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Die Hürden zur Elektromobilität

04.02.2019

Auf Österreichs Straßen sind ELEKTROAUTOS noch echte Exoten. Doch die Zulassungszahlen steigen, und 2019 sollen zahlreiche neue Modelle den Trend verstärken. Die Kfz-Wirtschaft zeigt die größten Hürden auf, die dem Durchbruch der E-Mobilität noch im Wege stehen.

Der Anteil von E-Autos an den Neuzulassungen in Österreich steigt laufend an. Bis Ende November 2018 wurden im Verlauf des Jahres insgesamt 6.182 vollelektrische Autos neu zugelassen und damit um rund ein Viertel mehr als im Vergleichszeitraum 2017. Laut Statistik Austria sind aktuell 1,9 Prozent aller Neuzulassungen E-Pkw, doch die Gesamtpopulation der Stromer liegt erst bei knappen 20.000. Bei einem Pkw-Bestand in Österreich von fast fünf Millionen Stück ist die Wahrscheinlichkeit daher minimal, im Straßenverkehr einem Elektroauto zu begegnen. Doch bewahrheitet sich die Prophezeiung vom „Popcorn- Eff ekt“, sollte es heuer mit einer Vielzahl neuer Modelle kräft ig zu „poppen“ beginnen. Folgende Modelle wurden von den Herstellern für 2019 angekündigt: Audi e-tron, Nissan Leaf E-Plus, Kia e-Niro und e-Soul, Mercedes EQC, Mini E, Polestar, Honda Urban EV, Porsche Taycan und Škoda e-Citigo. Seit kurzem im Schauraum steht der heft ig gehypte Tesla Model 3, und mit dem an der TU Aachen entwickelten e.Go Life kommt 2019 ein richtiges „Volks- Elektroauto“ für weniger als 16.000 Euro Kaufpreis auf den Markt. Als neue Player stellen sich chinesische Hersteller vor und zeigen mit ihren elektrischen Luxus-SUVs Nio ES8, Lynk & Co 01 und Byton M-Byte, dass sie als künft ige Mitbewerber durchaus ernst zu nehmen sind.

APROPOS CHINA

„China hat es im Laufe des vergangenen Jahrzehnts geschafft , mit seinen Elektrofahrzeugen einen Industriezweig aus dem Boden zu stampfen, der heute wegweisend für westliche Länder ist“, sagt Robin Tschöpe, Geschäft sführer des deutschen Online-Marktplatzes für Auto-Leasing-Angebote LeasingMarkt.de. Er hat die Verbreitung der Elektromobilität auf den Weltmärkten untersucht und stellt fest: „Es wirkt so, als wäre Deutschland in puncto E-Mobilität gerade erst aus dem Dornröschenschlaf erwacht.“ Zwar würden alle großen deutschen Hersteller künft ig verstärkt auf Elektroautos setzen, doch im Vergleich zur internationalen Konkurrenz sind sie vergleichsweise spät dran. So hätt en bis 2020 bereits eine Million Elektroautos auf Deutschlands Straßen unterwegs sein sollen, doch mangels entsprechend att raktiver Fahrzeugmodelle musste diese Jahreszahl auf 2022 korrigiert werden. In China wurden dagegen allein im August 2018 rund 73.000 neue Elektroautos zugelassen. Darüber hinaus hat China innerhalb eines Jahres die Ladeinfrastruktur von 2,5 auf 5,7 Ladestationen pro 100 Kilometer ausgebaut. Zum Vergleich: In Deutschland fi nden sich auf 100 Kilometern erst 4,5 Ladestationen. Norwegen treibt die Energiewende bereits seit 2012 mit Hochdruck voran. Im September 2018 war bereits jeder zweite neu zugelassene Pkw ein reines E-Auto. Selbst in den USA, in denen Autos mit Verbrennungsmotor in der Käufergunst klar vorne liegen, beobachtet Tschöpe ein Umdenken in Richtung Elektromobilität. Derzeit erhalten Käufer von Hybrid- oder E-Autos noch eine Steuergutschrift von bis zu 7.500 US-Dollar – einen Bonus, den Präsident Trump allerdings demnächst streichen will. Japan hat sich dagegen verbindlich zum Umstieg auf alternative Antriebe bekannt und erlaubt seinen Herstellern wie Toyota, Nissan und Honda ab 2050 nur noch, Pkw mit Batt erie-, Wasserstoff - oder Hybridantrieb anzubieten. Anlässlich der Olympischen Sommerspiele 2020 in Tokio will die japanische Regierung 6.000 wasserstoffb etriebene Elektroautos auf die Straße bringen. Fazit Robin Tschöpe: „Die Chance für die Elektromobilität ist da, jetzt müssen Autohersteller, Politik und Wissenschaft vermehrt an einem Strang ziehen, um die gesetzten Ziele auch einzuhalten.“

LADEN OHNE REUE

Laut ÖAMTC gibt es derzeit österreichweit rund 3.700 Elektrotankstellen, an denen jedoch laut einer Erhebung der Arbeiterkammer höchst unterschiedliche Tarife verlangt werden. So gibt es Vertragstarife, Pauschaltarife und die Direktzahlung sowie diverse Verrechungseinheiten wie Kilowatt - stunden oder Ladezeit. Laut AK-Studie ist die Direktzahlung am teuersten, aber auch die Preisspannen der Tarifmodelle zwischen den einzelnen Anbietern sind groß: So koste der billigste Tarifvertrag 2,92 Euro für 100 Kilometer, der teuerste komme auf 8,33 Euro. Die teuerste Direktzahlung schlägt gar mit 8,40 Euro zu Buche. Die AK moniert, dass aktuell an E-Tankstellen weder der Preis pro Einheit noch der Gesamtpreis angezeigt werden. „Der Kunde muss sich also selber ausrechnen, wie viel Geld er beim Tanken verbraucht hat“, so Michael Soder, Energieexperte der AK. Die AK fordert daher eine gesetzliche Vorschrift zur transparenteren Preisauszeichnung an Ladestationen sowie eine Norm für Verrechnungseinheiten. Zusätzlich sollte ein Preismonitoring für das Tanken an der E-Zapfsäule eingeführt werden. Roland Ziegler, Sprecher des Bundesverbands Elektromobilität Österreich (BEÖ), gibt zu bedenken: „Wie viel Strom pro Minute in die Autobatterie geladen wird, ist vor allem von der im Fahrzeug verbauten Ladetechnik und dem Ladestatus der Batterie abhängig.“ Doch leider konnten sich die Hersteller bisher noch nicht auf eine einheitliche Ladetechnik verständigen. Obwohl die Mitgliedsunternehmen des BEÖ ein leistungsfähiges dreiphasiges Drehstromnetz zur Verfügung stellen, können E-Fahrzeuge bisher nur eine oder zwei Phasen nutzen. „Es wäre höchst an der Zeit, dass alle in Europa neu zugelassenen E-Autos die Möglichkeiten des dreiphasigen Ladens nutzen“, so BEÖ-Sprecher Ziegler. „In Verbindung mit einem effizienten Lademanagement würde das zu kürzeren und damit auch zu günstigeren Ladungen im öffentlichen Ladenetz führen.“

Autor/in:
Peter Seipel
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