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Direktvertrieb bedroht den Handel

18.05.2018

Im Jahr 2028 wird Audi zirka ein Drittel seines Volumens online vermarkten. Die Tendenz ist zweifellos eine eindeutige. Der HERSTELLER-DIREKTVERTRIEB wird signifikant zunehmen. Der Wind wird rauer.

Ich habe vor ein paar Wochen das Schallplattengeschäft meines Vertrauens aufgesucht - ja sowas gibt es tatsächlich noch, obwohl Media Markt, Saturn, Amazon und vor allem Downloads dem guten alten Plattengeschäft schon fast den Garaus gemacht haben - und konkret nach zwei bestimmten Platten gefragt, von denen ich aus dem Internet wusste, dass sie neu auf den Markt gekommen seien. Ich wiollte diese Platten live bei einem Menschen kaufen und nicht im Internet auf den Button „buy“ drücken. Was mir der Verkäufer sagte, erschütterte mich. Er erklärte mir, dass es eine Schand‘ sei, eine Chuzpe, weil immer mehr Plattenfirmen inzwischen ausschließlich auf den Direktvertrieb setzen würden.

ALLES MAKULATUR

Im Klartext: Auf den Fachhandel wird gepfiffen. Wer eine Platte kaufen will, kann das nun nur noch beim Hersteller selbst im Internet. Die unnötige Marge des Handels sparen wir uns. Dereinst war man überzeugt, dass es den Schallplattenfachhandel auch fortan weiter geben würde, weil die Kunden schließlich die Beratung schätzen, großen Wert aufs Probehören legen würden und überhaupt: Wer ist schon so abgebrüht, einfach im Internet zu bestellen, man will doch von einem richtigen Menschen beraten werden und dort kaufen, wo die Wertschöpfung daheim bleibt. Alles Makulatur mittlerweile. Interessiert niemanden mehr. Außer Narren wie mich, die immer noch das Schallplattengeschäft ihres Vertrauens aufsuchen. Aber von den paar Narren kann halt niemand leben.

AUDI DIREKTVERTRIEB

Im Jahr 2028 wird Audi zirka ein Drittel seines Volumens online vermarkten. Das prognostizierte der Vertriebschef des Herstellers, Martin Sander, jüngst in einem deutschen Fachmagazin. Dieser Wandel ist eine wesentliche Triebfeder, warum die Ingolstädter neue Händlerverträge durchsetzen wollen. Das künftige Vertragswerk soll die Folgen der Digitalisierung berücksichtigen. Beispielsweise plant Audi, das bisherige Margensystem durch eine aktivitätsbezogene Vergütung zu ersetzen. Außerdem müsse künftig gewährleistet sein, rund um die Uhr für Kundenanfragen zur Verfügung zu stehen.

„Künftig muss gewährleistet sein, rund um die Uhr für Kundenanfragen zur Verfügung zu stehen.“ WOLFGANG BAUER, CHEFREDAKTEUR

DER BMW-LIDL-DEAL

Volvo hat kürzlich ein Abo-Modell vorgestellt, das bis zu 4.500 Neuwagen pro Jahr vom Vertriebskanal Handel abzieht. Oder das Beispiel von Lidl und BMW (die KFZ Wirtschaft berichtete): Lidl vereinbarte mit dem Premiumhersteller, jährlich rund 8.000 Fahrzeuge in Deutschland abzunehmen. Dem Handel bringt dieser Deal nichts, denn er ist weder in die Neuwagenlieferung noch in die Vermarktung der Gebrauchtwagen eingebunden.

DIE ZUKUNFT?

Faktum ist: Die Hersteller werden fortan verstärkt auf den Direktvertrieb setzen. Auch wenn sie gebetsmühlenartig betonen, dass das klassische Autohaus in jedem Fall Zukunft haben werde.

Autor/in:
Wolfgang Bauer
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