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Seit 1995 in der WKO aktiv, ab 2013 als Innungsmeister der Karosseriebautechniker und Lackierer und zuletzt als BIM-Stellvertreter in der Bundesinnung Fahrzeugbau: Erik Paul Papinski

„Covid-19 ist für vieles ein Brandbeschleuniger"

09.11.2020

Nach sieben Jahren verabschiedet sich Erik Paul Papinski als oberster Interessenvertreter der Lackierer und übergibt an die nächste Generation. Für die KFZ Wirtschaft zieht er Bilanz und spricht auch unangenehme Themen an. 

Mitte November geht eine Ära zu Ende. Seit 1995 ist Erik Paul Papinski in der Wirtschaftskammer aktiv, seit 2013 fungiert er als Bundesinnungsmeister der Berufsgruppe Karosseriebautechniker und Karosserielackierer. Jetzt kommt es zur Wachablöse, weil Papinski bei den kommenden Wirtschaftskammer-Wahlen nicht mehr für ein Amt zur Verfügung steht; designierter Nachfolger ist Manfred Kubik. „Es ist Zeit, für eine jüngere Generation Platz zu machen“, sagt Papinski. 

Worauf er am meisten stolz ist, wollen wir wissen. Die Antwort kommt wie aus der (Lackier-)Pistole geschossen: „Die Fusion mit den Kfz-Technikern ist ein echter Meilenstein. Wir hatten unsere Meinungs­verschiedenheiten, haben aber stets mit Handschlagqualität verhandelt“, erinnert sich Papinski an die im Jahr 2015 erfolgte Bündelung der Kräfte innerhalb der Interessenvertretung. 
Papinski war auch der erste Österreicher an der Spitze des internationalen Verbandes seiner Zunft. Deren Zukunft er durchwachsen sieht. Zum einen werde sich Mobilität generell verändern, und zwar in Richtung von Mietsystemen, wodurch die Zahl der Fahrzeuge insgesamt sinken werde. Zum anderen würden die Schadensummen aufgrund diverser Assistenzsysteme sinken.

Die Covid-19-Pandemie ist für Papinski hierbei eine Art „Brandbeschleuniger“: Er schätzt, dass der Schadensmarkt im Gesamtjahr 2020 um etwa 20 Prozent einbrechen wird. Aufgrund von Lockdowns und Homeoffice werde weniger gefahren, gleichzeitig sitze das Geld aufgrund der Wirtschaftskrise samt steigender Arbeitslosigkeit alles andere als locker. „Die Leute lassen sich Schäden häufig auszahlen und dann im Ausland reparieren“, sagt Papinski. Freilich gebe es große regionale Unterschiede, übrigens auch in Deutschland. Eine Erklärung dafür hat er nicht: „Ich habe es aufgegeben, eine Erklärung dafür zu finden, wieso das Geschäft beispielsweise in Innsbruck oder in Deutschland in Ostfriesland boomt und woanders nicht.“ 

„Der Handel erschlägt alles“

Generell fürchtet Papinski, dass das Handwerk, das reparierende Gewerbe, im Vergleich zum Autohandel untergeht: „Es dreht sich alles um den Verkauf der Autos, der Handel erschlägt alles“, sagt der Standesvertreter. Die rund 1.500 österreichischen Karosserie­betriebe mit im Schnitt etwa fünf Mitarbeitern hätten in der Corona-Krise kaum Kurzarbeit angemeldet, sondern den Betrieb am Laufen gehalten. Was die Zukunft betrifft, so müssen die Betriebe laut Papinski umdenken und Mobilität anbieten, auf Plattformen zur Wartung kooperieren und vor allem digitale Innovationen annehmen. Hier ortet er immer noch Defizite: „Viele Betriebe stehen ­digitalen Innovationen skeptisch gegenüber“, sagt der scheidende Bundesinnungsmeister.

Sie würden z. B. nicht kalibrieren oder Fehlerprotokolle oft nicht auslesen. Ein Beispiel für Innovationen sei die digitale Besichtigung: „Jede freie Werkstatt kann jedes Auto reparieren, vorausgesetzt, die entsprechende Ausrüstung ist vorhanden“, sagt Papinski. Welchen Rat möchte er seinem Nachfolger in der Interessenvertretung mit auf den Weg geben? „Gar keinen. Er braucht auch keinen. Jeder muss seinen eigenen Weg gehen und Ratschläge von Amtsvorgängern sind entbehrlich.“ 

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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