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 © Illustration: Cecile M. Lederer | butjabutja.com; Adobe.Stock © Illustration: Cecile M. Lederer | butjabutja.com; Adobe.Stock © Illustration: Cecile M. Lederer | butjabutja.com; Adobe.Stock © Illustration: Cecile M. Lederer | butjabutja.com; Adobe.Stock

Autohaus Lindner lockt Fachkräfte ins Haus

11.04.2019

Das AUTOHAUS LINDNER in Wals hat Ende des Vorjahres ein Wohnhaus für seine Mitarbeiter errichtet. Es ist der letzte Versuch, dem akuten Fachkräftemangel Herr zu werden. Ein Lokalaugenschein in Salzburg zeigt, wie ernst die Lage ist.

Stellen Sie sich vor, Sie suchen neue Mitarbeiter und niemand meldet sich. Ein Jahr lang. Dutzende Stelleninserate, Ausschreibungen, AMS – das volle Programm. Rücklauf: praktisch null. Was würden Sie tun? Genau in dieser Situation steckt das Autohaus Lindner in Wals, Salzburg. Seniorchef Hans Lindner und Schwiegersohn Manfred Lindner suchen händeringend zwei Mechaniker (m/w) und einen Spengler (m/w). „Wir haben einen akuten Fachkräftemangel“, bedauert Hans Lindner. Die angespannte Mitarbeiter-Situation schlägt sich bereits auf die Zahlen nieder: „Wir konnten uns die letzten Jahre immer leicht positiv entwickeln. Nur letztes Jahr hatten wir in der Werkstatt ein Minus von zwei Prozent. Warum? Wir hatten genug Arbeit für ein Plus, aber nicht die Mitarbeiter, um die Arbeit zu erledigen“, schütt elt der Seniorchef den Kopf.

„Heute gehe ich nur 300 Meter zu Fuß. Das bringt mir pro Tag rund eineinhalb Stunden mehr Freizeit.“ ANDREAS AICHRIEDLER, BETRIEBSHAUSMEISTER UND MIETER

ANREIZE IM ÜBERFLUSS

Es ist Ideenreichtum des Managements gefragt. Die Familie Lindner hat für ihre Mitarbeiter bereits ein eigenes Fitnesscenter eingerichtet. Hochwertige Technogym-Geräte (Studioqualität) im Obergeschoß, sodass man nicht in der Auslage trainieren muss. Im multifunktionellen Vorraum finden Schulungen, Mittagspausen, Yoga- oder Zumba-Kurse statt . Alles für die Mitarbeiter. Bei der letzten KV-Erhöhung haben die Eigentümer freiwillig mehr draufgelegt. „Es ist ganz einfach: Leistung soll sich lohnen“, lächelt Hans Lindner. Man merkt dem Management an, dass es genau weiß, wie maßgeblich der Betrieb nicht nur von seinen Entscheidungen, sondern auch vom Einsatz aller 65 Mitarbeiter profitiert. Bei unserem Besuch auffällig: Der neue Glaspalast ist extrem sauber, sehr leise, die Stimmung gelassen und freundschaftlich. Anspannung? Fehlanzeige. Warum findet so ein Betrieb nicht genügend Mitarbeiter? „Gute Fachkräfte werden vom Markt praktisch binnen Tagen aufgesaugt. Es ist mehr als genug Arbeit da, es bedarf aber dringend mehr Personals“, sagt Manfred Lindner. Knackpunkt: Salzburg/Wals ist in Sachen Verkehr total überlastet. Wegstrecken, für die man eigentlich 15 bis 30 Minuten benötigt, können die Mitarbeiter zu Hauptverkehrszeiten ein bis eineinhalb Stunden kosten. In eine Richtung. „Das ist für uns ein riesiges Problem. Alleine deswegen haben wir in den letzten Jahren drei wichtige, gute Mitarbeiter verloren“, ächzt Hans Lindner. Daraufhin hatte der gelernte Mechaniker eine Idee: Warum nicht in Betriebsnähe Wohnungen für seine Mitarbeiter errichten? Mühsame Arbeitswege fielen weg, die Arbeitsplatz-Attraktivität müsste steigen, so die Überlegungen. Der Haken: „Die Grundstückspreise sind astronomisch hoch, wenn überhaupt ein Hofgrund hier verkauft wird.“ Aber die Beharrlichkeit hat dazu geführt, dass das Autohaus im Frühjahr 2017 nur 300 Meter entfernt ein 850 m² großes Grundstück kaufen konnte. Im Jänner 2019 wurde das 450-Quadratmeter-Wohnhaus mit acht Wohnungen, 16 Tiefgaragenplätzen und einem Kinderspielplatz fertiggestellt und die ersten Mitarbeiter sind eingezogen. Die Wohnungen zwischen 50 bis 65 m² sind komplett mit Küche und Badezimmer ausgestattet.

