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Professor Dudenhöffer im KFZ Wirtschaft- Interview

„In Bayern verhungert man ohne Auto“

20.11.2019

Der renommierte Automobilexperte PROFESSOR FERDINAND DUDENHÖFFER im KFZ Wirtschaft-Interview. Auf die Frage „Was kann der Händler, was das Internet nicht kann“, antwortet er: „Wenn wir ehrlich sind, immer weniger.“

ZUR PERSON

Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer, 1951 in Karlsruhe geboren, gehört zu den renommiertesten Automobilexperten Deutschlands. Nach seinem Studium der Volkswirtschaftslehre an der Universität Mannheim promovierte er 1983 mit Auszeichnung. Seit 2008 ist er Professor an der Universität Duisburg-Essen in Duisburg und leitet dort das Fachgebiet „Allgemeine Betriebswirtschaftslehre und Automobilwirtschaft“. Gleichzeitig ist er Gründer und Direktor des CAR – Center Automotive Research an der Universität DuisburgEssen

Der Einbruch des weltweiten Automarktes sei für den aktuellen Konjunkturabschwung verantwortlich. Davon ist Professor Ferdinand Dudenhöff er vom CAR-Institut (Universität DuisburgEssen) überzeugt. Ursache seien die Zoll- und Handelskriege, angezett elt von US-Präsident Donald Trump. So sind in den letzten 15 Monaten die Neuwagenverkäufe etwa in China drastisch eingebrochen. Besonders betroffen seien neben den Automobilherstellern vor allem auch Zulieferfirmen und Anlagenbauer. Dudenhöffer plädiert dafür, beispielsweise geplante Batteriewerke mit chinesischen Herstellern gemeinsam zu bauen.

KFZ Wirtschaft : Herr Professor Dudenhöff er, Sie haben in Ihrem Vortrag betont, dass die Automobilwirtschaft zurzeit zwei zentrale Probleme habe: erstens die US-Strafzölle und zweitens die Emissionsgesetze. Wie wird es politisch weitergehen?
Ferdinand Dudenhöffer:
Die Strafzölle der USA hätten wir nicht gebraucht. Sie sorgen in den nächsten Jahren global für 750 Milliarden Euro Umsatzrückgang und für 35 Millionen weniger verkaufte Pkw. Ich kann mir vorstellen, dass Trump wiedergewählt wird. Die Amerikaner sind halt so. Ich glaube, dass es für Europa sinnvoll wäre, enger mit chinesischen Herstellern zusammenzuarbeiten und ich glaube auch, dass das Verhältnis mit Russland normalisiert werden sollte

Warum passiert das nicht?
Wenn ein amerikanischer Politiker kommt, würden unsere europäischen Politiker mit ihm sofort gemeinsam zum Mond fliegen. Wenn ein Chinese kommt, dann wird dieser schon im Vorfeld verurteilt. Hier wird oft die Menschenrechtsfrage vorgeschoben. Diese kann man auch Trumpstellen. Die Chinesen sind nicht unsere Feinde, sie helfen uns, unseren Wohlstand zu sichern. Die deutsche Automobilindustrie lebt zu einem enormen Teil von China.

Automobilhersteller investieren aktuell exorbitante Summen in neue Antriebe und müssen deshalb anderweitig sparen.
Ja, momentan werden in Deutschland 50.000 Arbeitsplätze in der Branche abgebaut. Bis 2030 werden es mutmaßlich 125.000 sein. Auf Österreich umgelegt wären es rund zehn Prozent davon.

„Die Hersteller müssen danach trachten, die Vertriebskosten deutlich zu reduzieren. Sonst sterben sie daran.“ PROFESSOR FERDINAND DUDENHÖFFER

Was kann man dagegen tun?
Es werden neue Jobs, etwa in puncto Digitalisierung, entstehen. Ich denke, dass es unsinnig ist, dem Verbrennungsmotor nachzutrauern. Das ist halt jetzt vorbei. Man sollte sich beispielsweise auf Themenmanagement konzentrieren, wie geht man mit der Batterie um et cetera. Ein Trend „weg vom Auto“ ist angesichts des ständig steigenden Fahrzeugbestands nicht ersichtlich. Glauben Sie, dass es fortan ein starkes Stadt-Land-Gefälle geben wird? Es wird in Städten auch in Zukunft Autos geben. In Berlin kommen auf 1.000 Menschen 320 Autos. Am Land wird sich de facto gar nichts ändern, weil es zu teuer ist. Lassen Sie mal all die leeren Busse durch die Gegend fahren. In Bayern verhungert man ohne ein eigenes Auto.

Wie wird der Vertrieb in Zukunft aussehen?
Es wird sich zeigen, was sich 2022 mit der Gruppenfreistellungsverordnung verändern wird. (Die Geltungsdauer der Gruppenfreistellungsverordnung für vertikale Vereinbarungen, nach der bestimmte Vereinbarungen und Verhaltensweisen von der Anwendung der allgemeinen Wettbewerbsvorschriften der EU freigestellt sind, endet am 31. Mai 2022. Im Rahmen dieser Bewertung wird geprüft, ob die Verordnung nach wie vor wirksam, effizient und relevant ist, ob sie im Einklang mit anderen EU-Rechtsvorschriften steht und ob sie einen Mehrwert schafft. Die Kommission wird anhand der Bewertung entscheiden, ob sie die Verordnung auslaufen lässt, verlängert oder überarbeitet. Anm. d. Red.) Nach meiner Ansicht wird’s schnell gehen. Denn es gibt neue Wettbewerber. Und die alten müssen danach trachten, dass sie ihre Vertriebskosten deutlich reduzieren. Sonst sterben sie daran.

Was kann der Händler, was das Internet nicht kann?
Wenn wir ehrlich sind, immer weniger. Er kann das Fahrzeug reparieren, das kann das Internet nicht. Ein Autohaus mit 100 Autos im Schauraum wird keine Zukunft haben. Alles, was nicht Werkstatt ist, muss in Zukunft im Autohaus vollkommen neu gestaltet werden. Und das muss sehr radikal angegangen werden.

Man hört von immer mehr Endverbrauchern, dass sie von den immer größer werdenden Modellpaletten schlicht überfordert sind.
Diese Nischenbildung wird weitergehen. Diese breitgefächerte Modellpalette lässt sich auch nur mehr digitalisiert darstellen. Und eben nicht im Schauraum des Autohauses. Jeder, der diese Modellvielfalt nicht mitmacht – wie etwa Opel eine lange Zeit – hat Probleme. Die Hersteller müssen versuchen, im Vertrieb eine Lösung für die Vielfalt zu finden. In der Entwicklung und in der Produktion haben sie die Probleme im Grunde gelöst.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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