Direkt zum Inhalt

Die Lehre gehört aufgewertet

11.04.2019

Die jahrzehntelange Maxime, wonach es minderwertig sei, sich die Hände schmutzig zu machen, fordert ihren Tribut. Dringendes Plädoyer zur IMAGEVERBESSERUNG der Lehre.

Über das Thema „Fachkräftemangel“ wird – zu Recht – fortwährend berichtet. Auch die KFZ Wirtschaft hat die Problematik häufig zum Thema gemacht. Während die Berichterstattung bisher stets abstrakt erfolgte, wird jetzt ein konkreter Name ins Treffen geführt: das Autohaus Lindner in Wals-Himmelreich. Kurz die Geschichte: Ende letzten Jahres haben Seniorchef Hans Lindner und sein Schwiegersohn Manfred Lindner ein Wohnhaus für Mitarbeiter errichtet, 300 Meter vom Betrieb entfernt. Im Jänner 2019 wurde das 450m2 große Wohnhaus mit acht Wohnungen, 16 Tiefgaragenplätzen und einem Kinderspielplatz fertiggestellt, die ersten Mitarbeiter sind eingezogen. Die Wohnungen – zwischen 50 und 65m2 groß – sind komplett mit Küche und Badezimmer ausgestattet. Die Autohausbetreiber wollen allerdings nicht ins Immobiliengeschäft einsteigen, sondern schlicht dafür sorgen, dass ihre Mitarbeiter einen attraktiven Arbeitsplatz haben. Ohne mühsame Arbeitswege.

„Wer nichts lernen will, macht halt eine Lehre. Mit diesem Unfug muss endlich Schluss sein.“ WOLFGANG BAUER, CHEFREDAKTEUR

FACHKRÄFTE GESUCHT

Realisiert wurde das gesamte Unterfangen wohl nicht, weil die Lindners so altruistische Menschen wären, sondern deshalb, weil sie händeringend nach Fachkräften suchen und mit einem attraktiven Arbeitsplatz aufwarten wollen. Zwei Mechaniker und einen Spengler suchen sie konkret, ihr Reifendepot bauen sie nur deshalb nicht aus, weil sie nicht einmal Hilfskräfte finden. Der Fall Lindner zeigt anschaulich, wie drastisch das Problem tatsächlich ist, Arbeitskräfte, gar Facharbeiter zu finden.

HÖCHSTE ANFORDERUNGEN

Heute ist die Lehre zum Kfz-Techniker oder zum Karosseriebauer eine aufwendige, komplexe, fordernde, die der besten Köpfe (und Hände) bedarf. Die Zeiten, da man sich den Mechaniker ölverschmiert in einer Hinterhofwerkstätte vorstellte, sind lang vorbei und haben mit der heutigen Wirklichkeit rein gar nichts mehr zu tun. Und trotzdem herrscht immer noch die Maxime vor: Wenn du in der Schule nichts lernst, machst halt eine Lehre. Dieses Image gehört schleunigst korrigiert. Und zwar fundamental. Hier ist vor allem die Politik gefordert: Das Image der Lehre muss landesweit und über alle Disziplinen kräftig aufpoliert werden. Sprich: Die Lehre muss in der Bevölkerung sehr rasch jenen Stellenwert bekommen, den sie verdient. Im Interesse von uns allen.

Ein bissl erinnert die Geschichte an die Hochkonjunktur der Nachkriegszeit, da sich Arbeitnehmer ihren Arbeitgeber aussuchen konnten und bei Unannehmlichkeiten damit drohten, „woanders hinzugehen“, wenns nicht mehr passt. Wir von der KFZ Wirtschaft hören oft von Unternehmern, dass auf dem Markt keine Fachkräfte zu finden seien. Die müsse man sich schon selbst ausbilden. Andererseits bestätigt diese Geschichte auch Aussagen von Autohausbetreibern und Werkstättenbesitzern, wonach ein guter Kfz-Techniker oder ein guter Lackierer immer einen Job haben werden. Selbstverständlich hat der grassierende Fachkräftemangel breit gefächerte Ursachen – unter anderen auch demografische – und ist keinesfalls monokausal zu begründen. Ein Grund ist das Image der Lehre. Obwohl sich dieses in den letzten Jahren gebessert hat, ist es noch lang nicht dort, wo es sein müsste.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
Werbung

Weiterführende Themen

Die Absolventen des zweiten Diagnosetechniker-Lehrgangs mit dem Bosch Automotive Aftermarket Team: Robert Leitner (Trainer), Günter Haupt (Schulungsleiter Deutschland, Österreich und Schweiz), Matthias Hutter (Trainer) und Helmut Stuphann, Verkaufsleiter Bosch Automotive Aftermarket Österreich v.l.
Aktuelles
10.08.2017

Erste Teilnehmer meisterten die Bosch-Diagnosetechniker Ausbildung mit Erfolg.

Mobilität
16.06.2017

Die RESTAURIERUNG eines historischen Ringelspiel-Feuerwehrautos aus dem Wiener Prater durch engagierte Lehrlinge geriet dank der Bundesinnung der Karosseriebautechniker zum medienwirksamen Coup, ...

Aktuelles
13.11.2014

Das Image der Lehre gehört aufgewertet. Wer kann die Jugend besser ansprechen als die Jugend selbst? Die KFZ Wirtschaft veranstaltet daher folgenden Ideenwettbewerb:

Aktuelles
05.11.2014

Markus Platteter unterrichtet angehende Kfz-Techniker an der Siegfried-Marcus-Berufs­schule in Wien. In einer Scheune in Niederösterreich findet er den Ausgleich zum ­Hightech-Unterricht bei der ...

Für Werkstattmeister Stephan Selucky (r.) kam der Sieg seines Lehrlings Christoph Berger nicht unerwartet.
Aktuelles
21.07.2014

Der 19jährige Christoph Berger setzte sich gegen 26 Teilnehmer durch und gewann den Wiener Landeslehrlingswettbewerb der Kfz Techniker. Auch seinem Lehrbetrieb Porsche Wien-Liesing gebührt ein ...

Werbung