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Direktvertrieb als Damoklesschwert

12.04.2018

Der DIREKTVERTRIEB der Automobilhersteller hängt unentwegt wie ein Damoklesschwert über dem Handel. In Deutschland zeigt ein aktuelles Beispiel nun, wie drastisch das im Einzelfall sein kann.

Im deutschen Automobilhandel ist Feuer am Dach. Und das zu Recht. BMW hat einen neuen Großkunden an Land gezogen. Die Schwarz-Gruppe, zu der die Handelsketten Lidl und Kaufland gehören, kauft ihre Dienstwagen seit 1. März dieses Jahres nicht mehr bei Audi, sondern nunmehr bei BMW. So weit, so gut. Die Problemstellung: Erstmals schaut der Automobilhandel bei diesem Deal komplett durch die Finger. Normalerweise übernimmt der Handel bei derartigen Geschäften zumindest die Auslieferung der Autos. Laut dem deutschen Fachmagazin „kfz-betrieb“ soll es um europaweit jährlich 15.000 Fahrzeuge gehen, davon etwa 8.000 in Deutschland. Interessant ist ein weiteres Detail: Entgegen den Gepflogen vieler Großkunden least die Schwarz-Gruppe die Fahrzeuge nicht, sondern kauft sie und vermarktet sie nach einer Nutzungsdauer von 18 Monaten selbst. Das sei seit Jahren gängige Praxis in dem Unternehmen, heißt es in einer Mitteilung des Einzelhandelskonzerns. Das hat folgende Konsequenz: Die Fahrzeuge gehen im Gegensatz zu den herkömmlichen Leasinggeschäften als Gebrauchtwagen nicht in die Handelsorganisation zurück, sondern landen auf dem freien Markt. Insofern ist vollends unklar, wo und zu welchen Preisen diese Fahrzeuge sodann auftauchen werden. Da sist selbstverständlich ein enormes Risiko. Auch in puncto Restwertentwicklung.

„Im deutschen Automobilhandel ist Feuer am Dach. Und das zu Recht.“ WOLFGANG BAUER, CHEFREDAKTEUR

FAHRVERBOTE

Würden Fahrverbote die Luft in stark belasteten Innenstädten signifikant verbessern? Das darf entschieden bezweifelt werden. Diesen Schluss legen die Ergebnisse von Befragungen für das aktuelle Diesel-Barometer der Deutschen Automobil Treuhand (DAT) nahe. 1.001 Online-Interviews hat die DAT gemeinsam mit der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zum Thema Fahrverbote mit Verbrauchern geführt. Die größte Gruppe, 39 Prozent der Befragten, erwartet sich von Verboten kaum einen Einfluss auf die Luftqualität, andere Faktoren würden eine wichtigere Rolle spielen.

DIESEL IM SINKFLUG

Abgesehen von Vorbehalten gegen Verbote erwarten immer mehr Konsumenten, dass der Diesel weiter an Bedeutung verlieren werde. Mit 68 Prozent geht eine klare Mehrheit der Befragten von dieser Entwicklung aus. Sinkende Restwerte von gebrauchten Dieseln sind im Automobilhandel derzeit das absolute Reizthema. Im Februar war ein drei Jahre alter Diesel mit einer Jahreslaufleistung zwischen 15.000 und 20.000 Kilometer der DAT zufolge im Schnitt nur noch 53,5 Prozent seines Neupreises wert. Ein vergleichbarer Benziner kam dagegen auf 58 Prozent. Von den befragten potenziellen Autokäufern beeinflusst die Diesel- Krise etwa ein Drittel in ihrer Kaufentscheidung. Sie gaben an, ihren geplanten Kauf deshalb aufgeschoben zu haben. Ähnlich ist die Lage bei Besitzern von gebrauchten Dieseln: Knapp jeder Dritte (29 %) will sein Auto so rasch wie möglich loswerden.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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