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Helmut Stuphann

Bosch: Wandel im Werkstattgeschäft

13.10.2017

Helmut Stuphann, Verkaufsleiter Bosch Automotive Aftermarket, sprach mit der KFZ Wirtschaft über die Auswirkungen der Elektromobilität auf das Werkstattgeschäft und den Ersatzteilmarkt.

KFZ Wirtschaft: Der elektrische Antriebsstrang ist weitgehend wartungsfrei und hat kaum noch Verschleißteile. Was bedeutet das für das Aftermarket-Geschäft?
Helmut Stuphann: Tatsächlich kommt der Elektroantrieb ohne die klassischen Verschleißteile wie Ölfilter oder Zündkerzen aus. Ein Auto besteht aber nicht nur aus dem Motor. Moderne Fahrzeuge sind mit immer aufwendigeren Assistenzsystemen ausgestatt et, die einen erhöhten Wartungs- und Kalibrierungsaufwand mit sich bringen. Früher war beispielsweise das Austauschen der Windschutzscheibe ein rein mechanischer Vorgang. Heute muss dabei die Stereokamera neu justiert werden – ein heikler Vorgang, der von einem Diagnose gerät und Kalibrierungswerkzeugen unter stützt wird. Die Werkstatt muss den Einbau zudem sehr genau dokumentieren, da beispielsweise auch die Zuverlässigkeit des Notbremsassistenten davon abhängt.

Werden diese neuen Services den Wegfall der klassischen Werkstatttätigkeiten kompensieren können?
Derzeit ist noch nicht abschätzbar, wie schnell sich die Elektromobilität durchsetzen wird. Meiner Ansicht nach wird es in den nächsten Jahren mehrere Antriebssysteme parallel geben. Auch das Thema synthetische Kraftstoffe ist vielversprechend, da diese zu einem praktisch emissionsfreien und CO₂-neutralen Verkehr beitragen können. Ich rechne also in den nächsten drei bis fünf Jahren allenfalls mit einem leichten Rückgang am Verschleißteilmarkt. Gleichzeitig wird es in den Bereichen Kalibrierung und Diagnose ein markantes Wachstum geben.

Wie sieht es mit Bremsen aus, die ja auch im Elektroauto weniger beansprucht werden?
In Elektro- und Hybridfahrzeugen werden Bremsscheiben und -beläge dank Rekuperation deutlich weniger beansprucht. Dennoch bleibt auch hier die technische Entwicklung nicht stehen. Bosch hat kürzlich seine neue Bremsscheibe iDisc vorgestellt, die dank Hartmetallbeschichtung 90 Prozent weniger Feinstaub abgibt als herkömmliche Bremsscheiben.

Wie können sich Werkstätten am besten auf den kommenden Wandel einstellen?
Angesichts der rasanten Entwicklung besteht ein großer Bedarf an Weiterbildung. Unsere Aufgabe ist es, die Werkstätt en von der Notwendigkeit technischer Schulungen zu überzeugen und diese auch anzubieten. Wer sich den komplexen Aufgaben stellt und Kompetenzen im Bereich der Elektromobilität, der Batterietechnologie oder in der Kalibrierung von Sensoren erwirbt, wird zu den Gewinnern gehören.

Autor/in:
Peter Seipel
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