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Diagnosekrimi: Der mysteriöse „Patschen“

18.05.2018

Ein vier Jahre alter TOYOTA RAV4 kommt mit leuchtender Warnlampe, die Druckverlust in einem Reifen meldet, in die Werkstatt. Die anfangs simpel erscheinende Reparatur entwickelt sich zu einer aufwendigen Fehlersuche.

Ventil mit Drucksensor
Kfz-Elektrik-Experte Georg Ringseis überprüft die korrekte Funktion eines Reifendruckkontrollsystems.
PETER SEIPEL KLEINE URSACHE, GROSSE WIRKUNG

Immer mehr Funktionen und Parameter im Fahrzeug werden von Sensoren überwacht, die ihre Daten an Steuergeräte schicken. Bei Abweichungen von den Normwerten leuchtet zwar ein Warnlämpchen auf, doch die Ursache des Defekts bleibt dabei oft mals im Dunkeln. Die elektronischen „Bodyguards“ des Fahrzeugs sind vor allem dann überfordert, wenn es sich – wie in diesem Diagnosekrimi – um einen rein mechanischen Defekt handelt. So war der verschraubte Ventilsitz bei der Auslieferung des Rades off enbar nur mit der Hand und nicht mit einem Schraubenschlüssel angezogen worden und hat den lästigen Defekt verursacht. Ein winziger Ruck mit dem Drehmomentschlüssel hat das Problem gelöst. Die dazu nötige Kraft von einem Newtonmeter entspricht übrigens jenem Aufwand, eine 100-Gramm-Schokoladetafel einen Meter hoch zu heben.

Der regelmäßig servicegepfl egte Toyota RAV4 absolviert seine ersten 35.000 Kilometer ohne Probleme, als eines Tages die Warnlampe des Reifendruckkontrollsystems aufl euchtet. Die Fahrerin fährt zur nächsten Tankstelle, kontrolliert alle Reifen auf den vorgeschriebenen Wert und füllt Luft nach Bedarf nach. Als sie weiterfährt, meldet das System jedoch erneut einen Druckverlust, sodass ihr die Fahrt in die Werkstatt ihres Vertrauens nicht erspart bleibt. Der Wiener Kfz-Technik-Meister Georg Ringseis nimmt sich der Sache an und steckt bald unvermutet wieder mitt en in einem Diagnosekrimi.

▶ Nach einer Überprüfung des Luft drucks an allen Reifen wird das linke Vorderrad als Übeltäter ausgemacht. Der nötige Druck von 2,1 Bar war auf 1,6 Bar gefallen. Das Rad wird demontiert und in ein Wasserbad gelegt, um einen eventuellen Schaden zu erkennen.

▶ Da keine Luft blasen aufsteigen, vermutet der Kfz-Techniker die Ursache des Problems bei einem falsch eingestellten Ventilsitz und zieht diesen mit einem Schraubenschlüssel nach.

▶ Tatsächlich scheint der Reifen die frisch aufgefüllte Luft nun zu halten. Ringseis kontrolliert mit einem Testgerät, ob die RDKS- Sensoren ordnungsgemäß funktionieren und erhält dafür die Bestätigung.

▶ Das RDKS wird zurückgesetzt und die Kundin holt ihren Wagen ab. Nach ein paar Tagen klopft sie jedoch erneut mit demselben Problem an das Werkstattt or. Im Stadtverkehr hat zwar alles bestens funktioniert, doch als sie aufs Land hinausfuhr, leuchtete die RDKS-Warnlampe wieder auf.

▶ Der Kfz-Techniker vermutet nun, dass Schmutz zwischen Reifen und Felge bei höheren Geschwindigkeiten zu einem Druckverlust führt, reinigt die Felge und bringt sicherheitshalber ein Dichtmitt el auf. Beim anschließenden Wasserbadtest erweist sich das Rad als absolut luft dicht – Problem gelöst, jedoch nur scheinbar.

▶ Drei Tage später steht der RAV4 wieder mit leuchtender RDKS-Lampe in der Werkstatt . Nun nimmt Georg Ringseis das Ventil genauer unter die Lupe und kontrolliert es auf Verschmutzungen. Als er den Drehmomentschlüssel ansetzt, stellt er fest, dass es mit nur 3 Newtonmetern angezogen ist, obwohl 4 Nm vorgeschrieben sind.

▶ Der Kfz-Techniker zieht den Ventilsitz um das entscheidende Quäntchen nach, und tatsächlich hält der Reifen nun dauerhaft den erforderlichen Luft druck – Fall gelöst.

„Die in den Reifendrucksensoren verbauten Batterien sollten eigentlich ein Reifenleben lang halten, doch manchmal erlebt man auch hier Überraschungen.“ GEORG RINGSEIS

Autor/in:
Peter Seipel
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