Chipmangel wirkt sich auch auf den eigentlich boomenden Absatzmarkt für elektrifizierte Neuwagen aus: In den fünf größten Märkten Westeuropas stieg der Elektroautoabsatz im September nur noch um 60 Prozent – im August war er hingegen noch um 67 Prozent gestiegen, im ersten Halbjahr sogar um 147 Prozent. Bei Plug-in-Hybriden sieht es sogar noch etwas dramatischer aus: Im September lag das Wachstum in den Top-5-Märkten bei nur 28 Prozent. Im August hatte die Wachstumsrate noch bei 52 Prozent gelegen, im ersten Halbjahr bei 174 Prozent. In Österreich ist die Dynamik etwas abgeschwächter: Während im ersten Halbjahr der Absatz noch um 219 Prozent nach oben geklettert war, lag das Wachstum im September nur noch bei 85 Prozent. Plug-in-Hybride legten im September hierzulande immerhin noch um 126 Prozent zu, im ersten Halbjahr war noch ein Plus von 208 Prozent registriert worden.

Im Gegensatz zum verringerten Wachstum ist der Marktanteil elektrifizierter Neuwagen auf einem neuen Rekordhoch: In Österreich lag der gemeinsame Marktanteil von Elektroautos und Hybriden zusammen im September bei 26,3 Prozent (Vorjahr: 11,0%). In den Top-5-Märkten hatten 21,5 Prozent aller neu zugelassenen Pkw mit elektrifiziertem Antrieb ausgestattet (Elektroautos 13,3%, Plug-in-Hybride 8,1%). Zum Vergleich: Vor einem Jahr, im September 2020, kamen Elektroautos und Plug-in-Hybride zusammen auf einen Marktanteil von 10,6 Prozent. 

Im Vergleich zu den Top-5-Märkten liegt Österreich knapp hinter Deutschland, wo der Marktanteil elektrifizierter Neuwägen im September 28,7 Prozent ausmachte. Dahinter folgen Frankreich und Großbritannien (jeweils 21,6%), in Spanien waren im September nur 11,5 Prozent der Neuwagen Plug-in-Hybride oder Elektroautos.

„Nach wie vor sind E-Autos und Plug-in-Hybride stark nachgefragt, wahrscheinlich auch aufgrund der Kaufprämien und steuerlichen Vorteile“, so Axel Preiss. „Der verminderte Absatz ist also vor allem auf die Lieferschwierigkeiten zurückzuführen.“ Preiss geht davon aus, dass mittelfristig noch elektrifizierte Neuwagen beim Absatzwachstum zulegen werden, längerfristig werden wohl reine Elektroautos die Nase vorn haben: „Derzeit werden zwar sowohl Portfolios an Elektroautos als auch an Plug-in-Hybriden erweitert. Plug-in-Hybride sind aber eher eine Brückentechnologie, da die Gelder für Forschung und Entwicklung eindeutig in reine Elektroautos gesteckt werden.“

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