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„Die abgerundete Box“

13.02.2020

MERCEDES-BENZ bringt mit dem GLB einen neuen SUV, der eigentlich ein Van sein möchte. Im Test überzeugt er, eine Frage bleibt jedoch offen.

Der neue Mercedes-Benz GLB ist anders. Das Kürzel deutet auf eine Positionierung zwischen GLA und GLC hin, die Mercedes-Mitarbeiter sprechen bei der Präsentation in Südspanien aber vom kleinen Bruder des GLS. Verwirrt? Wir auch. Denn tatsächlich basiert der GLB auf der Kompaktplattform der A-Klasse, hat aber den längsten Radstand unter den Stern-Kompakten: 2.829 Millimeter.

Und: Den GLB gibt es wahlweise als 5- oder 7-Sitzer. Damit wird der knapp 4,6 Meter lange Crossover familientauglich. In der dritten Reihe können laut Mercedes Personen bis 1,68 Meter Körpergröße bequem sitzen. Unser Test bestätigt das. Auch etwas größere Personen finden noch Platz. Überhaupt fällt die üppige Kopffreiheit im GLB auf. Das deutet sich bereits von außen an, denn der SUV kommt ungewohnt hoch, fast kastenartig daher. Das Coupéhafte bleibt GLA und GLC vorbehalten, der GLB betont seine Höhe (siehe Interview).

BREITE MOTORENPALETTE

Beim Antrieb hat die Kundschaft eine breite Auswahl: drei Benziner und drei Dieselmotoren gibt es. Die Benziner starten beim GLB 200 mit 120 kW (163 PS) und 7-Gang-Doppelkupplungstriebe. Der 250er kommt mit 165 kW (224 PS) und 8-Gang-DCT. Die Spitze bildet der GLB 35 4Matic AMG ab, der aus seinem aufgeladenen 2-Liter-Vierzylinder stolze 225 kW (306 PS) und 400 Newtonmeter Drehmoment presst. Damit geht es dann in 5,2 Sekunden von 0 auf 100 km/h. Wer das braucht im GLB? Niemand. Aber man wäre nicht Mercedes, wenn man es nicht trotzdem hätte. Die drei Selbstzünder (180 d, 200 d und 220 d) decken einen breiten Bereich von 85 kW (116 PS) bis 140 kW (190 PS) ab und passen in Summe besser zum neuen GLB. Wir konnten sowohl den AMG als auch den 200 d fahren und sind überzeugt: Der GLB ist ein Diesel-Wiesel.

ÜBERRASCHEND AGIL

Das Fahrverhalten überrascht. Mit dem AMG geht es im spanischen Hinterland über stark gewundene Landstraßen. Auff ällig: Wie agil der knapp 1,7-Tonner durch die Radien zirkelt. Die präzise, feinfühlige Lenkung überzeugt, das Fahrwerk ist ganz großes Kino: ausgewogen, überwiegend neutral, mit einer idealen Mischung aus Härte und Komfort. Da hat AMG einen Top-Job abgeliefert. Trotzdem: Der GLB 200 d ist das harmonischere Auto. Natürlich ist dieser weniger rasant und emotional, aber der GLB ist kein Sportler. Das drehmomentorientierte Surfen mit dem Selbstzünder unter der Haube passt viel besser zum neuen Mercedes. Und die Leistung des 220 d reicht in jeder Lebenslange mehr als aus.

VOLL DIGITAL

Das Interieur ist hochmodern und trotzdem geschmackvoll. Bis auf die Fake-Carbon-Blenden im AMG passt der Innenraum zum Mercedes-Anspruch. Klavierlack, Alu, feines Leder, geschäumter Kunststoff – alles da. Nix scheppert, die Spaltmaße sind vorbildlich. Im Zentrum stehen aber die beiden volldigitalen Bildschirme (10,25 Zoll), die Tacho und Infotainment übernehmen. Hochaufl ösend, kontraststark, bunt. Dazu das Head-Up-Display. Das Fahrerauge wird verwöhnt. Mit an Bord: MBUX, das neue Bedienkonzept „Mercedes-Benz User Experience“. Um es abzukürzen: das System funktioniert solide bis gut, aber die Funktionsvielfalt hat uns im Test erschlagen. Ebenso die unendlich vielen Unterund Unter-Unter-Menüs.

FAZIT

Der Mercedes-Benz GLB ist endlich ein SUV, der seinen Namen verdient. Denn sowohl die Geländegängigkeit als auch sein Raum- und Platzangebot passen viel besser für den Alltag, als die betont coupéhaft en Crossovers, die mehr Kompromiss als Lösung sind. Gut gemacht.

Autor/in:
Philipp Bednar
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