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Ordentlich gefertigt, kinderleicht zu fahren, keine Kopff reiheit für Sitzriesen: der JAC e-S2 aus dem chinesischen Hefei

China klopft an

20.11.2019

Der chinesische Autohersteller JAC nützt Österreich als Eintrittspforte für den europäischen Markt. Zum Start bietet er einen elektrischen Kompakt-SUV an, der über die Raiffeisen-Lagerhäuser und ausgewählte Handelspartner vertrieben wird. Die KFZ Wirtschaft begab sich auf Testfahrt.

Bereit zur Auslieferung des China-Stromers: Jack Ren (JAC-Kundenservice), Gerhard Rauscher (RLG, Leitung Technik), Elisa Rauscher (Raiff eisen Lagerhaus), Gregor Scheurecker (GR-Electric) (v. l.)
DATEN & FAKTEN

JAC e-S2

▶ Abmessungen (L×B×H): 4.135 × 1.750 × 1.560 mm

▶ Leergewicht: 1.460 kg

▶ Antrieb: Elektromotor mit 85 kW / 115 PS

▶ Leistung Batterie: 40 kWh

▶ Ladeanschluss: CCS. Aufl adung von 0–80 % in 1 Stunde am DC-Schnell- lader oder in 5 Stunden (15–80 %) am AC- Anschluss

▶ Reichweite nach WLTP: 275 km

▶ Höchstgeschwindig- keit: 130 km/h

▶ Aktionspreis: abzüglich € 1.500,– Bundesförder- ung: € 29.490,–

Kompakt, gefällig, mit dezenter SUV-Attitüde und vergleichsweise preiswert – der JAC e-S2 aus dem chinesischen Hefei ist auf den ersten Blick eine echte Bereicherung der überschaubaren E-Auto-Palette, die der österreichische Fahrzeughandel derzeit anzubieten hat. Was der schmucke Exote unter der Haube hat, wollten wir im Rahmen einer Probefahrt herausfinden. Den Schlüssel für den Testwagen überreichte uns Gerhard Rauscher, Leiter Technik bei der Raiffeisen Lagerhaus GmbH, die mit dem derzeitigen Importeur AHVG einen exklusiven Vertriebsvertrag abgeschlossen hat. 150 Fahrzeuge wurden bereits über Lagerhaus-Filialen sowie Vertriebspartner in Österreich abgesetzt, die Nachfrage ist laut Rauscher sehr groß

KINDERLEICHT ZU FAHREN

Zwei Eindrücke dominieren sofort nach dem Platznehmen auf dem Fahrersitz: Erstens ist das Interieur übersichtlich, ansprechend und hochwertig ausgeführt, zweitens lässt sich der Sitz leider nicht weit genug nach unten verstellen, sodass ich mit meinen 1,82 Metern Körpergröße ständig den grünen Abblendstreifen der Windschutzscheibe im Blickfeld habe. Dafür ist der dicke Kranz des Lederlenkrads ein echter Handschmeichler, die Anzeigen geben keine Rätsel auf, die Bedienelemente liegen stets in Griff weite. Den Wählhebel auf D gestellt, und los geht’s. Starker Antri , ausgezeichnete Beschleunigung bis 80 km/h, danach wird das Temperament gezügelt, bei Tachostand 136 ist die Höchstgeschwindigkeit erreicht. So kommt der mit 40-kWh-Batterie an Bord ausgestattete JAC laut WLTP maximal 275 Kilometer weit, bevor er an die Ladesäule muss. Die Straßenlage ist dank des E-Auto-typischen tiefen Schwerpunkts ausgezeichnet, in Kurven wird weder unter- noch übersteuert, die Federung schft den Spagat zwischen straff und komfortabel mit Bravour. Gesamteindruck: ein absolut problemloses, selbsterklärendes Kompaktauto, das dank Ein-Gang-Getriebe kinderleicht zu fahren ist und im ansprechenden Innenraum genügend Platz für bis zu fünf Personen mit leichtem Gepäck bietet. Die üppige Serienausstaung der Einführungsedition umfasst Climatronic, Ledersitze mit Sitzheizung, Bluetooth-Freisprecheinrichtung, Keyless Entry, 8"-TFT-Display, sechs Lautsprecher, Isofi x-Halterungen für Kindersitze, Parkhilfe mit 360-Grad-Kamera, 16-Zoll-Leichtmetallräder und sogar Kurvenlicht

„JAC hat uns stets bei unseren Verbesserungsvorschlägen unterstützt. Das Fahrzeug entspricht nun einem qualitativ hohen Standard.“ GERHARD RAUSCHER, LEITUNG TECHNIK RLG

E-MOBILITÄT AUS FERNOST

JAC ist der fünft größte Elektroauto-Hersteller in China, blickt auf zehn Jahre Erfahrung mit dem batterieelektrischen Antrieb zurück und ist im Jahr 2018 ein Joint Venture mit Volkswagen eingegangen. Im Vorjahr setzte JAC nicht weniger als 63.600 Elektroautos ab, den überwiegenden Teil am Heimmarkt China. „Als Testmarkt für seine Expansion nach Europa hat sich JAC Österreich ausgesucht“, erklärt Gerhard Rauscher. Geleitet wird der Pilotversuch von der Raiff eisen Ware Austria kurz RWA – Mutter der RLG. Unterstützt wird das Projekt von ausgewählten Handelspartnern, darunter E-Mobilitäts-Spezialist Gregor Scheurecker, der unter der Marke G-Electric ein markenunabhängiges Beratungs- und Handelsunternehmen für E-Fahrzeuge in Niederösterreich führt. „Zu Beginn mussten wir die Fahrzeuge erst einmal an die europäischen Standards anpassen – ein notwendiger Prozess, der aber nun abgeschlossen ist“, sagt Rauscher. So wurden beispielsweise die fehlerhaft en Übersetzungen der Display-Anzeigen korrigiert, die Klimaanlage feinjustiert und die Soundqualität des Radios verbessert. „JAC hat uns stets bei unseren Verbesserungsvorschlägen unterstützt. Das Fahrzeug entspricht nun einem qualitativ hohen Standard und das Feedback der Kunden ist äußerst positiv“, sagt Rauscher. Dass der JAC e-S2 für europäische Größenverhältnisse etwas knapp geschnitten ist, ließ sich jedoch nicht ändern. Im Frühjahr 2020 allerdings, verspricht Rauscher, wird er den ebenfalls batterieelektrischen JAC S4 importieren. „Der ist etwa so groß wie ein VW Tiguan und passt dann auch für Sitzriesen.“

Autor/in:
Peter Seipel
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