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„Daten sind mobiler als Menschen“

16.06.2017

Im Interview erklärt HELMUT ERNST, Leiter ZF Aftermarket, was die Beweggründe für die Übernahme von TRW waren und wohin die Reise im Aftermarket gehen wird.

Durch den Kauf von TRW konnte der ZF- Konzern sein Aftermarketsortiment spürbar erweitern.

KFZ Wirtschaft: Was waren die stärksten Argumente, TRW zu übernehmen?
Helmut Ernst: Treiber des Kaufs von TRW ist Wachstum. Mit unseren attraktiven Marken und unserem breiten Produkt- und Service-Portfolio wollen wir gemeinsam mit unseren Kunden nachhaltig erfolgreich wachsen.

Im Rahmen der Übernahme trafen amerikanische und deutsche Unternehmenskultur aufeinander. Wie vereint man zwei so verschiedene Führungsstile in einem Unternehmen?
ZF wie auch TRW sind zwei global organisierte Unternehmen und daher gewohnt, mit kulturellen Unterschieden umzugehen. Daher war für uns im Aftermarket ein forcierter Integrationsprozess möglich: Bereits rund ein Jahr nach der Übernahme von TRW konnten wir das neu sortierte Leistungs-Portfolio der Öffentlichkeit präsentieren und am 1. Januar 2017 dann offiziell als neue ZF Aftermarket-Organisation starten.

„Treiber des Kaufs von TRW ist Wachstum.“ HELMUT ERNST, LEITER ZF AFTERMARKET

Wo sehen Sie ZF Aftermarket und seine Produktmarken aktuell positioniert?
Dank der starken Technologieführerschaft des ZFKonzerns und der Kombination aller relevanten Technologien zu den Megatrends Sicherheit, Effizienz und automatisiertes Fahren sind wir auch im Ersatzteilemarkt auf die automobile Zukunft bestens vorbereitet. Unsere Premium-Marken Sachs, Lemförder, TRW, Boge und Openmatics stehen für Erstausrüsterqualität und technische Innovation. Mit ihnen decken wir aktuell ca. 35 Prozent des täglichen Werkstattbedarfs aus einer Hand ab.

Wie schätzen Sie das Geschäft für freie, markenungebundene Werkstätten und Autohäuser mittelfristig ein?
Das Auto ist und bleibt ein technisches Produkt mit zahlreichen mechanischen Komponenten, die gewartet und instandgesetzt werden müssen. Und so mobil wie ihre Daten sind die Menschen nicht – sie wünschen sich nach wie vor einen Servicebetrieb vor Ort, den sie schnell und bequem erreichen können. Ihren Standortvorteil können freie Servicebetriebe vor Ort dann nutzen, wenn sie den Kunden eine rasche, effiziente und kompetente Reparatur ihres Fahrzeugs anbieten. Das Know-how der freien Werkstatt muss jedoch in jedem Fall mit der Fahrzeugentwicklung Schritt halten.

Derzeit wird viel über das Thema „autonomes Fahren“ gesprochen. Glauben Sie beispielsweise an einen Rückgang der Unfälle, wenn das Auto lenkt und denkt?
Die Vorteile für unser Verkehrssystem sind enorm: Die Sicherheit steigt, weil Fahrzeuge bei Gefahr in Sekundenbruchteilen reagieren und sich gegenseitig warnen können. Sie haben für ihr direktes Umfeld nicht nur Kartendaten, sondern auch vorab detaillierte und aktuelle Umfeld-Informationen. Außerdem entlastet eine intelligente Verkehrssteuerung die Infrastruktur. Wenn man sich vor Augen hält, wie viele Stunden man als Autofahrer pro Jahr im Stau verbringt, ist klar: Für die Umwelt, die Wirtschaft und die eigenen Nerven lässt sich so einiges verbessern.

Es gab/gibt die „ Strategie ZF 2025“. Wie schaut diese genau aus? Welche Vorteile versprechen Sie Ihren Kunden damit?
Ziele der „Strategie ZF 2025“ sind unter anderem Innovations- und Kostenführerschaft sowie ein breites Produktportfolio. Mit der frühzeitigen Antizipation von Zukunftstrends auf dem Ersatzteilemarkt, einem stetig wachsenden Produktportfolio sowie einer umfassenden Service-Präsenz trägt die Aftermarket-Organisation maßgeblich zum Ziel von ZF bei, sich als Marktführer in der Bereitstellung erstklassiger Kundenlösungen zu profilieren. Ein Beispiel dafür ist die ZF-eigene, herstellerunabhängige Telematik-Plattform Openmatics: Die Openmatics OnBoard-Unit übermittelt fahrzeugspezifische Daten in eine sichere Cloud-Datenbank, webgestützte Apps greifen auf diese Daten zu und werten sie für die User aus. Dieses nahtlose Zusammenspiel ist ein echter Gewinn für Fuhrparkbetreiber.

Autor/in:
Philipp Bednar
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