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Das Händlernetz schrumpft

22.02.2018

Künftig sollen Endverbraucher direkten Kontakt zum Hersteller haben, so VW-Markenvertriebsvorstand JÜRGEN STACKMANN. Das verringert das Standing des Händlers beim Kunden.

Das deutsche Fachmagazin „Autohaus“ erregte mit einem Newsletter-Artikel großes Aufsehen. „Klare Perspektive“ für Händler, so der Titel des Artikels, in dem es darum geht, dass die Volkswagen- Kernmarke VW plane, ihr Händlernetz in Deutschland neu aufzustellen. Im Klartext: zu verkleinern. Gleichzeitig sollen sich die Handelspartner in Europa mit Blick auf E-Mobilität und Vernetzung „neu aufstellen“. Ziel sei, den Handel als eine „elementare Schnittstelle zu den Kunden zu erhalten“, sagt Markenvertriebsvorstand Jürgen Stackmann. Während das Händlernetz in Deutschland „abgespeckt“ werde, werde es in Europa „keine signifikante Verringerung“ geben.

„Die Ausführungen von Stackmann zeigen eindeutig, wohin die Reise geht.“ Wolfgang Bauer

DIREKTKONTAKT ZUM HERSTELLER

Einzelhandelssprecher Josef Schirak hat sich die Mühe gemacht, zu all diesen Ausführungen einen offenen Brief zu schreiben. „Es geht nicht darum, neue Autohäuser zu bauen, sonder clevere neue Möglichkeiten für die Handelspartner zu schaffen“, meint Jürge Stackmann. Die Handelsnetze aller Marken seien seit Jahren in einem permanenten Konsolidierungsprozess. Künftig sollten die Autokunden auch direkten Kontakt zum Hersteller haben. Schirak kritisiert zu recht: „All diese Daten, sofern diese für den Geschäftsverkehr zwischen Kunden und Autohaus/ Händler notwendig sind, sollten ausschließlich dem Händler vorbehalten sein.“ Und weiter: Jeglicher Direktkontakt zwischen Hersteller und Kunden „unterminiert“ die Stellung des Händlers bei seinen Kunden bis hin zur völligen Ausschaltung der so „blumig von Herrn Stackmann bezeichneten ‚Schnittstelle Händler‘“, so Schirak. Darüber hinaus kristisiert Schirak Folgendes: „Wenn weiters davon die Rede ist, das VW-Händlernetz in Deutschland ‚abzuspecken‘ und es im übrigen Europa keine signifikante Veringerung geben werde, dann werte ich das als ‚Probegalopp‘. Mit selbstverständlicher Folgewirkung auch in allen anderen europäischen Märkten zur gegebenen Zeit.“ Und auf den Punkt gebracht: „Wäre doch völlig unverständlich, ein allenfalls in Deutschland etabliertes ‚Erfolgsmodell‘ nicht auch auf andere Märkte zu übertragen“, so der Einzelhandelssprecher. Laut Stackmann komme ein durchschnittlicher VW-Händler auf einen Jahresumsatz von 27 Millionen Euro, und verkaufe 620 Neuwagen pro Jahr. Die Umsatzrendite betrage ein Prozent. Die Erträge würden vor allem aus dem Ersatzteilverkauf und dem Werkstättenbetrieb stammen. Ein Uralt-Thema von Schirak. Ein Prozent Umsatzrendite: ein Witz, ein sehr schlechter. Drei, eher vier Prozent wären angemessen und adäquat, alles, was deutlich darunter liegt, geht schlicht nicht. Die Ausführungen von Markenvertriebsvorstand Jürgen Stackmann zeigen de facto sehr eindeutig, wohin die Reise der Hersteller mittel- und langfristig geht. Und welche Rolle die Händler spielen werden. Das wird kein VW-spezifisches Thema sein, sondern ein generelles. Die Stoßrichtung wird bei sämtlichen Automobilherstellern eine ähnliche sein. Für den Händler wird‘s nicht einfacher. Bleiben wir wachsam.

AUTOFEINDLICHE POLITIK

Die Einnahmen des Fiskus aus Mineralölsteuer, Kfz-Versicherung und NoVA stiegen im Jahr 2017 um 315 Millionen auf insgesamt 7,3 Milliarden Euro. Inklusive Vignettenerlöse, Parkgebühren et cetera lieferten die Autofahrer zirka 13,5 Milliarden Euro an den Staat ab. Drei Viertel stammen vom Pkw- Verkehr. Höchste Zeit also, die vormals autofahrerfeindliche Politik zu ändern. Die neue Regierung wird von zahlreichen Branchenprotagonisten mit Vorschusslorbeeren bedacht. Man rechnet mit ihr, man glaubt ihr vorderhand, dass sie eine autofahrerfreundliche Politik machen werde. Bleiben wir wachsam.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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