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Gerald Liebscher aus Neusiedl am See sammelt Oldtimer, die er mit seinem Bruder selbst restauriert.

Der Vespa

11.05.2021

Als in den 1950er-Jahren Kleinstwagen und Kabinenroller modern waren, brachte Piaggio sein Modell Vespa 400 auf den Markt. Nach nur fünfjähriger Bauzeit wurde die Produktion beendet, sodass „der Vespa“ heute ein gefragter, weil seltener Oldtimer ist. 
 

In der weitläufigen Oldtimer-Garage der Brüder Gerald und Rainer Liebscher in Neusiedl am See warten automobile Schmuckstücke wie ein Honda S800, ein Lancia 2000 Berlina, ein Reliant Scimitar, oder eine „Göttin“ Citroen DS auf ihre ersten Ausfahrten, sollte sich der Frühling endlich von seiner sonnigen Seite zeigen. Den ersten kleinen Hüpfer hinaus unter den bewölkten Aprilhimmel darf aber ein Exote im Kleinstformat machen – ein mintgrüner Floh von Auto, mit gelben Scheinwerfern und einer verschweißten Fronthaube. „Darunter passen nur die Starterbatterie und die Füße des Fahrers, der Motor sitzt im Heck“ erklärt Gerald Liebscher und öffnet die kleine Klappe mit aufgeschraubtem Kofferträger am Heck des Vespa 400. Ein Motörchen kommt zum Vorschein, es ist ein luftgekühlter 394-cm³-Zweizylinder-Zweitakter mit 14 PS Leistung bei 4.350 Umdrehungen/min. Daneben ein Ölbehälter mit Kurbel, mit der man die je nach Tankinhalt benötigte Ölmenge dosiert. 

Hohe Drehzahlen

Der Postbus in der Heckscheibe wird immer größer – keine Chance, ihm auf der leichten Steigung zwischen Neusiedl und Jois davonzufahren. „Der Motor will hoch gedreht werden – typisch Zweitakter“, erklärt Gerald Liebscher, der mit seinem Gardemaß von 186 Zentimetern in der kleinen Vespa-Kabine eine überraschend komfortable Sitzposition einnimmt. Ich darf das Steuer übernehmen und muss mich auf den ersten Kilometern an das lang übersetzte Dreiganggetriebe mit unsynchronisiertem erstem Gang gewöhnen. Sobald die Lernkurve absolviert ist, macht das Vorankommen mit dem knapp drei Meter kurzen und weniger als 400 Kilogramm leichten Vespa 400 richtig Spaß. Die Spitzen­geschwindigkeit liegt bei etwa 80 km/h – auf ebener Straße ohne Gegenwind. Ihre Stärken zeigt die kleine Cabrio-Limousine mit Roll-Fetzendach aber vor allem im Ortsgebiet. Der spritzige Zweitakter hat genug Drehmoment, um im Verkehr mitzuschwimmen, sein Knattern erregt Aufmerksamkeit, und der Anblick der schnuckeligen Karosserie zaubert Jung und Alt ein Lächeln auf die Lippen. „Ich hätte es nicht für möglich gehalten, aber als wir bei der Mödling Classic mitgefahren sind, hab ich eine Radarstrafe bekommen“, schmunzelt Rainer Liebscher. Der Vespa 400 wurde mit 62 km/h im Ortsgebiet geblitzt.

Leidenschaft für Klassiker

Gerald und Rainer Liebscher haben ihre Leidenschaft für automobile Klassiker von ihrem Vater geerbt. Rainer hat sich als Oldtimer-Experte einen guten Namen gemacht und eröffnet demnächst in Oberwaltersdorf in der Werkstraße 16 seine neue Restaurationswerkstatt. Gerald ist hauptberuflich Immobilienmakler und führt nebenbei gemeinsam mit seinem Bruder die „Liebscher & Liebscher Klassische Automobile OG“. „Wir sind eher Sammler als Händler“, geben die Brüder zu, da sie sich nur schwer von ihren Blechlieblingen trennen können. Aktuell wollen sie eine neue Geschäftsidee ausprobieren. Gerald Liebscher: „Wir haben eine Pfandleihe für Oldtimer gegründet – mal schauen, wie das angenommen wird.“

Autor/in:
Peter Seipel
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