Direkt zum Inhalt

Die Zeitenwende ist jetzt

14.02.2017

Ob AutoZum oder Reed Messe, Ausstellerempfang von KFZ Wirtschaft und STRAGÜ oder Eurotax-Empfang: Schwindendes Besucherinteresse sollte uns als Veranstalter dazu animieren, nicht nur an ein paar Schrauben zu drehen, sondern vieles oder alles völlig neu zu gestalten.

Laut Messeveranstalter Reed Exhibitions war die AutoZum 2017 ein voller Erfolg. Die Besucherzahl sei um 2,1 Prozent auf 23.984 gestiegen, 320 Aussteller aus dem In- und Ausland präsentierten ihre Innovationen. Soweit die offiziellen Zahlen. Tatsache ist, dass – vor allem von Mittwoch bis Freitag – spätestens ab 16 Uhr die Messehallen wie leergefegt waren. So die Wahrnehmung zahlreicher Aussteller und des KFZ Wirtschaft-Teams. Sowohl bei der Eröffnungsfeier zur AutoZum als auch beim vormaligen Besuchermagneten Professor Hannes Brachat, der zum Thema „Digitalisierung im Kfz-Business“ vortrug, war ein äußerst überschaubares Auditorium zu konstatieren.

Auch wir als Veranstalter des „Ausstellerabends von KFZ Wirtschaft und STRAGÜ“ verzeichneten weniger Besucher als in den Jahren davor. Eine Woche vorher fand am Eröffnungstag der Vienna Autoshow in der Messe Wien der Importeursempfang erstmals nicht statt; ein bisher unverzichtbarer Branchentreffpunkt zu Jahresbeginn. Der „Eurotax-Empfang“ in der Wiener Hofburg war zum einen geprägt von einer noch nie dagewesenen Absenz wichtiger Branchenprotagonisten, zum anderen von einem konzeptionellen Fehler, der es nahezu unmöglich machte, sich mit möglichst vielen Branchenkollegen zu vernetzen. Die Öffnung des Wintergartens bewirkte, dass zahlreiche Besucher den ganzen Abend an dem Tisch sitzen blieben, an dem sie anfangs Platz genommen hatten. Keine guten Voraussetzungen fürs Netzwerken.

Verloren gegangene leichtigkeit

Faktum ist: Veranstaltungen, die sich über Jahre vortrefflich bewährt haben, werden von den Branchenprotagonisten offenkundig nicht mehr für so wichtig erachtet wie früher. Ich denke, dass das zum einen daran liegt, dass im kompletten Business-Alltag aufgrund des immer größer werdenden Drucks jene Leichtigkeit verloren gegangen ist, die dafür gesorgt hatte, dass Branchenprotagonisten bei Events auf einen Sprung vorbeigeschaut haben, um mit diesem oder jenen Kollegen ein Achterl zu heben. Man geht nur noch dorthin, wo man glaubt unbedingt hingehen zu müssen. Zum anderen liegt es aber vermutlich auch an der Beschaffenheit all unserer Veranstaltungen. Als Organisatoren sollten wir uns überlegen, ob wir Branchenevents nicht vollends neu aufstellen sollten. Oftmals reicht es nicht, lediglich an ein paar Schrauben zu drehen und ansonsten am Bewährten festzuhalten. Zuweilen ist wohl ein gänzlicher Neustart notwendig, um für Besucher attraktiv zu bleiben. 

präsenz nicht selbstverständlich

Die AutoZum in Salzburg ist die definitive – und einzige – Leitmesse Österreichs im Aftersales-Bereich. Sie läuft im Wesentlichen seit Jahren, ja seit Jahrzehnten, gleich ab. Das ist einerseits gut so, zumal das Ausstellen und das Besuchen auf dieser Messe gelernt ist und das hält, was man sich von ihr verspricht. Andererseits besteht die Gefahr, dass das Wesen der AutoZum nicht mehr wirklich zeitgemäß ist. Zwei Beispiele. Erstens: Für Big Player war es früher undenkbar, nicht präsent zu sein. Heute ist ein Auftritt nicht mehr selbstverständlich. Es werden auch Optionen wie Hausmessen und punktgenaue Kundenveranstaltungen präzise ins Kalkül gezogen, und bisweilen entscheiden sich vormalige Aussteller dann auch gegen die AutoZum. Zweitens: Seit der vorletzten Messe gibt es das „Reifenforum“, im Rahmen dessen sich die Industrie präsentiert. Im Gegensatz zum Reifentag – eine Vortrags- und Diskussionsplattform mit guten Besucherzahlen und interessanten Themen – ist das „Reifenforum“ im letzten Eck der Halle 10 ein veritabler Schuss in den Ofen. Die Aussteller sind ganz einfach mit ihrer Platzierung nicht zufrieden und betonen das bei jedem Gespräch. Die Besucherfrequenz ist schlicht nicht befriedigend.

KonzeptE überdenken

All die genannten Veranstaltungen funktionieren derzeit noch. Zwar nicht so gut wie früher, aber irgendwie geht’s. Wir alle sollten unsere Konzepte grundlegend überdenken. Damit es auch noch in zehn Jahren eine AutoZum, einen Ausstellerabend und einen Eurotax-Empfang gibt.
 

Autor/in:
Wolfgang Bauer
Werbung
Werbung