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Die Alternativen

06.02.2015

Ob thermische Motoren, gasgetriebene Modelle, Hybrid- oder Vollelektroautos – der Kunde hat die Qual der Wahl. Noch spielen alternative Antriebe in der Zulassungsstatistik keine nennenswerte Rolle. Aber das wird sich ändern, wie auf der Vienna Autoshow zu sehen war. 

Je höher der Ölpreis, desto größer die Nachfrage nach alternativen Antrieben. Nun ist der Ölpreis zuletzt erheblich gefallen – Benzin und Diesel liegen derzeit bei rund 1,0 bis 1,1 Euro je Liter. Ist der niedrige Ölpreis somit der Totengräber der Ökowelle? „Nein, gar nicht. Im Kopf der Auto­käufer hat bereits ein Umdenken stattgefunden“, sagt ­ÖAMTC-Cheftechniker Steffan Kerbl. Außerdem, so der Experten, sind ohne alternative Antriebe die CO2-Ziele – die die EU vorgibt – kaum erreichbar. Sebastian Obrecht, Pressesprecher vom ARBÖ, ist der gleichen Meinung: „Wir rechnen nicht damit, dass der Treibstoffpreis Auswirkungen auf das Kaufverhalten hat und die Konsumenten jetzt wieder vermehrt konventionell betriebene Autos kaufen.“
Der Anteil der neuzugelassenen Modelle mit alternativen Antriebseinheiten lag 2014 bei 0,4 Prozent. Gemessen am Gesamtmarkt fast vernachlässigbar, aber Josef Schirak sieht durchaus Wachstumspotenzial: „Ich schätze, dass der Marktanteil in den nächsten zwei bis drei Jahren auf bis zu drei Prozent anwachsen könnte.“ Dabei räumt der Einzelhandelssprecher den Hybridmodellen die größten Chancen ein. Vergangenes Jahr wurden 2.360 Hybrid- und 1.281 reine Elektroautos neuzuge­las­sen. Beim Rundgang auf der Vienna Autoshow fiel vor allem die Vielzahl an Plug-in-Hybriden auf. Dass die Hybride vollkommen alltagstauglich sind, weiß Steffan Kerbl aus der Pannenstatistik zu berichten: „Über die Hybridmodelle haben sich primär nur Autohersteller drübergetraut, die ohnehin solide Autos bauen. Daher gibt es in der Pannenstatistik keine Auffälligkeiten bei Hybridmodellen. Die reinen E-Autos sind derzeit noch nicht erfasst, da noch zu wenige unterwegs sind und die Nutzer sehr sorgsam mit ihren E-Autos umgehen dürften.“

Umstellungen notwendig? 

Dass die E-Autos noch Anlaufschwierigkeiten haben, liege vor allem an der Infrastruktur und der Reichweite, so Josef Schirak. Für die Händler mache es keinen Unterschied, ob Autos mit thermischen oder elektrischen Motoren verkauft werden. „Solang wir genügend Autos verkaufen können, um damit die dafür getätigten Investitionen ausgleichen zu können, spricht nichts dagegen“, so der Einzelhandelssprecher. Fritz Nagl, Bundesinnungsmeister, sieht für die Werkstätten durch die Hybridfahrzeuge keine Probleme: „In einer hochtechnologischen Branche muss ich grundsätzlich immer am Ball bleiben. Wenn ich das nicht bin, dann habe ich ein Problem. Die Entwicklung von Fahrzeugen mit Hochvoltkomponenten sehe ich daher nur als einen weiteren Entwicklungsschritt.“ Angesprochen darauf, ob die Hybridisierung ein Vor- oder Nachteil für die Betriebe ist: „Ob Vor- oder Nachteil, ist nicht relevant. Die steigende Anzahl von Fahrzeugen mit Hochvoltkomponenten ist ein Faktum.“ Grundsätzlich sieht Nagl keine all zu großen Veränderungen auf die Werkstätten zurollen: „Es werden nicht mehr oder weniger Autos verkauft, daher müssen nicht mehr oder weniger Fahrzeuge serviciert oder repariert werden.“ Technisch seien die meisten Betriebe bereits gut gerüstet. Einen Boom der neuen Antriebsarten erwartet Nagl nicht, da die Preise noch zu hoch seien. Letztlich wirft der BIM noch die Frage auf: Wie sauber ist der Strom für Elektro- und Hybridfahrzeuge? Österreich sei hier europaweit Spitzenreiter, da dank eines Wasserkraftanteils von 67 Prozent nur durchschnittlich 157 Gramm CO2 pro produzierter Kilowattstunde anfallen würden. In Deutschland sei die E-Mobilität weniger grün, denn dort fallen pro Kilowattstunde bereits 451 Gramm CO2 an. 

 

Autor/in:
Philipp Bednar
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