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Ausbildungsdiebstahl - Sollen die „Diebe“ blechen müssen?

17.06.2019

Sollen Betriebe Ablösesummen zahlen, wenn sie Lehrlinge gleich nach der Lehrabschlussprüfung von der Konkurrenz abwerben? Das jedenfalls fordert der Zentralverband des deutschen Handwerks.

Ich habe in meinem Leben über 100 Lehrlinge ausgebildet. 60 davon arbeiten jetzt bei Magna.“ Das sagte Bundesinnungsmeister Josef Harb im letzten KFZ Wirtschaft-Interview im vergangenen April. Und nahm damit ein brisantes Thema vorweg, das dieser Tage heiß diskutiert wurde. Sollen Betriebe künftig Ablösesummen zahlen, wenn sie Lehrlinge gleich nach der Lehrabschlussprüfung von der Konkurrenz abwerben? In Deutschland hat der Zentralverband des deutschen Handwerks mit einem gewagten Vorschlag aufhorchen lassen: Betriebe, die ihre Auszubildenden gleich nach der Ausbildung verlieren, sollen eine Entschädigung erhalten, eine Art Ablöse. Präsident Hans Peter Wollseifer wörtlich: „Auszubildende sollen in den ersten Jahren nach der Lehre nur dann den Betrieb wechseln dürfen, wenn der neue Arbeitgeber einen Teil der Ausbildungskosten übernimmt.“

„Es ist wie beim Beratungsdiebstahl: Der Kunde lässt sich im Geschäft beraten und kauft dann im Internet.“ WOLFGANG BAUER, CHEFREDAKTEUR

AUSBILDUNGSKOSTEN

Abwerbungen von jungen Fachkräften sind tatsächlich ein Thema. Laut einer Studie des ibw seien nur 35 Prozent aller Lehrlinge fünf Jahre nach Lehrabschluss noch bei ihrem Ausbildungsbetrieb beschäftigt. Und: Die Ausbildung eines Lehrlings koste den Betrieb im Schnitt 14.000 Euro. Eine Debatte über eine faire Kostenaufteilung der Lehrausbildung scheint in jedem Fall berechtigt. Die Frage ist allerdings, wo der Hebel angesetzt werden soll. Bundesinnungsmeister Josef Harb hält vom Vorschlag des Zentralverbands des deutschen Handwerks nichts: „So geht das nicht, das wäre weder gut noch praktikabel. Derartige Transferzahlungen wären zudem nicht gut für das Image der automotiven Branche.“ Harb weiß von Großbetrieben, die einem Kfz-Techniker, der gerade seine Lehre absolviert hat, bis zu 10.000 Euro bezahlen, damit er wechsle. Fachkräfte seien definitiv heiß begehrt, und Lockangebote gebe es mittlerweile zuhauf. Trotz allem plädiert der Interessenvertreter dafür, den Ball flach zu halten. Es gehe primär darum, dass sich deutlich mehr Betriebe dazu bereit erklären, Lehrlinge auszubilden. Und darum, dass in Schulen frühzeitig die Werbetrommel für den Beruf des Kfz- Technikers gerührt werde.

BERATUNGSDIEBSTAHL

Erinnern Sie sich noch als vor zirka 15 Jahren das Thema „Beratungsdiebstahl“ brisant war? Das beliebte Beispiel damals war: Jemand geht ins regionale Elektrogeschäft, lässt sich dort ausführlich beraten, kauft dann aber bei „Saturn“ (heute würde er sich bei „Saturn“ beraten lassen und dann online kaufen). Quer über alle Branchen wurde diskutiert, ob man allein fürs Beraten Geld verlangen könne. Das Ergebnis zusammengefasst: Man kann nicht. Ebenso ist es wohl beim „Ausbildungsdiebstahl“. Wie denken Sie darüber? Schreiben Sie mir.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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