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Die vom Auto versendeten Daten erlauben Rückschlüsse auf den Fahrstil.

Das Auto als Datenspion

10.03.2021

Wer sich in ein modernes Auto setzt, liefert sich einer gnadenlosen Überwachungsmaschine aus. Der deutsche ADAC hat erstmals überprüft, welche Daten von aktuellen Pkw erzeugt, verarbeitet, gespeichert und versendet werden.

Bei der Ende letzten Jahres durchgeführten Untersuchung nahm der ADAC einen Mercedes B-Klasse mit dem System me-connect und einen Renault Zoe unter die Lupe. Die beiden externen Experten Stefan Nürnberger und Dieter Spaar bauten die Steuergeräte der Fahrzeuge aus und unterzogen deren interne und externe Kommunikation einer gründlichen Analyse. Fazit: Die in den Logfiles gespeicherten Daten erlauben nicht nur Rückschlüsse auf Fahr- und Standzeiten sondern auch auf die Aufenthaltsorte und den Fahrstil des Autonutzers.

Bei der Mercedes B-Klasse mit "me connect" wurden folgende Daten erhoben:

  • Etwa alle zwei Minuten werden die GPS-Position des Fahrzeugs sowie Statusdaten an das Mercedes-Backend übertragen (z.B. Kilometerstand, Verbrauch, Tankfüllung, Reifendruck und Füllstände von Kühlmittel, Wischwasser oder Bremsflüssigkeit)
  • Die Zahl der elektromotorischen Gurtstraffungen wird gespeichert, die etwa aufgrund starken Bremsens Rückschlüsse auf den Fahrstil erlaubt.
  • Fehlerspeicher-Einträge werden teilweise mit Informationen über zu hohe Motodrehzahl oder -temperatur abgelegt, was ebenfalls auf den Fahrstil schließen lässt.
  • Die auf Autobahnen, Landstraßen und in der Stadt gefahrenen Kilometer werden getrennt gespeichert, womit ein Nutzungsprofil erstellt werden kann.
  • Die Betriebsstunden der Fahrzeugbeleuchtung werden gespeichert.
  • Die letzten 100 Lade- und Entladezyklen der Starterbatterie werden mit Uhrzeit und Datum sowie Kilometerstand gespeichert, woraus sich Fahr- und Standzeiten ergeben.

 Beim Renault Zoe wurden folgende Daten gefunden:

  • Das Aufladen der Antriebsbatterie kann von Renault via Mobilfunkverbindung jederzeit unterbunden werden - etwa aufgrund nicht bezahlter Rate für die Batteriemiete.
  • Renault kann via RemDiag beliebige Informationen vom CAN-Datenbus des Fahrzeugs via Mobilfunkverbindung mitlesen. Diese Ferndiagnose ist standardmäßig ausgeschaltet, kann aber vom Hersteller jederzeit aktiviert werden.
  • Bei jeder Fahrt, spätestens jedoch alle 30 Minuten, wird ein Datenpaket an Renault gesendet, das mindestens enthält: VIN, diverse Seriennummern, Datum, Uhrzeit, GPS-Position, Temperatur, Ladung und Zellspannung der Hochvolt-Antriebsbatterie. Diese Informationen können von Renault auch jederzeit angefordert werden.
  • Neben den fest einprogrammierten Funktionen der Kommunikation zwischen dem Renault-Server und dem Renault Zoe können diese Funktionen via Mobilfunkverbindung beliebig erweitert werden.

Datentransparenz gefordert

Aufgrund dieses Untersuchungsergebnisses fordert der ADAC nun mehr Daten-Transparenz von den Automobilherstellern. Diese sollten für jedes Modell eine Auflistung aller im Fahrzeug erhobenen, verarbeiteten, gespeicherten und extern übermittelten Daten öffentlich anbieten und dem Verbraucher in leicht verständlicher Form zur Verfügung stellen. Beim Marktstart eines neuen Fahrzeuges muss diese Daten-Liste von neutraler Stelle auf Einhaltung der Datenschutz-Bestimmungen überprüft werden. Zusätzlich sind Stichproben erforderlich, ob der Hersteller tatsächlich eine vollständige Liste vorgelegt hat. Darüber hinaus fordert der ADAC den freien Zugang zu den Fahrzeugdaten für Fahrzeugnutzer, freie Werkstätten und Pannenhelfer. Nur so würden die Wahlfreiheit für Verbraucher sowie ein fairer Wettbewerb ermöglicht.

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