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Professor Ferdinand Dudenhöffer, Werner Girth und Professor Burkhard Ernst (v.l.)

Auto bleibt, Vertrieb wird revolutioniert

20.11.2019

Zahlreiche Automobilhändler diskutierten im Rahmen von QUO VADIS, FAHRZEUGHANDEL im Novomatic Forum in Wien, einer Veranstaltung des Wiener Landesgremiums und des Vereins „Mein Auto“. Stargast war Automobilexperte Professor Ferdinand Dudenhöffer.

Neben Dudenhöffer diskutierten noch Werner Girth (KPMG-Partner für Customer & Operations) und Gastgeber Professor Burkhard Ernst. Dass das Autohaus von morgen gänzlich anders aussehen werde als heute, darüber bestand rasch Einigkeit. Welche Trends sich schließlich durchsetzen würden, führte zu einer regen Diskussion. „Wieviel Autohaus brauchen wir morgen?“ So lautete der Titel der Keynote des renommierten deutschen Automobilexperten Professor Dudenhöffer. Er präsentierte dazu aktuelle Zahlen aus Deutschland, die zeigen, dass es derzeit so viele zugelassene Autos wie nie zuvor gibt: „Die Leute lieben ihr Auto und das wird sich auch so schnell nicht ändern. Gleichzeitig steht die Branche aber natürlich unter hohem Druck: Zollkriege, das Einbrechen des wichtigen chinesischen Markts, Jobabbau bei Zulieferern, politisch gewollte, aber noch teure Elektroautos. Die Branche und der Autovertrieb müssen sich neu erfinden“, konstatierte Dudenhöffer. Ein Trend, der sich laut Dudenhöffer langfristig durchsetzen werde, seien sogenannte Car-Abos. „Car-Abos sind ein wichtiges neues Instrument für die Autobranche. Diese Abos nehmen dem Kunden viele einzelne Schritte ab, darunter das Risiko des Gebrauchtwagenverkaufs“, so der Experte. Bei einem Car-Abo zahlt man monatlich einen bestimmten Betrag für ein Abonnement und bekommt ein Auto zur Verfügung gestellt. Das Fahrzeug-Modell kann gewechselt werden, Versicherungen sind inkludiert, man muss sich nur ums Tanken kümmern.

CAR-SHARING-ERNÜCHTERUNG

Das Teilen von Autos über Car-Sharing, das von Mobilitätsforschern als der Zukunftstrend schlechthin gepredigt wird, sieht Dudenhöffer hingegen im großen Umfang als wenig erfolgreich. „Car-Sharing hat eine Ernüchterung erfahren. In Deutschland beträgt der Anteil an Car-Sharing Fahrzeugen am gesamten Kfz-Bestand lediglich 0,04%. CarSharing-Unternehmen schreiben enorme Verluste, die Auslastung von Flotten ist schwierig, die Kapazitätskosten sind hoch. Erfolg sieht anders aus“, so Dudenhöffer.

PERSÖNLICHE BERATUNG

Auch für Professor Burkhard Ernst ist klar, dass sich Autohändler neu orientieren und alternative Services und Dienstleistungen entwickeln müssen. Doch eines steht für Ernst außer Frage: „Je konkreter der Autokauf wird, umso mehr setzen Kunden auf persönlichen Kontakt, persönliche Beratung und persönlichen Service. Diese Aspekte gilt es künftig noch stärker als Wettbewerbsvorteile gegenüber dem Online-Handel zu realisieren“, so Ernst. Dies bestätigen auch Studien, etwa eine kürzlich durchgeführte Umfrage zum Pkw-Kaufverhalten der Österreicher: Lediglich 13% informieren sich und kaufen online. Neben dem OnlineHandel und einem sich auch dadurch ändernden Käuferverhalten kommt auch viel Druck durch politische Entwicklungen und Forderungen rund um das Auto. Es brauche daher laut Ernst neben weiterer Forschung und Entwicklung auch eine klare Unterstützung seitens der Politik: „Österreich steht in einer Tradition verschiedener Mobilitätsmöglichkeiten, die in jeweils unterschiedlichen Lebenssituationen ihre Berechtigung haben. Das Auto ist nach wie vor der Garant für individuelle Mobilität. Doch unsere Branche ist auch eine tragende Stütze der Wirtschaft Österreichs und ein wichtiger Jobmotor. Mit einem durchschnittlichen Erfolgsergebnis von rund 43 Milliarden Euro jährlich trägt die Automobilwirtschaft knapp elf Prozent zum BIP Österreichs bei. 450.000 Arbeitsplätze gehen direkt und indirekt auf diesen Wirtschaftszweig zurück. Das entspricht jedem 9. Arbeitsplatz in Österreich und das muss, vor allem in der politischen Diskussion rund um Autos, mitbedacht werden“, betonte Ernst.

CUSTOMER JOURNEY

Die Frage, die im Raum steht: Worauf muss ein Unternehmen reagieren, um auch morgen noch Erfolg zu haben? „Entscheidend für alle Vertreter der Autoindustrie ist, dass sie sich mit den neuesten Technologien intensiv beschäftigen. Vor allem entlang der Customer Journey, aber auch entlang der gesamten Wertschöpfungskette können viele Anknüpfungspunkte für die Entwicklung neuer Ideen, unterstützt durch den Einsatz von KI-Technologien, gefunden werden“, befand Werner Girth. Für ihn kommt neben der Digitalisierung mit dem Thema „Nachhaltigkeit“ ein neuer Aspekt hinzu, der die gesamte Branche noch viele Jahre verändern und prägen werde. „Nachhaltigkeit betrifft sowohl die Herstellung als auch den Vertrieb, und hier werden noch viele Antworten und Forschung notwendig sein, wie zum Beispiel im Bereich der Batterien, die derzeit nur eine Brückentechnologie sind.“ Der Fahrzeughandel, so der KPMG-Partner für Customer & Operations weiter, stünde mit all diesen offenen Fragen und neuen Entwicklungen jedoch bei weitem nicht allein da. „Auch der Lebensmittelhandel oder die Fashion-Industrie müssen auf diese Herausforderungen reagieren bzw. haben dies bereits getan. Ein Blick auf dortige interessante Antworten könnte auch für Fahrzeughändler sinnvoll sein“, zeigte sich Girth überzeugt.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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