ZUKUNFTSKONZEPT?

Will das Autohaus in die Immobilienbranche einsteigen? „Nein. Unsere Kernkompetenz ist der Verkauf und das Service von Fahrzeugen. Das soll auch so bleiben“, sagt Manfred Lindner. Ziel des Wohnhauses sei es, betriebsnahen, leistbaren Wohnraum für Bestands- oder neue Mitarbeiter zu bieten. „Pro Quadratmeter liegen wir bei einem Mietpreis von elf bis 12 Euro, inklusive Hausbetriebskosten, Tiefgaragenplatz, Kellerabteil. Das ist ungefähr zwei bis drei Euro günstiger als hier in der Gegend üblich“, sagt Hans Lindner. Das Wohnhaus ist nicht als Ertragsbringer konzipiert, sondern als Mitarbeiteranreiz. Bei Vollauslastung sei es kostendeckend. Derzeit sind vier der acht Wohnungen schon belegt. Die Wohnsituation in und um Salzburg sei dramatisch, sagen die Lindners. Bis Jahresende seien die Wohnungen noch für die Mitarbeiter geblockt. Sollten dann noch Wohnungen frei sein, würde man überlegen, sie auch fremd zu vergeben. Bevor die Kosten aus dem Ruder laufen. „Wir hätten kein Problem, die Wohnungen binnen weniger Tage zu vermieten. Bereits in der Bauphase hatten wir genügend Anfragen von Außenstehenden“, sagt Hans Lindner. Die Hausverwaltung übernimmt die Familie selbst. Die Mitarbeiter erhalten einen dreijährigen Mietvertrag. Müssen Arbeitgeber mittlerweile für ihre Mitarbeiter schon Wohnungen bauen? „Wir hatten diese Idee schon länger. Jetzt, da wir sie umgesetzt haben, sind wir aber doch etwas enttäuscht, dass wir noch immer keine neuen Mitarbeiter gefunden haben“, geben die Inhaber ernüchtert zu.

WIN-WIN-SITUATION

Der allererste Mieter in dem Wohnhaus war Betriebshausmeister Andreas Aichriedler. Seit acht Jahren im Unternehmen, hatte er sich gleich in der Bauphase um eine Wohnung bemüht. Für Aichriedler ist die Betriebswohnung eine deutliche Verbesserung: „Früher hatte ich 35 Kilometer Fahrtstrecke in die Arbeit pro Richtung. Heute geh ich nur 300 Meter zu Fuß. Das bringt mir pro Tag rund eineinhalb Stunden mehr Freizeit, spart mir Geld, da ich und meine Frau kein Zweitauto mehr brauchen, und die Umwelt schont es auch“, sagt Aichriedler, dessen Frau ebenfalls in die 57-Quadratmeter-Betriebswohnung eingezogen ist. „In Summe bleibt uns am Monatsende sogar mehr über, da wir die Mobilitätskosten dramatisch senken konnten.“ Durch die gute Anbindung fährt Frau Aichriedler nur zehn Kilometer mit dem Bus in die Arbeit. Einen Einfluss vom Wohn- auf das Arbeitsverhältnis – oder umgekehrt – spürt der Hausmeister nicht. „Für mich ist es in allen Belangen einen totale Verbesserung“, sagt Aichriedler.

ARBEITSMARKTKOLLAPS

Angesprochen auf den allgemeinen Fachkräftemangel, verfinstert sich der Blick von Hans Lindner. „Wir haben 370.000 Arbeitssuchende. Wir schrecken davor zurück, unser Reifendepot auszubauen, weil wir in der Wechselsaison nicht einmal Hilfskräfte dafür finden. Hilfskräfte! Keinen erfahrenen, gut ausgebildeten Meister. Das ist Irrsinn.“ Resignation ist erkennbar, keine Wut. „Ich lehne mich jetzt weit aus dem Fenster, aber ich glaube, dass zwei Drittel von denen gar nicht arbeiten wollen“, sagt der Seniorchef. Schwiegersohn Manfred schiebt eine Anekdote nach: „Laut AMS gibt es bei uns im Gebiet zehn arbeitssuchende MechanikerMeister. Als wir diese telefonisch oder per Mail erreichen wollten – keine Chance. Keine Rückmeldung, nichts.“ An dieser Stelle sei erwähnt, dass im Autohaus Lindner die Werkstätten mittels Bodenheizung gewärmt und im Sommer gekühlt werden. Allerorts sind spezielle, teure Tageslichtleuchten und Schalldämmungen montiert, um das Arbeitsklima bestmöglich zu gestalten. „Wir suchen hier Teamplayer. Unser Betrieb lebt von einer außerordentlichen Harmonie“, sagen die Inhaber. Und ohne Witz: Das merkt man dem Betrieb an jeder Ecke an.

Autor/in:
Philipp Bednar
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