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Das Kreuz mit den Fachkräften

29.11.2018

Es werde immer schwieriger, gute und engagierte Jugendliche für die Lehre zu begeistern. Der offenkundige FACHKRÄFTEMANGEL ist ein eklatantes Problem. Wie schlimm ist es wirklich? Und was können wir tun?

Gute Fachkräfte zu bekommen bedeutet heute: Man muss sie selbst ausbilden. Wir bei Pappas Linz erarbeiten gerade ein Konzept, im Rahmen dessen wir Schulen direkt anschreiben und die Schüler zu uns in den Betrieb bringen wollen, um ihnen hautnah zu zeigen, welche Chancen und Perspektiven eine Lehre heute bietet“, sagt Friedrich Wetzlmayer, Betriebsleiter bei Pappas in Linz. Faktum sei, dass es einen „akuten Engpass“ an Fachkräften gebe, obgleich die Aufstiegsmöglichkeiten mitunter höher seien als bei Universitätsabsolventen. Sprechen wir off records mit Kfz-Betrieben, hören wir oftmals, dass die sich für eine Lehre bewerbenden Jugendlichen über ein immer geringeres Niveau verfügen würden. Denn: Alle, die „ein bisschen was im Kopf haben, besuchen eine weiterführende Schule“, so häufig der Tenor. In dieselbe Kerbe schlägt auch Wetzlmayer von Pappas: „Tatsächlich ist das Niveau mitunter erschreckend. Wir schauen uns jeden Lehrling daher sehr genau an. Wir haben einen eigenen Eignungstest für Lehrlingsanwärter und achten genau darauf, dass sie in unser Teamgefüge passen“, so der Pappas-Betriebsleiter. „Wir können anbieten, dass jeder Lehrling, der sich bei uns engagiert und leistungswillig ist, auch übernommen wird und attraktive Karrieremöglichkeiten hat.“ Am Standort Linz habe man zwei Mitarbeiter, die sich getrennt voneinander um die kaufmännische und handwerkliche Lehrlingsausbildung kümmern würden. Wetzlmayer bringt es auf den Punkt: „Um die Talente von morgen zu bekommen, muss man sie früh für die Lehre begeistern und ihnen auch ein attraktives Arbeits- und Ausbildungsumfeld bieten.“

„Heute lassen sich die jungen Leute nicht mehr so leicht lenken und gehen heim oder woanders hin, wenn ihnen etwas nicht passt.“ BUNDESBILDUNGSREFERENT HUBERT STOFF

GUT AUSGEBILDETE MITARBEITER

Vor einigen Jahren stellte sich die Frage, ob uns wegen der hohen Arbeitslosigkeit demnächst die Arbeit ausgehen würde. Das Gegenteil ist der Fall: Was fehlt, sind gut ausgebildete Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, sprich: Fachkräfte. Eine aktuelle Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Steuerberatungsunternehmens EY kommt zu dem Resultat, dass der Fachkräftemangel „immer bedrohlicher“ werde und das Wirtschaftswachstum „massiv“ dämpfe. Im Vergleich zum Vorjahr stieg der Anteil jener Unternehmen, die den Fachkräftemangel als Gefahr für die Entwicklung des eigenen Betriebs sehen, von 48 auf 59 Prozent. Probleme beim Rekrutieren von Fachkräften haben gemäß der Studie Unternehmen in ganz Österreich. Wobei es dennoch ein Ost-West-Gefälle gibt: Im Westen ist das Dilemma noch größer als im Osten. Am drastischsten sei der Fachkräftemangel in Salzburg (39 Prozent haben „große“, 49 Prozent „eher große“ Probleme), Tirol (37 bzw. 46 Prozent) und Vorarlberg (32 bzw. 56 Prozent). Laut einer aktuellen Untersuchung der Wirtschaftskammer können aktuell 162.000 qualifizierte Jobs nicht besetzt werden, weil geeignete Arbeitskräfte fehlen. Was dagegen helfen könnte?

„Manuelle Arbeit und im Besonderen die Lehre haben nicht das Image, das sie verdienen würden.“ BUNDESINNUNGSMEISTER ERIK PAPINSKI ZUM THEMA "AUSBILDUNG"

Besseres Ausschöpfen vorhandener Ressourcen, Verbesserung des Images der Lehre und qualifizierte Zuwanderung.

ATTRAKTIVER ARBEITGEBER

Das Image der Lehre bereitet auch Bundesinnungsmeister Erik Papinski Kopfzerbrechen: „Manuelle Arbeit und im Besonderen die Lehre haben nicht das Image, das sie verdienen würden.“ Ein Betrieb müsse sich in der Region als „attraktiver Arbeitgeber“ positionieren, so Papinski. Man müsse sich zudem darüber Gedanken machen, welche neuen Wege es geben könnte, um Nachwuchs zu rekrutieren. Hubert Stoff, Bundesbildungsreferent der Kfz-Techniker, sieht die Problematik differenziert: „Im Unterschied zu anderen Lehrberufen können wir bei den Kfz-Technik-Lehrlingen sogar einen Zuwachs von zwei Prozent verzeichnen, aber die absoluten Zahlen sinken trotzdem; hauptsächlich wegen der geburtenschwachen Jahrgänge. So haben wir also unterm Strich weniger Lehrlinge und damit auch weniger Facharbeiter als früher, obwohl die Attraktivität des Berufes unter den Jugendlichen sogar gestiegen ist.“ Mit den ständig steigenden Kosten der Lehrlingsausbildung könne die Umsatzentwicklung in vielen Betrieben nicht mithalten, führt Stoff weiter aus. „Früher konnte man es sich leisten, auch einen oder zwei weniger talentierte Lehrlinge mitzuschleppen, die dann in Spitzenzeiten Löcher gestopft haben. Heute sind die Betriebe auf höchste Effizienz getrimmt und der Unternehmer kalkuliert scharf, ob sich der Aufwand rechnet. Die Folge davon ist, dass heute sogar weniger lukrative Aufträge abgelehnt werden müssen, die man früher sehr wohl angenommen hätte.“ War früher alles besser? Stoff analysiert auch diese Frage vielschichtig: „Wir haben es in der Vergangenheit vielleicht etwas zu bequem gehabt. Der Lehrherr war eine Autorität, die nicht infrage gestellt wurde, und die jungen Leute haben akzeptiert, dass Lehrjahre keine Herrenjahre sind. Heute lassen sie sich nicht mehr so leicht lenken und gehen heim oder woanders hin, wenn ihnen etwas nicht passt. Wir müssen uns darauf einstellen, da es nun einmal die Jugendlichen sind, die wir haben.“

„Gute Fachkräfte zu bekommen bedeutet heute: man muss sie selbst ausbilden.“ FRIEDRICH WETZLMAYER, BETRIEBSLEITER PAPPAS LINZ

Autor:
Wolfgang Bauer, Peter Seipel und Philipp Bednar

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