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Die Ignoranz bremst bergauf

03.04.2015

Wenn Steuern erhöht werden, vergisst die Bundesregierung niemals auf die Autofahrer. ­Darauf ist Verlass. Die Tatsache, dass jeder achte Arbeitsplatz in Österreich an der Automobilbranche hängt, dürfte aber immer noch nicht bis in die Politik vorgedrungen sein. Warum eigentlich nicht? 

Im Rahmen der Steuerreform wurde die Erhöhung des Sachbezugs für privat genutzte Dienstfahrzeuge mit einem CO2-Ausstoß von mehr als 120 g/km von 1,5 auf zwei Prozent erhöht. Laut dem Arbeitskreis der Automobilimporteure sind davon 300.000 Arbeitnehmer betroffen, auf die pro Monat eine Mehrbelastung von bis zu 100 Euro zukommt. Importeurssprecher Felix Clary fordert nun eine „Nachbesserung“ des Entwurfs. Nicht nur Elektroautos, sondern sämtliche alternativ betriebene Fahrzeuge seien vom Sachbezug auszunehmen. Außerdem fordert er eine Anhebung von 120 auf 130 g CO2-Ausstoß. Und: „Die Neuregelung soll nur für Neuzulassungen gelten, damit sich Firmen und Kunden darauf einstellen können“, so Clary. Dass hier wirklich noch „nachgebessert“ wird, halte ich für höchst unwahrscheinlich. Die Erwartungen des Arbeitskreises, wonach die Erhöhung zu einem „Rückgang im Firmenkundengeschäft“ führen werde, teile ich nicht. Zum einen wird die flächendeckende Steuerentlastung – bei äußerst zweifelhafter Gegenfinanzierung – für mehr Kaufkraft und Kauflust sorgen. Zum anderen werden die meisten Firmenwagenbesitzer die Erhöhung des Sachbezugs schlicht zähneknirschend schlucken. Dass die Bundesregierung bei jeder sogenannten Steuerreform – die tatsächlich immer nur eine Steuererhöhung und eben keine -reform ist – einmal mehr die Autofahrer schröpft, davon zeugen de facto zwei Sachverhalte: zum einen simple Ideenlosigkeit und darüber hinaus die Tatsache, dass der Politik die Bedeutung der Automobilwirtschaft in Österreich schlicht nicht bewusst sein dürfte. Zumindest jeder achte Arbeitsplatz in Österreich hängt an dieser nach dem Tourismus wichtigsten Branche. Einziger Trost der Steuerreform: Die kolportierte Erhöhung der Mineralölsteuer kommt vorerst nicht. 

Schirak träumt

Einzelhandelssprecher Josef Schirak appelliert in einer Presseaussendung mit dem Titel „Traum und Wirklichkeit“ an die Automobilhersteller, die Händler an Rekordgewinnen teilhaben zu lassen. Große Hersteller wie VW, Audi, BMW und möglicherweise auch andere Big Player würden ihrer Belegschaft Bonuszahlungen gewähren, die „gut und gerne einmal 6.500 bis 8.500 Euro pro Mitarbeiter“ ausmachen würden. Schirak fordert nun die Hersteller auf, auch die Vertragspartner, also die Händler, am Erfolg teilhaben zu lassen. Und er sagt augenzwinkernd: „Ich habe sichtlich geträumt, denn leider sind wir dazu verdonnert, durch das Abnicken der uns vom Hersteller laufend aufgebürdeten finanziellen Belastungen dessen Finanzergebnisse mitzusponsern.“ Schiraks Forderung ist legitim, andererseits ein Traum, der weiter denn je von der Realität entfernt ist.

Drängen in die Verlustzone

In der „Auto Information; Nr. 2262“ macht Schirak Nägel mit Köpfen. Die aktuelle Steuerreform beweise einmal mehr, dass die Regierung das Automobil nur als „Melkkuh der Nation“ sehe.  Neben der „laufenden Verschärfung von Steuern, Abgaben und anderen mobilitätsbehindernden Maßnahmen“ würde die „immer weiter ausufernde Marktmacht der Hersteller in Form oft unzumutbarer Vertragsbedingungen und Vorgaben“ die Händler in Richtung Verlustzone drängen. Schirak fordert: „Das ausgeprägte Umsatz- und Stückzahldenken muss blitzartig durch ein rettendes Ertragsdenken ersetzt werden, um wieder Erträge zu erwirtschaften, welche betriebswitschaftlich notwendig sind.“ Erwähnt sei in diesem Zusammenhang, was Mazda-Austria-GF Günther Kerle im KFZ-Wirtschaft-Interview im Februar sagte: „Kurzzulassungen sind eine Droge.“

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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