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Kristjan Ambroz, GF und Leiter der österreichischen Vertriebsorganisation der Continental AG im KFZ Wirtschaft-Interview.

Continental AG: Kristjan Ambroz im Interview

13.10.2017

Im KFZ Wirtschaft-Interview spricht KRISTJAN AMBROZ über Ziele und künftige Herausforderungen als Geschäftsführer der Continental AG.

Zur Person

Kristjan Ambroz ist seit 1. Mai 2016 Geschäftsführer und Leiter der österreichischen Vertriebsorganisation der Continental AG . Der promovierte Betriebswirt ist seit 2010 bei der Continental AG und verantwortet seit 2013 die Geschäfte von Profi Reifen und Autoservice in Österreich.

KFZ Wirtschaft: Herr Ambroz, Sie fungieren nun seit zirka eineinhalb Jahren als Geschäftsführer. Welche Bilanz ziehen Sie?
Kristjan Ambroz: Ich hatte das Glück, eine gut aufgestellte und gut funktionierende Organisation zu übernehmen. Wir hatten 2016 ein gutes Geschäftsjahr. Auch heuer ist es bisher zufriedenstellend verlaufen.

Wie lief das heurige Sommerreifengeschäft?
Im Wesentlichen erwartungsgemäß, ähnlich wie im Vorjahr.

Welche Erwartungen wurden in Sie gesetzt, als Sie Geschäftsführer wurden?
Die erste große Überraschung am ersten Arbeitstag als Geschäftsführer war die Nachricht von der Insolvenz eines signifikanten Marktteilnehmers. Abgesehen davon erreichten wir Ziele und Erwartungen.

Ihre persönlichen Ziele?
Priorität hatte für mich die Weiterentwicklung der Organisation. Damit dereinst auch noch höhere Jubiläen begangen werden können, heuer feiern wir ja 111 Jahre Semperit. Außerdem: Mit 1. August 2017 übernahm Prokurist Karl Trummer die Funktion des Finanzgeschäftsführers der österreichischen Vertriebsorganisation der Continental AG zusätzlich zu seiner Funktion als Leiter Controlling/ Creditmanagement. Erstmals haben wir einen österreichischen Geschäftsführer, der direkt von Semperit kommt. Für mich persönlich war es wichtig sicherzustellen, dass wir imstande sind, jede Position sozusagen intern zu besetzen.

Sind in der Mannschaft Änderungen geplant?
Unser Team ist grundsätzlich überaus gut aufgestellt. Wir heben sehr viele langgediente Mitarbeiter, die Personalfluktuation ist gering. Der Status quo passt, mir ist vor allem wesentlich, dass wir weiterhin eine komplette Marktorganisation bleiben. Sprich: dass wir alle signifikanten Kanäle und Bereiche vor Ort optimal abdecken.

Sie haben stets betont, dass Semperit in jedem Fall immer alle Vertriebskanäle bespielen wird.
Ja, und das wird so bleiben. Aufgrund unserer Marktposition und auch aufgrund unserer langen Tradition. Eine andere Strategie als die All-Kanal-Strategie ist für uns nicht sinnvoll.

Was haben Sie im Köcher in puncto Herausforderungen der Zukunft?
Wir haben einige Zukunftsszenarien entwickelt. Diesen gemein sind folgende Punkte: Die Bedeutung von Fuhrpark und Flotte wird weiter zunehmen. Ob sich beispielsweise Elektromobilität vollends durchsetzt oder nicht: Die Serviceintervalle beim automotiven Service, also beim Verbrennungsmotor, werden weiterhin größer werden. Der Wartungsaufwand bei Elektroautos ist ohnehin deutlich geringer. Was das Marktumfeld betrifft, gehen wir nicht von einschneidenden Änderungen aus. Wir sehen es als unsere Aufgabe, unseren Vertriebspartnern zur Seite zu stehen, um gemeinsam die Zukunft erfolgreich bestreiten zu können.

Inwieweit unterstützen Sie den Reifenfachhandel?
Es gibt nicht das eine Paket, zumal wir mit unterschiedlichsten Unternehmen zusammenarbeiten. Unser Ansatz ist es, für jeden unserer Vertriebspartner eine maßgeschneiderte Lösung zu entwickeln. Da geht es um Beratung, um Schulungsmaßnahmen, um Erfahrungsaustausch oder um die Prüfung von gemeinsamen Geschäftsmodellen.

Hat der klassische Reifenfachhandel Zukunft?
Grundsätzlich schon. Es handelt sich immer noch um einen äußerst starken Vertriebskanal. Es gibt keinen Grund, weshalb der Reifenfachhandel seine wichtige Rolle verlieren sollte, wenn er sich optimal für die Zukunft vorbereitet. Dass der klassische Reifenfachhandel in zehn Jahren aber so aussehen wird wie heute, das halte ich für unwahrscheinlich.

Wie wird er aussehen? Mehr Dienstleistung?
Es wird kaum ein Modell geben, das statisch über längere Zeitperioden funktioniert. Die eine Variante ist: viel mehr Dienstleistung rund um den Reifen bzw. das automotive Service. Wobei ich betonen möchte, dass Autoservice nicht für jeden Betrieb das Nonplusultra ist. Eine andere Variante ist: Spezialisierung. Ob das der Agro-Bereich ist oder ob es sich um EM-Reifen (Erdbewegungsreifen; Anm. d. Red.) handelt, es gibt zahlreiche Nischen. Abgesehen davon wird es Betriebe geben, die sich regional verstärkt spezialisieren werden. Andere werden ihre Strukturen straffen.

Wird Semperit in zehn oder 15 Jahren als Marke noch eine Rolle spielen?
Wir haben einen extrem hohen Bekanntheitsgrad bei Menschen über 40. Jetzt ist unsere Herausforderung sicherzustellen, dass auch Jüngere etwas mit der Marke anfangen können.

Sie feiern heuer 111 Jahre Semperit. Für wen außer für die eigene Belegschaft ist ein derartiges Jubiläum von Bedeutung?
Es interessiert unsere B2B-Kunden, die eine lange Strecke des Weges mit uns gegangen sind. Unser großes Event anlässlich des Jubiläums in Schladming mit unseren Kunden war ein großer Erfolg. Auch für Endverbraucher ist es wesentlich zu wissen, dass die Marke eine lange Tradition hat und vor allem in puncto Winterreifen immer Pionier war, vom Jahr 1936 an. Wir gehen aber nicht davon aus, dass das Feiern eines Jubiläums ausreicht, um die Marke Semperit auch für die Zukunft zu positionieren. Da werden wir weitere Aktivitäten lancieren.

Internet als Vertriebskanal liegt immer noch im einstelligen Bereich. Wird das so bleiben?
Wir können nicht davon ausgehen, dass das Internet im einstelligen Prozentbereich bleibt. Dieses Segment wird weiter wachsen, auch in Österreich. Hier hinkt Österreich im Vergleich zu anderen Ländern nach. Es ist einfach Faktum, dass es Menschen gibt, die keine Lust haben, mit dem Verkäufer über technische Charakteristika des Reifens zu plaudern. Für diese Menschen ist der Reifen ein Low-Interest-Produkt, bei dem nur das Preis-Leistungs-Verhältnis zählt.

„Dass der klassische Reifenfachhandel in zehn Jahren noch so aussehen wird wie heute, halte ich für unwahrscheinlich.“ KRISTJAN AMBROZ, GF CONTINENTAL AG 

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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