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Der Weg in Richtung E-Mobilität ist noch ein weiter - zumal es in Europa große Unterschiede in der Infrastruktur gibt.

Elektroautos: Der Boom spaltet Europa

12.11.2020

E-Autos sind in Europa auf dem Vormarsch, bei der Ladeinfrastruktur gibt es aber keine europäische Einheit. Am besten versorgt ist man in Holland, nach Rumänien sollten man indes lieber nicht fahren.

DIe Marktanteile unterschiedlicher Antriebe in der EU verschieben sich zusehends.

Der Mix unterschiedlicher Antriebe wird immer bunter, alternative Systeme sind am Vormarsch. Das belegen die jüngsten Daten der Branchenvereinigung ACEA. Im zurückliegenden dritten Quartal des laufenden Jahres stellen sich die Marktanteile wie folgt dar:

47,5 Prozent aller in Europa neu zugelassenen Pkw waren Benziner, 27,8 Prozent Diesel, 12,4 Prozent Hybride und 9,9 Prozent Elektro-Autos (die restlichen auf 100 Prozent fehlenden 2,3 Prozent entfallen auf sonstige alternative Treibstoffe bzw. Antriebe). Damit sind die konventionellen Antriebe am absteigenden Ast: Der gemeinsame Marktanteil von Benzin- und Diesel-getriebenen Fahrzeugen ist gegenüber dem Vorjahr von 88,6 auf 75,4 Prozent gesunken, wobei der Rückgang bei Benzinern mit mehr als 24 Prozent größer war als bei Dieselfahrzeugen, deren Verkaufszahlen um 13,7 Prozent rückläufig waren.

Unterdessen haben sich die Verkäufe von E-Autos mehr als verdreifacht (plus 211,6 Prozent), jene von Hybriden beinahe verdoppelt (plus 88,8 Prozent).

Prompt rührt der deutsche Branchenverband VDA bereits die Werbetrommel und erklärt die deutsche Autoindustrie zum Europameister der E-Mobilität. Die Zukunft der Autobranche liege vor allem in der E-Mobilität, so VDA-Präsidenten Hildegard Müller. Da es aber noch Defizite bei der Ladeinfrastruktur gebe, fordert die Branchenvertreterin einen raschen Ausbau, etwa 2000  Ladepunkte pro Woche, was etwa dem Zehnfachen des Status Quo entspräche.

Keine europäische Einheit

Apropos Ladeinfrastruktur, interessant ist eine weitere, ganz aktuelle Studie des Herstellerverbandes: Sie belegt zwar – wenig überraschend -, eine positive Korrelation zwischen der Anzahl an vorhandenen Ladestationen und Marktanteilen von Elektroautos. Sprich, in jenen Ländern, die eine gute Ladeinfrastruktur haben, sind auch die Marktanteile elektrisch betriebener Pkw am höchsten. Überraschend ist allerdings das Ausmaß bestehender Ungleichgewichte innerhalb Europas: Mehr als 75 Prozent aller Ladestationen innerhalb der EU befinden sich in nur vier Ländern!

Dies sind die Niederlande, wo sich allein25 Prozent aller Landestationen befinden, Deutschland, Frankreich sowie Großbritannien (mit einem Anteil von 14 Prozent). In absoluten Zahlen bedeutet das, dass von insgesamt 199.825 Ladestationen unglaubliche 50.824 allein in den Niederlanden installiert sind. Damit haben die Holländer übrigens mehr als zehnmal so viele Ladesäulen wie die Österreicher: Hierzulande befinden sich laut ACEA-Daten 4443 Ladesäulen.

Dass der Status Quo in Europa nicht zufriedenstellend ist, zeigt folgender Sachverhalt: Die vier Länder, die gemeinsam 75 Prozent der Ladeinfrastruktur beherbergen, decken nur 27 Prozent der Fläche der EU ab. In Rumänien, das etwa sechsmal so groß ist wie die Niederlande, gibt es laut ACEA beispielsweise nur 344 Ladestationen, was gerade einmal 0,2 Prozent der gesamten EU-Infrastruktur repräsentiert.

Autor/in:
Hans-Jörg Bruckberger
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