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Das Fahrwerk denkt mit

08.05.2014

Das intelligente Fahrwerk ist im Premiumsegment bereits Realität: Sensoren analysieren die Straße und passen die Federung an den Belag an. Peter Göth, Experte für Kfz-Technik am TGM Wien, stellte in einem Fachvortrag die neuesten Entwicklungen vor.

Räder, Radaufhängung, Federung, Stoßdämpfer, Lenkung und Bremsen – das sind die Komponenten, die seit Anbeginn der Automobilität ein Fahrwerk ausmachen. Seit dem siegreichen Einzug der Elektronik ins Fahrzeug greifen zunehmend Sensoren, Steuergeräte und elektrische Aktoren in Fahrwerksfunktionen ein, die früher rein mechanisch gesteuert waren. Den jüngsten Coup zum Thema lieferte der deutsche Fahrwerksentwickler KW automotive mit seinen Gewindefahrwerken zum Nachrüsten. Via Smartphone-App lässt sich die Härte des Fahrwerks bequem aus dem Cockpit auf „Komfort“, „Sport“ oder „Sport+“ trimmen, die entsprechende Dämpferverstellung führen elektronisch angesteuerte Aktoren aus. Die Kommunikation zwischen Handy und Fahrwerk läuft über eine gesicherte WiFi-Verbindung, das komplette Nachrüst-Set inklusive WLAN-Modul gibt es bereits für mehrere sportliche Premiummodelle von Audi, Bentley, BMW, Mercedes-Benz, Porsche, Range Rover, Bentley und VW.

Weiterbildung für Kfz-Techniker
Laut Peter Göth, Experte für Fahrzeugtechnik am TGM Wien, gibt es aber noch weitere richtungweisende Neuerungen der Fahrwerkstechnik, über die ein Kfz-Techniker bereits heute Bescheid wissen sollte. In seinem gut besuchten Weiterbildungsvortrag, den die Wiener Wirtschaftskammer veranstaltet hatte, gab Göth einen Überblick über die aktuellen technischen Innovationen:
Magic Body Control: Mercedes Benz entwickelte ein Assistenzsystem, das mittels Stereo-Kamera die Fahrbahnoberfläche vor dem Auto in Echtzeit vermessen kann. Daraus errechnet das Steuergerät Korrekturfaktoren für das aktive Fahrwerk, das in Sekundenbruchteilen reagiert und seine Dämpfung optimal an die Unebenheiten im Straßenprofil anpasst.

Elektrische Lenkung: Der Infiniti Q50 ist die erste Mittelklasse-Limousine, die mit einer rein elektrischen Lenkung ausgestattet ist. Alle Lenksignale werden digital ohne mechanische Verbindung zu den Vorderrädern übertragen. Bei Ausfall der Stromversorgung rastet automatisch eine Klauenkupplung ein und verbindet das Lenkrad mit dem Lenkgetriebe. Drei voneinander unabhängige Steuergeräte sorgen für den sicheren Betrieb.Allradlenkung: Für die kommende Accord-Generation ab 2014 entwickelte Honda eine Allradlenkung, bei der sich das rechte und linke Hinterrad unabhängig voneinander ansteuern lassen. Elektrisch angesteuerte Querlenker, die ihre Länge verändern, sorgen dabei für die Richtungsänderungen. Je nach Fahrsituation schlagen die Räder dann gleich- oder gegenläufig zu den Vorderrädern ein. Beim Bremsen aus hohem Tempo, lenken beide Hinterräder nach innen, um die Fahrstabilität zu erhöhen.
Aktive Stoßdämpfer: ‚Gen-Shock‘ heißt die von ZF und Levant Power entwickelte Technologie zur Steigerung von Dynamik, Sicherheit und Komfort des Fahrwerks. Mittels Elektrohydraulik wird der Ölfluss im Dämpfer automatisch jeder Fahrsituation anpasst. So lassen sich Nickbewegungen der Karosserie bei abrupten Bremsmanövern oder Wankbewegungen beim schnellen Ausweichen nahezu gänzlich eliminieren. Außerdem kann die Technologie jedes einzelne Rad aktiv anheben.

Pushrod-Aufhängung: Lamborghini baut in seinen Supersportwagen Murciélago erstmals eine Druckstangen (Pushrod)-Aufhängung ein. Durch die Kombination von Doppel-Querlenker- und Pushrod-Konstruktion sind Radführung und Dämpfung voneinander getrennt. Der Effekt: Die steife Anbindung an das Chassis verbessert die Reaktion von Federung und Dämpfung, die Federhärte wird reduziert, der Komfort steigt, die Präzision bleibt. An der Vorderachse sind Öhlins-Stoßdämpfer mit einem hydraulischen Lifting-System ausgerüstet: Damit lässt sich die Front des Supersportwagens auf Knopfdruck um 40 Millimeter anheben, was das Überwinden kleiner Hindernisse erleichtert.

Autor/in:
Peter Seipel
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